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Investmentfonds Investieren statt sparen

Die Deutschen setzen bisher eher auf klassisches Sparen
Die Deutschen setzen bisher eher auf klassisches Sparen
© colourbox
Trotz vieler Vorteile zählen Investmentfonds hierzulande nicht zu den Favoriten, wenn es um das Thema Geldanlage geht. stern.de nennt fünf gute Gründe, warum sich das ändern sollte.
Von Heino Reents

Viele Bundesbürger setzen bei der privaten Altersvorsorge am liebsten auf die klassische Lebensversicherung, das Sparbuch oder den Bausparvertrag. Investmentfonds spielen dagegen oft nur eine untergeordnete Rolle. Eine Erklärung könnte das mangelnde Wissen über die Anlageform sein. Nur knapp die Hälfte der Bundesbürger hält sich einer Umfrage von TNS Infratest im Bezug auf Fonds für "gut" oder "sehr gut" informiert. Doch selbst das ist noch zu optimistisch eingeschätzt. So konnten zwar 75 Prozent der Befragten richtig definieren, was ein Aktienfonds ist. Aber 40 Prozent der Deutschen halten Aktienfonds gleichzeitig für riskanter als Einzelaktien - eine krasse Fehleinschätzung.

"Die Anlage in Investmentfonds zeichnet sich gegenüber der Anlage in Einzelaktien durch ein größeres Maß an Sicherheit aus, denn durch die Mischung der Einzelaktien wird das mit der Wertpapieranlage verbundene Risiko minimiert", erläutert Markus Zschaber von der VMZ Vermögensverwaltungsgesellschaft für Investmentfondsanlagen aus Köln. Durch das im Vergleich zum persönlichen Depot größere finanzielle Volumen eines Fonds seien Fondsmanager in der Lage, die Anlagen derart zu kombinieren, dass Risiko und Gewinnchance ausgeglichen werden können.

In anderen Ländern sind Fonds offenbar bekannter, sie zählen längst zur Vorsorge dazu. So verfügt jeder US-Amerikaner im Schnitt über umgerechnet rund 21.000 Euro in Investmentfonds. Zum Vergleich: Deutsche besitzen nur rund 3700 Euro in Fonds. Nur jeder vierte Haushalt hierzulande hat Geld in Fonds investiert, in Italien nutzen dagegen 41 Prozent diese Geldanlage, in den USA sogar 48 Prozent. "Dabei haben sich Investmentfonds im langfristigen Vergleich zu anderen Anlageklassen als rentable Geldanlage erwiesen", sagt Zschaber.

Anleger bleiben mit Fonds flexibel

Doch die meisten Deutschen sparen lieber als zu investieren. "Dabei haben Fonds eine Reihe beeindruckender Vorteile", sagt Alfred Strebel, Sprecher der Geschäftsführung von Fidelity International in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Einer der wichtigsten: die Flexibilität. "Fonds können jederzeit gekauft, umgeschichtet, aber auch verkauft werden. Viele andere Produkte wie Lebensversicherungen haben feste Auszahlungszeitpunkte, und ein vorzeitiger Ausstieg ist mit hohen Kosten verbunden", sagt Strebel.

"Die meisten Vermögensanlagen sind mit festen Laufzeiten oder vorgeschriebenen Kündigungsfristen verbunden", sagt auch Vermögensverwalter Zschaber. Die Fondsanteile können jedoch börsentäglich an die Investmentgesellschaft zurückgeben oder über die Börse verkaufen werden.

Weiterer Pluspunkt für Fonds ist die Transparenz: "Ein Investmentfonds kann mit wenig Kapital erworben werden, er wird von einer Kapitalanlagegesellschaft gemanagt, von einer Depotbank verwahrt, und das zu einem fairen Preis, gegen den die meisten Anleger nichts einzuwenden haben", so Zschaber, der neben mehreren Stiftungen auch zahlreiche Prominente in Vermögensfragen betreut. Dabei setzt er ausschließlich auf Fonds.

Auch für den kleinen Geldbeutel

Eine Strategie, die auch Kleinanleger ohne dicken Geldbeutel kopieren können. "Der klare Vorteil für einen Privatanleger besteht darin, dass er sozusagen die Vermögensverwaltung in einen Investmentfonds abgibt", sagt Zschaber. Das kommt der Risikostreuung zugute: "Indem der Fondsmanager immer auf mehrere Wertpapiere setzt, streut er das Risiko, erzielt aber gleichzeitig einen vergleichsweise hohen Ertrag", sagt Fidelity-Mann Strebel. Der Anleger brauche sich nicht um die einzelnen Wertpapiere eines Fonds und deren Kennzahlen zu kümmern.

Und das Beste: Fonds ermöglichen es, auch mit kleinen Summen ein beträchtliches Vermögen aufzubauen. Mit einem Einzahlungsplan können Anleger regelmäßig investieren und die Höhe der Raten selbst festlegen, um für die Rente eine hübsche Summe anzusparen.

Dass sich ein Fondsinvestment in den vergangenen Jahren gelohnt hätte, zeigt der Blick auf die zum Teil beachtliche Performance. Investmentfonds haben sich im langfristigen Vergleich zu anderen Anlageklassen als rentable Geldanlage erwiesen. So schneiden Fonds gegenüber Sparbüchern, deutschen Staatspapieren und Festgeldern nachweislich besser ab. Auf Jahressicht lagen die Wertzuwächse häufig im zweistelligen Bereich. Die mit Abstand höchsten Renditen erzielten laut der Statistik des Branchenverbandes BVI auf Dreijahressicht Fonds, die in Emerging Markets, Rohstoffe und Reits investierten. Sie eignen sich aber aufgrund der hohen Volatilität nur als Depotbeimischung.

Auf Lebensplanung abgestimmt

Eine interessante Anlagemöglichkeit bieten die so genannte Life Cycle oder Zielfonds. Die Produkte mischen Aktien und Rentenpapiere und sind genau auf die Lebensplanung des Anlegers abgestimmt. Wer etwa heute mit einem Renteneintritt um das Jahr 2020 kalkuliert, kann sich für einen Fonds entscheiden, der genau bis zu diesem Zeitpunkt läuft. Dieser investiert derzeit, da das Rentenalter noch weit entfernt ist, ausschließlich in Aktien, um die Renditechancen zu erhöhen.

Im Laufe der Zeit sinkt der Aktienanteil zu Gunsten von sichereren Papieren wie Staatsanleihen und Geldmarktpapieren. Im Jahr 2020 schließlich wird das Management nur noch Bargeld halten.

Um die Performancechancen zu erhöhen, kommen für das Vorsorge-Depot nicht nur aktiv gemanagte Fonds in Frage. So sind auch die börsennotierten Indexfonds Exchange Traded Funds eine kostengünstige Option.


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