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Geldanlage: Schluss mit Sparen - so funktioniert das 1x1 der Investmentfonds

Die Angst vor der Börse kostet die Deutschen Milliarden Euro. Wie man sein Geld besser anlegt, zeigen Wissenschaftler. Können uns die Ideen von Professoren reich machen?

Geldanlage: Das 1x1 der Investmentfonds

Euros in die Produktion: Nur Investitionen in Unternehmen schaffen wirklich Wert

Und schon wieder eine Hiobsbotschaft für Sparer: Jetzt hat auch die die Zinsen auf dem beliebten Extra-Konto gesenkt. Dort haben die Deutschen 111 Milliarden Euro geparkt. Jetzt gibt es für das Tagesgeld nur noch 0,2 Prozent Zinsen. Vor acht Jahren waren es noch 3,5 Prozent. Das waren Zeiten!

Schlimmer noch: Das Gespenst der lugte erst jüngst wieder um die Ecke. Im Februar stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland so stark wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr: um 2,2 Prozent.

Die Rechnung ist kinderleicht, aber das Ergebnis erschreckend: 0,2 – 2,2 = –2. Minus zwei! Wenn es bei so niedrigen Zinsen und so stark steigenden Preisen bleibt, dann verlieren die Deutschen jedes Jahr zwei Prozent der Kaufkraft ihres Vermögens. Sparen macht dann nicht reicher – sondern ärmer. , ade.

Das Nettogeldvermögen der Deutschen pro Kopf ist nur halb so hoch wie etwa in Großbritannien

Die Sparquote ist hierzulande eine der höchsten in , doch richtig reich sind die Deutschen bisher ohnehin nicht geworden. Das Nettogeldvermögen pro Kopf ist nur halb so hoch wie etwa in Großbritannien. Was läuft da schief?

Darüber hat der stern mit drei Professoren gesprochen, die sich intensiv mit beschäftigen und den Sparern auch eigene Angebote machen.

"Die Deutschen sparen falsch", sagt etwa Professor Stefan Mittnik, "statt Geld zu parken, sollten sie es anlegen." Der Finanzmathematiker von der Universität München kennt die Diskussionen aus der eigenen Familie, das Sicherheitsbedürfnis der Bundesbürger ist riesig: "Mein Vater sagte immer zu mir: Aktien kaufe ich nicht – das ist doch Spekulation."

Ein riesiges Missverständnis: Wer japanische Internetfirmen heute kauft und nach ein paar Tagen – oder sogar nur Stunden – wieder vertickt, ist tatsächlich ein Zocker. Wer aber regelmäßig in die größten Unternehmen der Welt investiert und viele Jahre dabeibleibt, ist ein Anleger.

Jetzt wird angepackt: Die Euros dürfen nicht länger nur auf dem Konto herumliegen

Jetzt wird angepackt: Die Euros dürfen nicht länger nur auf dem Konto herumliegen

Der Index MSCI World, der die großen Aktienmärkte der Welt abbildet, ist seit 1970 im Durchschnitt jedes Jahr um sieben Prozent gestiegen. Wer während dieser Zeit mindestens 15 Jahre dabei war, hat zwar gewaltige Schwankungen erlebt, aber unterm Strich nie Verlust gemacht.

Der Rat des Finanzprofessors – nicht nur an die eigene Familie: Das Geld muss mehr zum Arbeiten gebracht werden; es muss dahin, wo die Wirtschaft wirklich brummt. "Investiere möglichst dort, wo der Mehrwert tatsächlich entsteht", sagt Mittnik. Also die Euros nicht zur Bank tragen, die sie dann über irgendwelche Umwege einem Unternehmen gibt. Bei jedem Zwischenschritt gehe von der Rendite etwas verloren.

Investmentfonds sind gesetzlich definierte Sondervermögen

In der Theorie sei die direkte Anlage in Aktien am besten. Aber das funktioniere in der Praxis für einen Privatanleger nicht, der 10 000 Euro zur Verfügung habe oder 100 Euro im Monat sparen wolle, sagt der Wissenschaftler: "Die Lösung sind Fonds."

Die Frage ist nur: welche? Mehr als 9000 Investmentfonds haben Banken, Sparkassen und Finanzberater im Angebot. Das sind gesetzlich definierte Sondervermögen, die das Kapital der Sparer getrennt von dem des Anbieters in Aktien, Anleihen, Immobilien oder Rohstoffen investieren. Es gibt Fonds für chinesischen Aktien, für Anteile an Goldminen und Zinspapiere aus Schwellenländern. Die Vielfalt ist verwirrend, und die verwendeten Begriffe sind schwer verständlich.

