Geschäftsklima Ifo-Index wieder unerwartet stark verbessert


Mehr Neuaufträge und eine gesteigerte Produktion dürften nach Einschätzung von Ifo-Konjunkturchef Gebhard Flaig die Stimmung der deutschen Unternehmen in den nächsten Monaten weiter verbessern.

Das Geschäftsklima in der deutschen Wirtschaft hat sich im November erneut unerwartet deutlich aufgehellt. Dabei beurteilten die vom Ifo-Institut befragten Firmen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Geschäftsaussichten merklich besser als im Vormonat. Der Ifo-Index für Westdeutschland habe auf 95,7 von 94,3 Punkten im Oktober zugelegt, teilte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag mit. Im Vorfeld befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 95 Punkte gerechnet. "Der von den USA und Asien ausgehende Konjunkturaufschwung scheint nun auch Deutschland zu erfassen", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch Bankenvolkswirte werteten den Index als Beleg dafür, dass sich die deutsche Wirtschaft nach drei Jahren der Stagnation auf dem Weg der Erholung befindet.

Zuversicht für eine Aufschwung

Als besonders wichtig werteten sowohl Ifo-Institut als auch Bankenvolkswirte, dass beide Teilkomponenten des Index zulegten. "Positiv ist vor allem, dass die Lagekomponente um zwei Punkte angezogen hat", sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Der Teilindex stieg auf 83,2 von 81,2 Punkten. Der erneute Anstieg der Erwartungskomponente auf 108,7 von 107,9 Punkten im Oktober kam für einige dagegen überraschend. Eigentlich gebe es für weiter verbesserte Geschäftserwartungen keine handfesten Gründe, sagte Jan-Paul Ritscher von der HSH Nordbank. "Immerhin ist noch eine hohe politische Unsicherheit in Deutschland vorhanden, und wir haben einen starken Euro."

Nur der Handel hinkt nach

Ifo-Chef Sinn wertete die erneute Besserung des Geschäftsklimas als Zeichen für weitere Fortschritte im konjunkturellen Erholungsprozess. Einen ähnlich lange Phase von Index-Anstiegen habe es zuletzt ab Mai des Aufschwungjahres 1999 gegeben, sagte Sinn. Das Geschäftsklima in Westdeutschland habe sich in allen Bereichen außer dem Einzelhandel verbessert. Dies könne an der Verunsicherung der Verbraucher über das Vorziehen der Steuerreform liegen. In Ostdeutschland verbesserte sich das Geschäftsklima auf 105,2 von 104,7 Punkten im Vormonat.

2004 wird alles besser

Nachdem Deutschland im Sommer mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) vom zweiten auf das dritte Quartal um 0,2 Prozent die leichte Rezession des ersten Halbjahres überwunden hat, blicken die Experten zunehmend optimistisch in die Zukunft. "Ich bin zuversichtlich, dass wir jetzt in einen Aufschwung in Deutschland einmünden", sagte Ritscher. Unter dem Strich wird Ökonomen zufolge aber bestenfalls eine Stagnation der Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr übrig bleiben. Für 2004 halten Ökonomen wie auch die Bundesregierung ein Wirtschaftswachstum von 1,5 bis 2,0 Prozent für möglich.

DPA

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