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Vision Elektromobilität Wieso ein Tesla S90 D für einen Grünen-Minister nicht gut genug war

Der Tesla S90 D ist ein hervorragendes Fahrzeug, für den Einsatz als echter Dienstwagen mangelt es ihm jedoch an Reichweite.
Der Tesla S90 D ist ein hervorragendes Fahrzeug, für den Einsatz als echter Dienstwagen mangelt es ihm jedoch an Reichweite.
© Tesla
Ab 2030 sollen Diesel und Benziner verboten werden. Nur noch E-Autos sollen dann gebaut werden – so wollen es die Grünen. Für den eigenen Minister war jedoch selbst ein Tesla für 110.000 Euro nicht gut genug.

Geht es nach den Grünen, sind Verbrenner-Motoren erstens von gestern und zweitens des Teufels. Was liegt also näher, als auf die Zukunftstechnik Elektroauto umzurüsten. Das dachte sich auch Johannes Remmel, als er sich für einen Dienstwagen Tesla S entschied. Remmel war damals grüner Umweltminister in Nordrhein-Westfalen. 

Für den Tesla S sprechen mehrere Faktoren: Er ist die stärkste und luxuriöseste Stromlimousine der Welt und verspricht mit 500 Kilometern die größte Reichweite. Vermutlich gibt es von Tesla keine maßgeschneiderten Leasingangebote für die deutsche Politprominenz, wie sie andere Hersteller anbieten, daher wurde entschieden, den Tesla zu kaufen, statt zu leasen.

Als Dienstwagen unbrauchbar

Das sollte deutlich günstiger werden – wurde aber wesentlich teurer. Der Dienstwagen wurde nie wirklich benutzt. Laut einem internen Memo, das vom Flottenmanagement zusammengestellt wurde, war der Tesla nicht brauchbar. Die kühne Vision der Elektromobilität wurde schnell von den schnöden Realitäten des Alltags eingeholt.

Da Nordrhein-Westfalen kein Stadtstaat ist, musste der Minister gelegentlich doch ein paar Kilometer zurücklegen. Da seine Zielorte nicht zwingend neben einer Ladesäule lagen, sollte die Reichweite für Hin- und Rückfahrt reichen. 90 Minuten Ladepause passten auch nicht zu seinem Terminkalender. Mit 500 Kilometern Reichweite wäre das kein Problem gewesen. Der Fuhrpark scheiterte allerdings an der Aufgabe, diese Entfernung auf echten Straßen mit einer Batterieladung zurückzulegen. Auch 400 Kilometer konnten nicht erreicht werden. Verlässlich könne man mit höchstens 300 Kilometer Reichweite rechnen – das schränkt den Einsatzradius auf 150 Kilometer ein.

Nicht komfortabel genug

Vernichtend ist auch eine weitere Bemerkung zu den Qualitäten des Tesla. Bei Dienstfahrzeugen wird sehr auf die Qualität der Sitze geachtet. Weil der Fahrersitz gewissermaßen als Arbeitsplatz des Chauffeurs dient, sind dort die Anforderungen so hoch, dass es kaum möglich ist, Kleinwagen einzusetzen – auch wenn ein bescheidener Minister dies vielleicht wünscht. Beim Tesla wurde die Hinterbank, auf der der Minister sitzen musste, gerügt. Sowohl Komfort als auch auch die Möglichkeit, dort zu arbeiten, ließen für ein Auto der Luxusklasse sehr zu wünschen übrig. Nach nur 43 Fahrten wurde der Wagen nicht weiter benutzt. Das geschah noch zur Amtszeit Remmels.

Motto: Wasser predigen und Wein trinken

Zwei Dinge sind an diesem Beispiel lehrreich. Da ist zum einen der bedenkenlose Umgang mit Steuergeldern. Offenbar wurde der Wagen blind gekauft. Sowohl die ungenügende Praxis-Reichweite, wie auch die unbequeme Rückbank hätte man an einem Probe- oder Miet-Wochenende entdecken können. Zudem sind die Grünen eine Partei, die der Bevölkerung gern weitreichende Einschränkungen wegen des Klimaschutzes zumuten will. Der eigene Minister findet jedoch den luxuriösesten Elektrowagen der Welt unzumutbar.

Vor einigen Tagen entschied die Nachfolgerin Remmels, Christina Schulze Föcking von der CDU, erwartungsgemäß darauf den teuren Tesla zu nutzen. Ihr Sprecher verwies auf das Memo: "Die maximale Reichweite lag in den Langstreckentests, je nach Fahrweise und Streckenprofil, bei unter 300 Kilometern. Diese Reichweite konnte nur ausgeschöpft werden, wenn im Anschluss sichergestellt war, dass die Batterien geladen werden können. Die Fahrtenplanung wurde dadurch ... maßgeblich erschwert."

Fazit: An dem Debakel ist nicht Tesla, sondern die Naivität des Ministers schuld. Dass im Stau-Bundesland Nordrhein-Westfalen die theoretische Reichweite schrumpft, sagt einem Autofahrer schon der gesunde Menschenverstand. Auch ist es offensichtlich, dass die tatsächlich zurückgelegte Strecke eines Fahrzeug im Chauffeurbetrieb in aller Regel größer ist als bei einem Selbstfahrer.


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