Doch die gute Nachricht für den Sparer ist: Er muss sich nicht mit 9000 Fonds beschäftigen, sondern zunächst nur mit zwei Typen: aktiv gemanagten Fonds und passiven Indexfonds, auch genannt Exchange Traded Funds (ETF).

"Nach 10 oder 15 Jahren spielt der Zeitpunkt keine große Rolle mehr. Wenn du langfristig anlegen willst, steig ein."

"Nach 10 oder 15 Jahren spielt der Zeitpunkt keine große Rolle mehr. Wenn du langfristig anlegen willst, steig ein."

Professor Max Otte, bekannt aus vielen Talkshows und berühmt als Prophet des Crashs 2008, ist ein Verfechter des aktiven Fondsmanagements. Von der Fachhochschule Worms hat er sich beurlauben lassen. Dozieren kann er immer noch: "Geld arbeiten zu lassen bedeutet: Investment im Aktienmarkt." Wenn man langfristig engagiert bleibe, sei man an den besten Firmen der Welt beteiligt und habe auch einen Schutz vor der Inflation: "Wenn die Preise steigen, erhöhen die Unternehmen ihre eben auch."

In einer überschuldeten Welt, so orakelt Otte, könnten Gläubiger schnell die Gelackmeierten sein. Und solange die Deutschen vor allem Geldvermögen hätten, würden sie dazu gehören. Wer dagegen auf Sachwerte setze, sei besser geschützt. Aber: "Für Sachwerte braucht man Sachverstand", sagt Otte, "oder jemanden, der es für einen macht."

Sind die Manager der Fonds ihr Geld wert?

Und so ein Jemand will er gern sein. Zwei Investmentfonds berät Otte bei der Anlage. Er studiert Bilanzen, liest Geschäftsberichte und sucht Unternehmen, die er an der Börse unter Wert gehandelt sieht. Das ist die typische Arbeit eines Fondsmanagers, wie es sie auch bei den großen Anbietern DWS, Union oder Deka gibt.

Diese Arbeit hat ihren Preis: Beim Kauf in Bank oder Sparkasse wird ein Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent fällig; dazu kommen jährliche Kosten von bis zu zwei Prozent hinzu.

Die große Frage ist nun: Sind die Fondsmanager ihr Geld wert? Da kommt als Vergleichsmaßstab der zweite Fondstyp ins Spiel: passive Indexfonds. Sie bilden stur etwa den Dax nach mit den 30 bedeutendsten deutschen Aktiengesellschaften oder den globalen MSCI World mit 1600 Unternehmen. Wer den Index kauft, kann nicht mehr verdienen als der Markt, aber auch nicht weniger. Der Clou sind die geringen Kosten: Die jährlichen Gebühren betragen nur 0,1 oder 0,2, höchstens aber 0,5 Prozent.

Professor Martin Weber von der Universität Mannheim beschäftigt sich vor allem mit dem Verhalten an den Finanzmärkten. Wenn er zu einer wissenschaftlichen Tagung fährt, macht er sich einen Spaß daraus, seine Kollegen zu fragen, wie sie ihr Geld anlegen. Ergebnis: "Die meisten haben Indexfonds und lassen die lange liegen."

Der Forscher findet das nur logisch. Er hat sich durch eine Vielzahl internationaler Studien gearbeitet, die die Wertentwicklung von Fonds über viele Jahre vergleichen. Sein Fazit: "Nur wenige sind auf lange Sicht besser als der Markt, nach Abzug der Kosten keiner."

Das Wichtigste bei einer Geldanlage sind die Kosten, denn zumindest die sind berechenbar

Der Professor rechnet vor: Bei einer jährlichen Wertsteigerung von sechs Prozent und laufenden Kosten von 1,5 Prozent sei nicht nur ein kleiner Bruchteil der Rendite weg, sondern ein Viertel. "Das Wichtigste für den Anlageerfolg sind die Kosten, denn zumindest die kann man genau vorhersagen", sagt Weber.

Grundsätzlich verdammen mag der Professor die Fondsmanager aber nicht. Manche Anleger brauchten eben eine Person, der sie vertrauten, um überhaupt investieren zu können. "Lieber einen guten Fondsmanager als komische Sachen wie Schiffsbeteiligungen oder Filmfinanzierungen", sagt Weber.

