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China schickt Benziner und Diesel auf den Schrott - offen ist nur noch der Zeitpunkt

Peking läutet das Ende der Verbrennungsmotoren ein. Schon 2040 könnte Schluss damit sein, in Ballungsräumen sogar früher. So soll China der führende Hersteller von E-Fahrzeugen werden.

Schon heute verordnet die Regierung in China den Anteil an E-Fahrzeugen.

Schon heute verordnet die Regierung in China den Anteil an E-Fahrzeugen.

Für Verbrennungsmotoren wird es eng: Die chinesische Regierung hat bekannt gemacht, bereits konkret an einem Zeitplan zu arbeiten, mit dem Diesel- und Benzinmotoren aus dem Markt genommen werden sollen. Xin Guobin, der stellvertretende Minister für Industrie und Informationstechnologie, sagte auf einem Auto-Forum in Tianjin, dass Regierung und Behörden an einem Zeitplan arbeiten, um Produktion und Verkauf zu beenden. Dieser Umschwung wird tiefgreifende Auswirkungen auf die Umwelt und das Wachstum der chinesischen Automobilindustrie haben, sagte Xin laut der Nachrichtenagentur Boomberg.

Chinas Wirtschaft wächst weiterhin extrem stark. Eine Motorisierungsquote wie in West-Europa würde in den Megastädten des Landes zu einer weiteren Zunahme der Luftverschmutzung führen, sollten die Fahrzeuge weiterhin von Verbrennungsmotoren angetrieben werden. Ein Verbot von Verbrennungsmotoren soll zusammen mit anderen Maßnahmen helfen, das Smogproblem zu lösen.

Bald größte Volkswirtschaft der Welt

Ähnliche Pläne haben die Regierungen in Frankreich und Großbritannien bereits geäußert. Das Vorhaben Pekings hat allerdings eine größere Bedeutung. Mit 28 Millionen verkauften Fahrzeugen im vergangenen Jahr ist der größte Automobilmarkt der Welt. Die Neuzulassungen nahmen gegenüber dem Vorjahr um 13,7 Prozent zu. Die Dimension des chinesischen Auto-Marktes wird dazu führen, dass das Vorhaben Pekings Auswirkungen auf die Autohersteller auf der ganzen Welt haben wird. Der Gesetzgebungsprozess in Großbritannien und Frankreich ist zudem komplizierter und angesichts der langen Zeiträume bis zu einem Verbot vielen Unsicherheiten ausgesetzt. Unwägbarkeiten, die in China so nicht existieren.

In China rechnen Experten mit regional unterschiedlichen Zeitplänen. In Regionen wie und Shanghai kann der Umstieg zumindest im Bereich von Pkw bereits im Jahr 2030 erreicht werden, in ländlichen Regionen kann er weitaus später erfolgen.

Führende Rolle bei der E-Mobilität

"Die Umsetzung des Verbots für einen so großen Markt wie China kann auch nach 2040 eintreten", sagte Liu Zhijia, der stellvertretende General-Manager vom Chery Automobile Co. "Dann bleibt genug Zeit für alle, sich vorzubereiten." Das Ziel der chinesischen Regierung ist kein Abstrafen der Automobilindustrie. Hinter dem Verbot steht die Vision, weltweit führender Anbieter von emissionsfreien zu werden. Seit Jahren fördert Peking die E-Mobilität, teils durch vergünstigte Kredite für die Autohersteller und teils durch Subventionen für die Käufer. In Schlüsseltechnologien führt China bereits, etwa bei der Herstellung von Akku-Zellen. 

Für eine planmäßige Umstellung auf Elektroautos stehen der chinesischen Regierung zahlreiche Instrumente zur Verfügung. Anders als in West-Europa kann die Regierung in der Praxis Forschung und Ausrichtung der Hersteller bestimmen und kontrollieren. Auch der Marktanteil an E-Fahrzeugen wird von der Regierung vorgegeben.

In der breiten Bevölkerung gibt es zudem keine liebgewordene Tradition der individuellen Mobilität mit dem Pkw. Die meisten Chinesen steigen gewissermaßen erst jetzt ins Auto ein und nehmen Veränderungen gelassener auf. Daher spielen in China anders als in Europa auch sogenannte NEV - kleine elektrische Leichtmobile - eine wichtige Rolle. Diese Fahrzeuge ermöglichen eine Mobilität in der eigenen Stadt, für Reisen sind die Vehikel jedoch ungeeignet. Eine Roadmap der Gesellschaft der chinesischen Autoingenieure sieht vor, dass ihr Anteil im Jahr 2030 mehr als 40 Prozent des Automarktes erreichen wird.

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