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Geschenke: Regeln für den Weihnachtsumtausch

Nach den Feiertagen werden die Geschäfte zum zweiten Mal gestürmt - diesmal von Gutschein-Einlösern und Geschenke-Umtauschern. Dabei gilt: Wer Fehlerhaftes zurückträgt, muss Gutscheine nicht akzeptieren.

Nach Weihnachten werden die Geschäfte zum zweiten Mal gestürmt. Jetzt sind die Bargeld- und Gutschein-Einlöser unterwegs, die Geschenke-Umtauscher und Reklamierer. Wer dazu gehört, sollte die Spielregeln kennen. Sonst könnte es passieren, dass sich ein Kunde abwimmeln lässt, obwohl er doch berechtigte Ansprüche hat. Oder umgekehrt: dass er an der Kasse auf Rechte pocht, die er gar nicht hat.

Mär vom Rückgaberecht bei Nichtgefallen

Eine Mär, der viele Verbraucher immer wieder aufsitzen, ist die vom problemlosen Umtauschrecht bei Nichtgefallen. Hartnäckig hält sich bei vielen die Vorstellung, sie dürften den Pullover oder DVD-Spieler wieder zurückbringen, nur weil die Ware nicht dem eigenen Geschmack entspricht, - obwohl sie ansonsten völlig einwandfrei und ohne Mängel ist. Doch es gibt gar kein generelles Rücktrittsrecht vom Kauf - auch wenn inzwischen viele Geschäfte dies gern zur Kundenbindung anbieten. "Es ist reine Kulanz des Händlers, wenn er tadellose Dinge zurücknimmt, nur weil sie nicht gefielen oder passten", betont Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern.

Verkäufer kann selbst Regeln festlegen

Deshalb kann der kulante Verkäufer oder Händler auch selbst festlegen, wie er die Rücknahme gestaltet: zum Beispiel nur gegen Gutschein oder nur mit Originalverpackung und Kassenbon. Wer also Tadelloses umtauschen will und mit dem Gegenangebot, beispielsweise einem Gutschein, nicht einverstanden ist, braucht keinen Aufstand an der Kasse riskieren. Er wäre im Unrecht.

Anders bei Fehlerhaftem

Ganz andere Regeln gibt es für Kunden, deren Geschenk einen Fehler hat. Ob das neue Hemd ein Loch hat, die Stereoanlage keinen Ton von sich gibt oder Geräte unter dem Christbaum lagen, deren Gebrauchs- und Montageanleitung völlig unbrauchbar ist, in allen solchen Fällen hat man einen gesetzlichen Anspruch auf Reklamation und Umtausch. Und man muss sich nicht mit einem Gutschein des Geschäfts abspeisen lassen, erläutert Saller.

Gelegenheit zur "Nacherfüllung"

Mit der Forderung einer sofortigen Rücknahme gegen Bargeld dürften reklamierende Kunden allerdings auch oft genug auf Granit beißen. Denn vorher muss dem Händler noch die Gelegenheit zur "Nacherfüllung" gegeben werden - wenn das möglich ist. Bei teuren Elektrogeräten passiert es häufig, dass sich der Kunde zunächst mit einer Reparatur oder einem Ersatzgerät aus derselben Baureihe zufrieden geben muss und nicht gleich den Kaufpreis zurück bekommt. Erst wenn die Reparatur zwei Mal nicht geklappt hat, darf der Kunde vom Vertrag zurücktreten. Das bedeutet: Ware zurück, Geld zurück. Alternativ könnte der Beschenkte auch die defekte Ware behalten und einen Preisnachlass verlangen.

Sonderangebote nicht vom Umtausch ausgeschlossen

Was viele nicht wissen: Auf ein Umtauschrecht kann auch der pochen, der reduzierte Ware mit Fehlern zurückbringt, wie Saller betont. Ist ein Produkt mangelhaft, kann es immer zurückgegeben oder der Preis gemindert werden. Niemand muss sich von Argumenten ins Bockshorn jagen lassen, wonach Sonderangebote grundsätzlich vom Umtausch ausgeschlossen sind. Nur für Fehler, die beim Kauf ausdrücklich aufgeführt wurden, ist ein Gewährleistungsausschluss möglich.

Bei Reklamationen ist kein Kassenbon nötig

Und noch eine Regel ist ganz entscheidend: Bei berechtigten Reklamationen muss man weder den Kassenbon noch die Originalverpackung vorweisen können, - selbst wenn Händler immer wieder stur darauf bestehen. Kein Kunde muss sich abwimmeln lassen, wenn er den Kassenbeleg für sein defektes Geschenk nicht parat hat. Zwar läuft ein Umtausch mit Bon reibungsloser als ohne. Gesetzliche Voraussetzung ist es aber nicht. Außerdem kann keiner dazu verdonnert werden, ein Produkt im Originalkarton zurückzubringen. Das Gesetz zwinge niemanden, daheim Berge von Kartons zu stapeln, um sie eventuell bei Reklamationen zur Hand zu haben, versichern auch die Experten von Stiftung Warentest.

Berrit Gräber / DPA