Geldwert "Der Benziner ist vom Aussterben bedroht"


Wer Sprit sparen will, sollte auf Diesel umsteigen - oder ein Hybridauto fahren.

Wer Sprit sparen will, sollte auf Diesel umsteigen - oder ein Hybridauto fahren.

Die Zahl der in Deutschland zugelassenen Personenwagen wächst weiter rasant. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Bestand um sechs Millionen auf rund 45 Millionen Autos. Die durchschnittliche Fahrleistung dagegen sinkt. Benziner spulen jährlich etwa 10.600 Kilometer ab, 2.200 Kilometer weniger als vor zehn Jahren, Diesel rollen 155.00 Kilometer (minus 2.700 Kilometer).

Der Spritbedarf je 100 Kilometer hat sich kaum verringert: Benziner schlucken heute durchschnittlich 8,7 Liter (vor zehn Jahren: 9,4), Diesel immerhin noch 7,3 Liter (vor zehn Jahren: 7,8). Macht für alle Personenwagen zusammen einen Mittelwert von 8,4 Litern gegenüber 9,1 vor einem Jahrzehnt.

Neben dem persönlichen Fahrstil

ist die Fahrzeugmasse der größte Spritfresser. Nach einer groben Formel treiben je 100 Kilogramm mehr auf der Waage den Verbrauch eines Mittelklasseautos um bis zu einen Liter nach oben. Kräftig Gewicht zugelegt haben fast alle, kaum ein neues Modell hat gegenüber dem Vorgänger abgespeckt. Meist sorgen Komfortzutaten wie Lederpolster, Dutzende von Stellmotoren im Innenraum, Dämm- und Isolationsmaterialien sowie Klimaautomatiken für Gewichtszuwachs - trotz des modernen Karosserieleichtbaus. So wog der Klassiker, der VW Golf, vor zehn Jahren 960 Kilogramm, heute wiegt er mindestens 1.155 Kilogramm. Die E-Klasse von Mercedes brachte es auf 1.360 Kilogramm, heute geht bei ihr nichts unter 1.570 Kilogramm.

Gegen die wuchernden Pfunde sind auch Dieselmotoren machtlos. Aber Diesel hat einen Verbrauchsvorteil, weil bei gleicher Menge rund 14 Prozent mehr Leistung drin stecken als im Benzin. Auf der gleichen Strecke schluckt ein Dieselmotor also durchschnittlich etwa 14 Prozent weniger Sprit als ein Benzinmotor.

"Der Benziner ist vom Aussterben bedroht", glaubt gar schon Peter Schmidt, Chef des britischen Forschungsinstituts Automotive Industry Data (AID). Nach seinen Berechnungen liegt der Dieselanteil an den Neuzulassungen in Deutschland in diesem Jahr bei rund 43 Prozent. "2006 kommt er an 50 Prozent ran", sagt Schmidt. Dass Dieselautos in einigen Jahren die immer strenger werdenden Schadstoffbestimmungen nicht mehr erfüllen könnten, glaubt der Autoexperte nicht: Der Diesel werde auch "die scharfe Abgasnorm Euro 5 erfüllen", die wahrscheinlich von 2008 an gelten werde.

Dieselautos sind vor allem

für Vielfahrer eine günstige Alternative. Je nach Modell, fand der ADAC kürzlich heraus, holt man aber schon mit einer Jahresfahrleistung von 10000 Kilometern über den niedrigeren Spritpreis die höheren Kosten für Anschaffung, Steuer und Versicherung eines Dieselautos wieder rein.

Doch auch, wer auf Benziner setzt, kann sparen - durch die Wahl eines Autos, das bei ähnlicher Leistung besonders wenig Sprit verbraucht. Spitzenreiter unter den Benzinsparern sind Hybridautos. Sie haben zwei Antriebseinheiten an Bord: Im Stadtverkehr und bei langsamer Fahrt treibt ein Elektromotor den Wagen an. Wird volle Leistung verlangt, schaltet sich ein herkömmlicher Benzinmotor zu, der ansonsten unterwegs die Batterie für den Elektrobetrieb auflädt. Mit diesem Doppelspiel verbraucht etwa das Hybridmodell Toyota Prius, Golf-Klasse, weniger Benzin als ein Smart-Winzling und 2,5 Liter weniger als ein vergleichbar starker Golf.

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