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Kurse für 30 Euro: Was man von der Verbraucherzentrale über Geldanlage lernen kann

Die niedrigen Zinsen verunsichern Sparer. Das wissen auch die Verbraucherzentralen und bieten für kleines Geld Kurse an. Aber lohnen sich diese Veranstaltungen? Der stern hat so einen Kurs besucht. 

Von Till Daldrup

Geld anlegen: Was man bei der Verbraucherzentrale lernen kann

Geld anlegen: Was man bei der Verbraucherzentrale lernen kann

Es ist warm und stickig in dem Kellerraum der Verbraucherzentrale Hamburg. Doris Kappes muss sich mit einer Info-Broschüre Luft zuwedeln, während sie in atemberaubendem Tempo auf ihre Zuhörer einredet. "Ich möchte, dass sie nach diesem Seminar ihrem Bankberater richtig auf die Finger schauen können", sagt die Finanzspezialistin und rückt ihre Lesebrille im blondierten Haar zurecht. Es ist einer der wenigen schönen Spätsommertage des Jahres, trotzdem sind fast alle Plätze besetzt: Ein Dutzend Frauen und eine Handvoll Männer opfern ihren Feierabend, um sich von Kappes Tipps für die Altersvorsorge zu holen. 30 Euro zahlen sie für den Kurs "Private Altersvorsorge und das 1x1 der Geldanlage" und 20 Cent für ein kleines Glas Wasser, auf einem Tisch in der Ecke können sie sich an einer Sprudelflasche bedienen. Von oben sind schon die Staubsauger der Reinigungskräfte zu hören.

"Sparverträge und Versicherungen sollte man trennen"

Die wenigen Männer im Raum sitzen entspannt, einen Arm locker über die Lehne ihres Buchenholzstuhls gelegt. Die Frauen haben Blöcke auf dem Schoß und schreiben jeden Ratschlag Kappes' mit. Sprüche wie "Sparverträge und Versicherungen sollte man immer voneinander trennen" oder "Wer sparen will, muss Geld übrig haben" lassen die Kugelschreiber über das Papier huschen.


Kappes, eine kleine, resolute Frau Mitte 50, unternimmt einen Parforceritt durch die Welt der Finanzprodukte, über jedes einzelne fällt sie ihr Urteil: "Das finden wir gut", sagt sie dann und meint mit "wir" sich selbst und die Verbraucherzentrale. Oder eben: "Das finden wir finden wir nicht so gut." Die Rechtsanwältin formuliert vorsichtig, doch die Botschaft kommt an: Finger weg!

Kapitallebensversicherung sind teuer

"Nicht so gut" findet Kappes zum Beispiel Kapitallebensversicherungen. Denn die sind heute nur noch niedrig verzinst, während hohe Abschluss- und Verwaltungskosten einen Teil der Einzahlungen verschlingen. Kappes rechnet an der Weißwandtafel vor: "Dadurch verringert sich der Zinsertrag also effektiv nochmal." Außerdem haben die Verträge eine sehr lange Laufzeit, in der das Geld nicht frei verfügbar ist. "50 bis 60 Prozent der Lebensversicherungen werden vorzeitig gekündigt, weil die Leute dringend an ihr Erspartes ranmüssen", sagt die Finanzexpertin. Wer seinen Vertrag in Zeiten von Garantiezinsen in Höhe von vier Prozent und mehr abgeschlossen hat, sollte das natürlich vermeiden. "Wer hat denn noch so ein Schmuckstück?", fragt Kappes. Einige Wenige heben die Hand und können ihre Freude darüber kaum verbergen. Heute gibt es bei Neuabschlüssen nur noch 1,25 Prozent.3_Dt.Bank_10Fakten

Wie gut ist die Betriebsrente?

Auch die Betriebsrente bekommt von Kappes das Prädikat "nicht so gut" – zumindest, wenn der Arbeitgeber nicht ordentlich etwas dazu beisteuert. Etwa ein Drittel des Beitrages sollten vom Unternehmen zugezahlt werden, was laut Kappes längst nicht immer der Fall sei. Zudem solle man sich nicht vom vermeintlichen Vorteil täuschen lassen, dass die eigenen Einzahlungen sozialabgabefrei seien. Heißt: Was über die Betriebsrente gespart wird, fehlt hinterher bei der gesetzlichen Rente. Die Riesterrente hingegen sei besser als ihr Ruf, zumindest sei sie nicht vollkommen gescheitert. "Ihr Ziel, einkommensschwache Bürger zur Altersvorsorge zu bewegen, hat sie nicht erfüllt", sagt Kappes. "Für einige kann sie sich trotzdem lohnen." Wer beispielsweise ein niedriges Einkommen und viele Kinder hat, kann von großzügigen Zulagen profitieren. Und Gutverdiener ohne Kinder können über mit einem Riestervertrag Steuern sparen. In den meisten Fällen rät Kappes aber von der staatlich geförderten Vorsorge ab.

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Sparpläne als Geldanlage

Doch wo dann das Geld anlegen? Die Finanzexpertin empfiehlt zunächst die sichere Variante: Sparpläne bei Banken und Genossenschaften, selbst in Zeiten von Niedrigzinsen. "Einige Banken bieten heute immer noch ganz gute Konditionen", sagt Kappes. "Die österreichische Deniz Bank gibt zum Beispiel 2,1 Prozent auf zehn Jahre." Hektisches Schreiben. "Wie schreibt sich diese Bank?", fragt eine Frau. "2,1 Prozent sagten sie?", eine andere.
Die Seminarteilnehmer suchen nach Auswegen aus der Nullzinsfalle, nach allem, was die Versorgungslücke kleiner werden und einen doch ruhig schlafen lässt. Eine junge Frau mit Babybauch kriegt kaum Luft, wenn sie über die Altersvorsorge spricht: "400.000 bis 500.000 Euro brauche ich später einmal, habe ich ausgerechnet", sagt sie und macht große Augen. Woher soll das Geld kommen?


Spar-Tipp: Aktienfonds

Für höhere Renditen empfiehlt Kappes, einen Teil des Ersparten in Aktienfonds zu investieren. "Wir sind zum Beispiel ganz große Verfechter von Index-Fonds", sagt sie. Diese bilden Aktienindizes wie zum Beispiel den Dax kostengünstig nach und sind damit weniger schwankungsanfällig als andere Börsengeschäfte.


Doch auch bei Index-Fonds bleibt letztlich immer ein Risiko, die Rendite unsicher. "Wieso kann ich denn nicht ausrechnen, wie viel ich am Ende sicher dabei rausbekomme?", fragt eine Frau. "Wie wollen Sie das denn machen? Sie können ja wohl nicht in die Zukunft sehen, oder?", sagt eine andere und schüttelt den Kopf. Kappes nickt und lächelt gequält: "Hohe Rendite und sichere Anlage – beides zusammen geht leider nicht." Ein Spruch, der nochmal die Stifte in Bewegung setzt, bevor die Frauen und Männer aus dem Neonlampenlicht des Kellers in den warmen Sommerabend hochsteigen. Die letzten Sonnenstrahlen sind schon weg. Man kann eben nicht alles haben.