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Rentenlücke: Die schönen Jahre für Rentner gehen zu Ende

Vielen Deutschen droht Altersarmut. Zu wenige sorgen richtig vor und viele können es auch gar nicht. Die staatliche Rente wird in den seltensten Fällen ausreichend sein.

Viele ahnten es, die meisten spürten es, jetzt ist es auch wissenschaftlich untermauert: Die schönen Jahre für die Ruheständler gehen zu Ende. Wer nicht alle Register für die zusätzliche Altersvorsorge zieht, wird den Gürtel im Ruhestand deutlich enger schnallen müssen. Die gesetzliche Rente allein wird den gewohnten Lebensstandard nicht mehr garantieren können.

Wem Vorsorgesparen aber wie vielen Erwerbslosen oder Kleinselbstständigen nicht möglich ist, dem droht später sogar Altersarmut - speziell in Ostdeutschland, wo die Arbeitslosenzahlen ohnehin höher und die Löhne niedriger sind.

Unbedingter Wille zu mehr Vorsorge nötig

Nicht im Klartext, aber doch zwischen den Zeilen herauszulesen ist diese ernüchternde Perspektive aus einer neuen Studie der Deutschen Rentenversicherung und des Bundesarbeitsministeriums. Aus dem Wust von Statistiken und Grafiken auf fast 300 Seiten wird dennoch deutlich: Die Einschnitte bei der gesetzlichen Rente durch die Reformen der vergangenen Jahre können die Jüngeren nur unter günstigen Umständen und mit unbedingtem Willen zu mehr Vorsorge ausgleichen.

Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, tat sich bei der Präsentation der Studie am Mittwoch in Würzburg erkennbar schwer, die auf der Hand liegenden Schlussfolgerungen aus dem Zahlenwerk zu benennen. Das Wort "Altersarmut" wollte er am liebsten gar nicht in den Mund nehmen. Immerhin kam die Studie genau zu einem Zeitpunkt, zu dem die Rentenversicherung fast wieder im Geld schwimmt: Innerhalb der nächsten vier Jahre wird sie ihre Rücklagen bis auf knapp 26 Milliarden Euro aufstocken und damit im Vergleich zu 2007 mehr als verdoppeln.

Mit viel Glück geht alles gut

Rische wies darauf hin, dass es sich bei den Untersuchungen nicht um Prognosen, sondern um Modellrechnungen handelt, die auf bestimmten Annahmen beruhen - und sich folglich nur dann als richtig erweisen, wenn die Annahmen auch eintreffen. Gerechnet wurde in zwei Varianten: Mit einem "Basisszenario" und einer Version "Positiver Arbeitsmarkt".

Bei letzterem wurde mit Blick auf die zuletzt sehr günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt unterstellt, dass die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit auf lange Sicht um ein Jahr sinkt. Nur unter dieser Voraussetzung und flankiert von mit fünf Prozent überdurchschnittlich hoch verzinsten Riester-Sparverträgen kommt die Studie zu durchweg positiven Aussichten für die Alterseinkünfte in mehr als 20 Jahren.

Den meisten drohen Abschläge

Denn die Studie nimmt die Jahrgänge ab 1957 unter die Lupe - und die gehen erst zu einem Zeitpunkt in Rente, zu dem der Übergang zur Rente mit 67 längst begonnen hat. Wer dann das höhere Renteneintrittsalter ausschöpfen kann und bis zum regulären Ruhestand arbeitet, ist gut dran: Seine Rente wird dadurch aufgebessert.

Derzeit sind es nach Risches Worten etwa ein Drittel der Neurentner, die 45 Beitragsjahre vorweisen können. Der große Rest geht früher in den Ruhestand und muss meist lebenslange Abschläge hinnehmen.

Sorglos in die Altersarmut

Nur wenn dieser Trend sich umkehrt, werden mehr Leute von dem höheren Rentenalter in Form höherer Renten profitieren. Annelie Buntenbach, die Rentenexpertin des DGB, bezweifelt das, sieht lediglich für viele die Beschäftigungslücke vor der Rente in Zukunft wachsen - mit der Konsequenz von Rentenkürzungen.

Auch wenn die betriebliche und private Altersvorsorge auf dem Vormarsch ist (bis Jahresende wird der Abschluss des zehnmillionsten Riester-Vertrages erwartet), so zeigt die Studie auch, dass immer noch Millionen von Bundesbürgern überhaupt nichts tun - und damit geradewegs in die Altersarmut steuern: Ein Sechstel bis ein Viertel der Versicherten zwischen 46 und 50 Jahren - sie gehen in den nächsten 16 bis 20 Jahren in Rente - pfeift offensichtlich auf die staatliche Förderung und legt für einen auskömmlichen Lebensabend weder privat noch betrieblich etwas zurück.

DPA / DPA