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Kriminalität: Banden manipulieren immer mehr Geldautomaten

Die Betrüger nutzen Minikameras, Fotohandys und Rauchmelderattrappen: An manipulierten Geldautomaten sind 2009 die Daten von etwa 120.000 EC- und Kreditkarten ausgespäht worden. Das Bundeskriminalamt beziffert den Schaden auf etwa 40 Millionen Euro.

Kriminelle spähen an immer mehr Geldautomaten in Deutschland EC-Kartendaten aus und plündern anschließend die Konten der Kunden. 2009 zählte das Bundeskriminalamt (BKA) 964 Automaten, an denen Mini-Kameras und andere Hilfsmittel montiert wurden - eine Steigerung um 20 Prozent. "Als normaler Kunde kann man das im Grunde nicht erkennen", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Die Täter gingen sehr professionell vor. Die Behörde schätzt den Schaden durch das sogenannte Skimming auf 40 Millionen Euro. Der für 2011 flächendeckend geplante Einsatz der Bankkarte mit Chip löst das Problem aus Sicht der Ermittler nur zum Teil.

Techniken werden immer raffinierter

Die Techniken der zumeist international operierenden Täter werden immer raffinierter. Bereits beim Betreten der Bank könnten Kartendaten über den Magnetstreifen abgefischt werden, sagte Ziercke. Am Geldautomaten drohen Bankkunden dann weitere Gefahren: Mit Minikameras, manipulierten Tastaturen und Rauchmelderattrappen spähen die Täter PIN-Nummern von Kunden aus. Nach Einschätzung von Ziercke ist die eingesetzte Technik oft so ausgefeilt, dass der "normale Kunde" den Betrug gar nicht bemerkt. Zudem geraten zunehmend auch Selbstbedienungs-Terminals und Kontoauszugsdrucker ins Visier der Betrüger.

Hohe Dunkelziffer beim sogenannten Skimming

Mittlerweile greifen die Täter - zumeist internationale Banden - zunehmend auch die Daten deutscher Urlauber im Ausland ab. Auch Besucher der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika seien gefährdet, warnte das BKA. Man habe dort allerdings heimische Polizisten geschult.

Ziercke geht beim Skimming von einer hohen Dunkelziffer aus. Viele Banken meldeten die Fälle nicht, weil sie um ihre Reputation fürchteten. Die meisten Manipulationen an Geldautomaten gab es in Nordrhein-Westfalen (661), gefolgt von Berlin (363), Bayern (166), Niedersachsen (160) und Hessen (151). Insgesamt gibt es in Deutschland 55.000 Geldautomaten.

Weil sich die Täter mitunter mehrfach an Automaten zu schaffen machten, lag die Gesamtzahl der erfassten Fälle im vergangenen Jahr bei 2058 - nach 2387 im Vorjahr. Dieser Rückgang sei kein Grund für Entwarnung, sagte Ziercke. In diesem Jahr seien bis Ende April schon 668 manipulierte Automaten gezählt worden, was auf einen neuen Anstieg hindeute.

Chip statt Magnetstreifen

Ziercke forderte, dass die Banken künftig auf den für Täter leicht auslesbaren Magnetstreifen auf Karten verzichten und nur noch auf Chips setzen, wie sie die meisten Karten schon haben. Von 2011 an ist der Chip im Euro-Raum Standard. Allerdings hält die Kreditwirtschaft auch am Magnetstreifen fest, damit Kunden weiterhin vielfältige Zahlungsweisen nutzen und mit der Karte auch außerhalb des Euro-Raums bezahlen können.

DPA/APN / DPA