Doch einen guten Manager zu finden ist gar nicht so einfach. Rankings haben nur eine begrenzte Aussagekraft: Wer im vergangenen Jahr erfolgreich war, muss es im nächsten noch lange nicht sein. Regelmäßig veröffentlicht "Finanztest" Bewertungen, und Ratingagenturen wie Morningstar verteilen ein bis fünf Sterne.

Davon hat Max Otte nicht sehr viele. Eine Morningstar-Analystin hatte im vergangenen Jahr seine Fonds als "durchaus abenteuerlich" bezeichnet, als die Wertentwicklung zeitweise weit hinter vergleichbaren Angeboten zurückblieb. "Jetzt stimmt die Performance wieder", beteuert Otte. Obwohl er Professor sei, sehe er sich in seiner Rolle als Fondsmanager eher als Handwerker. Seine Wissenschaft habe damit nicht viel zu tun – und dann fragt er: "Ist ein Musiktheoretiker ein guter Pianist?"

Berühmt ist das Beispiel der Wirtschaftsnobelpreisträger Myron Scholes und Robert Merton. Sie hatten den Hedgefonds Long-Term Capital mitgegründet, der sich 1998 gewaltig verspekulierte und abgewickelt werden musste.

"Mehr Rendite gibt es nur mit mehr Risiko"

"Wir Forscher würden ja gern auch ohne Arbeit reich werden", sagt Professor Weber, "aber das klappt nicht." Was die Finanzmathematik könne: in den Daten der Vergangenheit nach Faktoren suchen, die Renditen beeinflussen. Ein paar immerhin haben sie dabei gefunden.

"Mehr Rendite gibt es nur mit mehr Risiko", sagt Weber. Der Sparer müsse ein Stück Unsicherheit akzeptieren, denn niemand habe etwas zu verschenken. Das Risiko könne aber begrenzt werden – durch eine langfristige Anlage und Diversifikation. "Streuen, am besten weltweit", rät der Ökonom.

Deutsche, die sich an die Börse trauen, bleiben am liebsten auf vertrautem Terrain. Sie kaufen Fonds, die sich überwiegend in heimischen Aktien engagieren. Die Wertschwankungen des Dax sind aber zum Beispiel viel höher als die des globalen Aktienindex MSCI World.

Eine weitere Erkenntnis lässt sich in den Spruch fassen: "Hin und her, Taschen leer." Aus der wissenschaftlichen Untersuchung Tausender Depots wisse man, so Weber: "Der normale Kunde einer Direktbank schneidet zwei bis drei Prozent schlechter ab als der Markt." Viele Hobby-Börsianer handeln zu hektisch, was die Kosten nach oben treibt. Einer der Hauptfehler: Schon bei kleinen Gewinnen wird verkauft – meist viel zu früh.

"Buy and hold", "kaufen und behalten"

Das Rezept dagegen ist alt und simpel: Disziplin. Am besten überlistet man sich selbst und schließt einen Sparplan ab. Dann werden Monat für Monat für einen bestimmten Betrag Fondsanteile gekauft – mal zu etwas niedrigeren, mal zu etwas höheren Kursen.

"Buy and hold", "kaufen und behalten", nennt man diese Strategie. Alle drei Professoren halten sie grundsätzlich für die richtige. Die häufigste Frage, erzählt Stefan Mittnik, die ihm im Bekanntenkreis zur Börse gestellt werde, sei: "Soll ich jetzt einsteigen – oder ist es schon zu teuer?" Tatsächlich haben sich die Kurse in den vergangenen Jahren rasant entwickelt, vor allem angetrieben durch die Politik des billigen Geldes der amerikanischen Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank.

Aber ob es deshalb für den Einstieg zu spät ist? Das wisse er auch nicht, sagt Mittnik dann in entwaffnender Ehrlichkeit. In der Theorie der Ökonomen ist der aktuelle Preis nämlich immer der richtige. Wenn er es nicht wäre, dann hätte schon irgendein Schlaumeier vor einem zugeschlagen und den Wert nach oben getrieben. Die richtige Antwort auf die Frage sei deswegen immer: "Nach 10 oder 15 Jahren spielt der Zeitpunkt keine große Rolle mehr. Wenn du langfristig anlegen willst, steig ein."