MÄRKTE Dax fällt auf tiefsten Stand seit September 1996


Kräftige Kursverluste bei Automobil- und Bankenwerten haben den Deutschen Aktienindex (Dax) am Mittwoch zeitweise auf 2.519,30 Punkte und damit den tiefsten Stand seit September 1996 gedrückt.

Damit steuerte das Börsenbarometer auf die psychologisch wichtige Marke von 2.500 Punkten zu. »Vielleicht könnten wir da anhalten. Aber einen Rückfall auf 2.000 Punkte kann ich nicht ausschließen«, meinte der technische Analyst Klaus Tafferner von Concord Effecten. Auf den Automobilwerten lasteten Börsianern zufolge Absatzsorgen. Die Aktien von Volkswagen verbuchten mit einem Minus von zeitweise mehr als zehn Prozent den größten prozentualen Tagesverlust seit Oktober 1998. Bei den Banken sorgten anhaltende Spekulationen um die Ertragslage für erneut kräftige Verluste. Die Titel der Commerzbank drehten am Nachmittag allerdings ins Plus, ebenso die Papiere von SAP.

DAX auf sechs-Jahres-Tief

Der Dax lag am Nachmittag 1,5 Prozent im Minus bei 2.586 Punkten. Damit haben die deutschen Standardwerte seit Jahresbeginn rund 50 Prozent ihres Wertes eingebüßt und sich damit deutlich schlechter entwickelt als die übrigen europäischen Börsen oder die Wall Street. In den USA verlor der Dow Jones 1,7 Prozent auf 7.373 Stellen, während der Nasdaq-Index um 0,2 Prozent auf 1127 Zähler nachgab.

Einbruch der Autowerte übertrieben

Knapp die Hälfte des gesamten Dax-Verlustes ging auf das Konto der Automobilwerte. An der Spitze der Verlierer standen die Aktien von VW, die am Nachmittag 7,7 Prozent im Minus bei 32,51 Euro lagen. Das Unternehmen will im Januar die traditionellen Werksferien verlängern. Dies diene der technischen Vorbereitung des kommenden Golf-Modells. Die Aktien von DaimlerChrysler verloren 5,4 Prozent auf 31,06 Euro. Die aktuellen Absatzsorgen werden durch den drohenden Irak-Krieg verstärkt, sagten Auto-Analysten. Die derzeitige Kurseinbrüche waren aber nach einhelliger Expertenmeinung stark übertrieben und mit den aktuellen Konjunkturaussichten nicht zu rechtfertigen. Offenbar glaubten die Investoren nicht an eine Erholung der Branchenkonjunktur im kommenden Jahr, sagte ein Branchenkenner.

Spekulationen rund um die Banken

Die Banken setzten derweil ihre Talfahrt vom Vortag fort. Im Branchenvergleich führten die Papiere der Deutschen Bank Bankangesichts der anhaltenden Spekulationen um eine bevorstehende Prognosesenkung mit einem Minus von 1,2 Prozent auf 37,29 Euro die Verliererliste an. Unterdessen legten die Titel der Commerzbank gegen den Branchentrend um 4,7 Prozent auf 5,50 Euro, nachdem sie am Vormittag noch mehr als vier Prozent verloren hatten. Reuters hatte aus Unternehmenskreisen erfahren, dass die Commerzbank im dritten Quartal voraussichtlich ohne drastische Abschreibung auf Beteiligungen bleibe. Die Meldung habe große Erleichterung am Markt ausgelöst, sagten Händler.

Nach übereinstimmender Einschätzung von Bundesbank, dem Bundesverband deutscher Banken (BdB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) befindet sich die deutsche Bankenbranche trotz der jüngsten massiven Kursverlust derzeit nicht in einer Krise. Bezüglich der Liquidität gebe es keinen Anlass zu bankaufsichtlicher Sorge, fügte das BAFin hinzu.

SAP stemmen sich gegen Abwärtstrend

An der Spitze der wenigen Dax-Gewinner standen die Titel von SAP, die sich um neun Prozent auf 47,15 Euro verteuerten. SAP-Chef Hasso Plattner hatte in einem Interview der »Financial Times Deutschland« (FTD) die Prognosen von Analysten heftig kritisiert. Die Aussagen waren von der Zeitung als Kritik an den Erwartungen für das dritte Quartal gewertet worden. Einem SAP-Sprecher zufolge beziehen sich Plattners Aussagen lediglich auf die Vergangenheit. Zum Geschäftsverlauf im dritten Quartal wollte er sich nicht äußern.

Dennoch folgten viele Anleger offenbar der Interpretation der FTD. »Der scheint sich seiner Sache sehr sicher zu sein«, kommentierte der Händler Jörg Treptow von MM Warburg die Aussagen Plattners.

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