Rückgabe Wohin mit ungeliebten Weihnachtsgeschenken?

Recht rasch nach der Bescherung kämpfen Millionen Bürger mit demselben Frust: Was tun mit Weihnachtsgeschenken, die nicht gefallen, nicht passen und die man gern wieder los wäre?

Wer Schneid genug hat, sollte den Schenker nach dem Kassenzettel fragen und den Umtausch schon bald nach den Feiertagen in Angriff nehmen, rät Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern.

Selbst kleine Ladengeschäfte sind in den vergangenen Jahren deutlich großzügiger geworden, wenn es um die Rücknahme von Waren nach Weihnachten geht. Wer den Schein wahren will, kann sein Glück bei Online-Auktionen versuchen. Denn auf den weltweiten Internet-Marktplätzen kriegen die meisten Präsente eine zweite Chance. Und klappt es nicht mit einem Verkauf auf den deutschen Seiten, steht noch das Feilbieten per Mausklick im Ausland offen. Dort kann so manche Ware "Made in Germany" gefragt sein.

Das Zurückbringen von Geschenken ist "einfacher geworden"

"Das Weiterverkaufen im Netz hat sich inzwischen etabliert", betont Saller. Wer ein Weihnachtspräsent umtauschen will, das in einem Ladengeschäft gekauft wurde, dürfte am wenigsten Probleme kriegen. Das Zurückbringen von Geschenken sei "durch die Bank einfacher geworden", so die Erfahrung des Münchner Verbraucherschützers. Gegen Vorlage des Kassenzettels werde nicht mehr nur in großen Geschäften unproblematisch umgetauscht. Auch die kleinen Läden zeigten sich auf Grund des wachsenden Konkurrenzdrucks zunehmend aufgeschlossen - und das, obwohl Kunden gar keinen Rechtsanspruch auf Rücktritt vom Kauf haben, unterstreicht Saller.

Nimmt ein Händler tadellose Ware anstandslos zurück, ist das keine Selbstverständlichkeit sondern pure Kulanz. Aus diesem Grund bleibt es dann auch ihm überlassen, wie er die Rücknahme des einwandfreien Pullis oder Camcorders abwickelt. Das eine Geschäft bietet beim Umtausch einen Gutschein an, das andere erstattet das Geld gleich zurück oder akzeptiert die Rückgabe nur mit Originalverpackung und Kassenbon. Meckern dürfte nicht viel nutzen.

Mangelhafte Waren werden nicht umgetauscht, sondern reklamiert

Ist der Umtauschwillige mit den Konditionen des Händlers nicht einverstanden, bleibt ihm nur der Rückzug mitsamt ungeliebtem Geschenk. Ausnahme: War das Rücktrittsrecht vom Kauf vorher schriftlich vereinbart, muss der Verkäufer den Kaufpreis auch in bar zurückzahlen. Schwieriger ist es mit der Rückgabe reduzierter Ware. Sie ist häufig vom Umtausch ausgeschlossen, was meist auch schon auf dem Kassenbon vermerkt wird.

Ganz anders sieht es aus, wenn das Weihnachtsgeschenk einen Fehler hat oder nicht funktioniert. Wer eine mangelhafte Ware zurückbringt, tauscht sie nämlich nicht um, sondern reklamiert. Ansprüche auf Grund von Mängeln verjähren erst nach zwei Jahren, wie die Verbraucherzentrale Berlin betont. Die Originalverpackung darf dabei keine Rolle spielen. Außerdem muss sich der Kunde bei berechtigten Reklamationen nicht mit einem Gutschein abspeisen lassen. Auf einen sofortigen Geld-zurück-Service braucht er allerdings auch nicht hoffen. Vorher muss dem Händler noch die Gelegenheit zur "Nacherfüllung" eingeräumt werden. Erst wenn die Reparatur zwei Mal nicht geklappt hat, darf der Kunde vom Vertrag zurücktreten: Ware zurück, Geld zurück.

Knackpunkt: Früh online gekauft, spät geschenkt

Wurde ein unpassendes Weihnachtsgeschenk beim Online-Einkauf im Internet erstanden oder im Versandhandel, läuft der Umtausch nach Weihnachten längst nicht immer so reibungslos wie beim Ladenkauf, weiß Saller. Grundsätzlich soll das Rücktritts- und Widerrufsrecht die Rückgabe zwar problemlos ermöglichen - und zwar ohne Angabe von Gründen, 14 Tage lang. In der Praxis ist das aber häufig genug mit Ärger verbunden. Denn das Widerrufsrecht beginnt normalerweise mit Erhalt der Waren zu laufen - geschenkt wird aber oft später. "An Heilig Abend kann die Frist dann schon abgelaufen sein", warnt Saller. Ausnahme: Gibt der Online-Händler keine Widerrufsbelehrung, kann man unbefristet zurücktreten.

Und noch ein Pferdefuß lauert: Umtauschen sollte immer der, der auch online gekauft und bezahlt hat. In der Regel ist das aber nicht der Beschenkte. Der müsste sich also erst ein Herz fassen und den Schenker um Rückabwicklung des Präsents bitten. Häufig muss der Besteller bei einem Warenwert von unter 40 Euro auch noch die Rücksendekosten schultern. Ausgeschlossen ist außerdem der Umtausch von Audio- oder Videoaufzeichnungen wie auch Software, wenn sie nach der Lieferung entsiegelt wurden. "Echte Hürden", meint Saller. Da scheint ein Weiterverkauf bei Ebay oder Ricardo in vielen Fällen dann doch verlockender.

Berrit Gräber/AP


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