KONSUMENTEN Teure Weihnachtseinkäufe auf 2002 verschieben


Oder mutig bessere Gewährleistung fordern, denn ab dann werden Reklamationen einfacher. Besonders bei »Gebrauchtwaren« kommen mehr Kundenrechte.

Der Kunde in Deutschland wird ein wenig mehr zum König - allerdings erst ab Januar 2002. Dann ist das neue Gewährleistungsrecht in Kraft, das verspricht: Ein Händler muss eine Ware kostenlos reparieren, Ersatz liefern oder sie ganz zurück nehmen, wenn sie innerhalb von zwei Jahren einen Fehler aufweist. Bislang betrug die Garantiefrist nur sechs Monate. Wer vor Weihnachten noch teure Einkäufe wie Digitalkameras oder Möbel machen wollte, sollte sie deshalb lieber ins nächste Jahr verschieben. Dann bekommt er mehr Sicherheit für sein Geld, wie die bayerische Verbraucherzentrale rät.

Handeln und bessere Bedingungen aushandeln

Wer das neue Handy oder den neuen Fernseher aber unbedingt schon unter dem Christbaum haben will, sollte mit dem Verkäufer handeln und auf die bessere Gewährleistung pochen, wie Verbraucherschützerin Petra von Rhein empfiehlt. Auch wenn der Handel sich in der Regel sträubt, die Hartnäckigkeit könnte sich lohnen, wenn es darum geht die verlängerte Euro-Garantie um einige Wochen vorzuziehen. »Bevor ein gutes Geschäft ganz durch die Lappen geht, wird so manche Firma dem Kunden entgegen kommen«, ist die Juristin überzeugt. Wichtig ist aber, sich die neuen Rechte beim Kauf schriftlich bestätigen zu lassen.

Einige Kaufhäuser schon dabei

Eine dritte Möglichkeit: In Warenhäusern einkaufen, in denen die verbraucherfreundliche Neuregelung ausnahmsweise schon greift. Das sind bisher die 189 Filialen der Marken Hertie, Karstadt, Alsterhaus und KaDeWe sowie die Kaufhof-Kette. Eine vorgezogene Garantieverlängerung bietet außerdem der Luxusgeräteanbieter Bang & Olufsen sowie die Braun-Gilette-Gruppe, erklärte das ZDF-Ratgebermagazin »Wiso« erklärt.

Gilt bereits bei Neuwägen

Ein Neuwagenkauf braucht nicht verschoben zu werden. Für Autos gilt schon seit 1. November die neue »Eurogarantie«, und zwar ab Datum der Erstzulassung. Gebrauchte Wagen sollen dagegen erst 2002 vom Händler erstanden werden. Ab dann muss sich der Käufer nicht mehr mit dem lapidaren Haftungsausschluss »gekauft wie gesehen« abspeisen lassen.

Kunde muss nicht mehr Fehler nachweisen

Dann gilt nämlich für alle Second-Hand-Waren vom Händler grundsätzlich ein Jahr Gewährleistungszeit inklusive einer weiteren kundenfreundlichen Neuerung, die für alle Einkäufe - ob neu oder gebraucht - besagt: Innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Kauf im Geschäft muss nicht der Käufer beweisen, dass die Sache schon bei Lieferung mangelhaft war. Davon geht der Gesetzgeber dann künftig automatisch aus. Die Fehlerfreiheit wird der Verkäufer nachweisen müssen, wenn er nicht gleich nachbessern will. Nach den sechs Monaten liegt die Beweislast allerdings wieder beim Kunden. Für Geschäfte von privat an privat gelten diese Regeln nicht.

Endlich Wahlrecht bei Mängeln

Künftig hat der Käufer dann auch die Wahl zwischen Reparatur einer defekten Ware oder einem neuen Produkt. Wochenlanges Warten auf die Wiederherstellung eines eingeschicktes Geräts muss nicht mehr grundsätzlich hingenommen werden. Verweigert der Händler dieses Wahlrecht, kann der Kunde notfalls vom Kauf zurücktreten oder den Preis mindern, so die Verbraucherzentralen. Bei Autos hat der Händler dagegen mehrfache Versuche zum Nachbessern und Reparieren.

Mehr Rechte bei Werkstattpfusch

Auch bei Werkstattpfusch haben Autobesitzer ab kommendem Jahr bessere Karten. Ein Jahr Gewährleistungspflicht gilt dann ausnahmslos für alle Auto-Reparaturfirmen - und nicht nur für Mitgliedsbetriebe der Kfz-Innung, wie es bislang der Fall war. Freie Werkstätten mussten unsachgemäße Reparaturen lediglich innerhalb einer Sechs-Monats-Frist kostenlos nacharbeiten bis der Fehler behoben war.

Skandinavien bleibt Verbraucherparadies

»Die Verbesserungen bei der Gewährleistung sind zwar ein guter Schritt nach vorn, aber im Verhältnis zu manchen europäischen Nachbarn immer noch an der untersten Grenze angesiedelt«, betont Juristin von Rhein. Verbraucher in skandinavischen Ländern wie Finnland und Norwegen könnten auf ganze sechs Jahre Garantie vertrauen. »Davon sind wir noch weit entfernt.«

Berrit Gräber


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