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Hauptversammlung: Schönheitskur für ProSiebenSat.1

Nach der gescheiterten Übernahme durch den US-Milliardär Haim Saban soll Deutschlands größter TV-Konzern ProSiebenSat.1 jetzt für neue Bewerber herausgeputzt werden.

Nach der gescheiterten Übernahme durch den US-Milliardär Haim Saban soll Deutschlands größter TV-Konzern ProSiebenSat.1 jetzt für neue Bewerber herausgeputzt werden. "ProSiebenSat.1 ist derzeit eine etwas zerrupfte Braut", heißt es in Gläubigerkreisen. Damit diese wieder interessant werde, müsse ihr eine Schönheits-Kur verpasst werden. Die Voraussetzung dafür soll an diesem Montag (16. Juni) auf der Hauptversammlung geschaffen werden. Die Anteilseigner stellen die Weichen für eine geplante Kapitalerhöhung, mit der die Finanzausstattung des relativ hoch verschuldeten Unternehmens verbessert werden soll.

Unendliche Geschichte

Auf der Hauptversammlung wird ein weiteres Kapitel einer unendlichen Geschichte geschrieben. Nach dem Zusammenbruch des Kirch-Imperiums sollte der Großteil der insolventen KirchMedia zunächst an den Hamburger Bauer-Verlag verkauft werden. Saban überbot aber in letzter Minute und bekam doch noch den Zuschlag. In der vergangenen Woche wurde die milliardenschwere Übernahme aber abgesagt.

Von Werbekrise schwer getroffen

Für ProSiebenSat.1, derzeit ohnehin von der Werbekrise schwer getroffen, war das ein Wechselbad der Gefühle. War das Unternehmen zunächst mit der Bauer-Lösung hoch zufrieden, wurde später Saban als Wunsch-Partner tituliert. In der vergangenen Woche nun begrüßte das Unternehmen auch den neuen Alternativ-Plan einer Übergangslösung mit Unterstützung der Banken. "Wichtig ist jetzt vor allem, dass Ruhe ins Unternehmen kommt", heißt es in ProSiebenSat.1-Kreisen. Die Verunsicherung bei den Mitarbeitern sei verständlicherweise groß. Aus diesem Grunde, heißt es bei einer Gläubigerbank, werde man nach dem gescheiterten Saban-Deal jetzt auch nicht gleich in die nächste Bieter-Runde einsteigen. Ein Verkauf an einen Investor könne dann vielleicht in einem halben Jahr, möglicherweise aber auch erst in zwei Jahren erfolgen. "Es haben sich schon ausländische Investoren gemeldet, das Interesse ist rege."

Neue Aktien für Kapitalerhöhung

Die Anteilseigner sollen zunächst einmal ein so genanntes genehmigtes Kapital schaffen und so die geplante Kapitalerhöhung möglich machen. Die Besitzer der an der Börse gehandelten Vorzugsaktien dürfen dabei allerdings nicht mitstimmen. Das Unternehmen kann nach der Zustimmung der Stammaktionäre bis zu gut 97 Millionen neue Aktien ausgeben. Damit könnten ProSiebenSat.1 beim derzeitigen Kurs theoretisch bis zu 475 Millionen Euro zufließen. Tatsächlich dürfte das Volumen aber eher bei 200 bis 300 Millionen Euro liegen. Das Geld könnte etwa zur Hälfte die insolvente KirchMedia beisteuern. Die KirchMedia sei daran interessiert, die Mehrheit zu behalten und ihren Anteil nicht zu verwässern, verlautete aus Finanzkreisen. Noch stehen die Details aber nicht fest. "Es ist noch alles im Fluss", hieß es am Donnerstag in Verhandlungskreisen.

Gute Finanzstruktur = Besserer Aktienkurs

Die andere Hälfte sollen die Banken bezahlen. Dadurch werden die Kreditinstitute direkt zu Anteilseignern der ProSiebenSat.1 AG. Sie könnten zusammen auf eine Beteiligung zwischen 10 und 20 Prozent kommen. "Für die Banken ist das aber ein reines Finanzinvestment, sie wollen nicht unternehmerisch tätig werden", heißt es in Gläubigerkreisen. Das könne aber ein gutes Investment sein. Wenn sich die Finanzstruktur von ProSiebenSat.1 verbessere, werde auch der darnieder liegende Aktienkurs wieder auf die Beine kommen. Wenn dann ein neuer Besitzer gefunden sei, könnten die Banken ihre Anteile versilbern, wird gehofft.

Sanierer im Kontrollgremium

Die neuen Verhältnisse sollen sich auch im Aufsichtsrat widerspiegeln. In der Einladung zur Hauptversammlung wurden vorsorglich schon einmal zwei Vorschlagslisten für das Kontrollgremium genannt. Auf Liste 1 standen unter anderem Haim Saban und sein Vize Adam Chesnoff. Zum Zuge kommen wird nun aber die vorsorglich bereit gehaltene Liste 2. So ziehen nun statt des schillernden US-Unternehmers der Insolvenzverwalter Michael Jaffé und KirchMedia-Sanierer Hans-Joachim Ziems in das Kontrollgremium ein.