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Schmuggel: Schwarzgeld im Schlüpfer

Berichten über harmlose Seniorenausflüge nach Zürich oder an den Rheinfall glauben deutsche Zöllner schon lange nicht mehr: Bei Durchsuchungen quillt ihnen gerne mal das Geld aus Schlüpfer, Mieder oder BH entgegen.

Berichten über harmlose Seniorenausflüge nach Zürich oder an den Rheinfall glauben deutsche Zöllner schon lange nicht mehr. "Ältere Herrschaften gehören zu unserer größten Klientel", erzählt der Leiter der Hauptzollamtes Singen, Werner Eberhardt. Im Mieder einer Berliner Seniorin fand der Zoll im vergangenen Jahr 88.000 Euro, aus dem Büstenhalter einer 62-Jährigen aus Hessen quollen 19.000 Euro. Eine 80-jährige Schwäbin zog bei der Kontrolle einen Plastikbeutel mit 14.500 Euro aus ihrem Schlüpfer, zwischen den Scheinen lag ein Zettel über ihre sämtlichen Schwarzgeldanlagen. Solche Unterlagen bringen die Beamten häufig auf die richtige Spur.

Im Einsatz: Bargeldspürhunde

Insgesamt fanden die Zöllner im vorigen Jahr in ihrem fünf Landkreise großen Gebiet Geld, Schecks, Sparbücher, Gold und andere Zahlungsmittel im Wert von knapp 36 Millionen Euro. Das aufgespürte Anlagevermögen summierte sich auf knapp 2 Milliarden Euro. Auf den ersten Blick ist manches Papier nur ein leerer Umschlag, Zöllner identifizieren ihn dagegen als Kuvert einer Schweizer Bank. Manchmal hilft eine Hundenase: Einer von 34 Zollhunden des Singener Amtes ist ein Bargeldspürhund.

Gerne gesucht: Schwarzgeld aus Erbschaften

2.560 Mal informierte der Zoll die heimischen Finanzämter der Steuerhinterzieher und Schmuggler. Vor allem im Erbfall gibt es oft Probleme rund ums Schwarzgeld. Oft haben die Erben nur vage Hinweise auf Konten. "Dann beginnt die Erkundung im Alpenland von Bank zu Bank", sagt Eberhardt. Im November forschte ein Franke im Auftrag einer Erbengemeinschaft und fand drei Millionen Schweizer Franken (rund 1,9 Millionen Euro) auf fünf Konten. Streit gibt es neuerdings öfter, wenn erbende Kinder unterschiedliche Moralvorstellungen haben. "Vor allem in diesen Fällen kann die Amnestieregelung des Bundesfinanzministers der Weg zur Lösung aller Probleme werden", meint der Zollchef. Reuige Steuersünder können nach dieser Regelung auf Strafverschonung hoffen.

Schmuggel kennt keine Konjunktursorgen

Von einer flauen Konjunktur sei an der deutsch-schweizerischen Grenze wenig zu spüren. "Der Geldfluss in die Schweiz geht weiter", sagt der Fahnder. Neben Oma und Opa mit geheimem Konto spüren die Zollbeamten vor allem Anlageberatern und Finanzmaklern nach. Die bringen offenbar auch das Geld prominenter Kunden vor dem deutschen Fiskus in Sicherheit. Eberhardt berichtet: "Aus den Unterlagen von drei Männern aus Thüringen ergab sich im Oktober, dass sie verschiedene Profifußballer deutscher Clubs an eine Zürcher Privatbank vermittelt hatten."

Frank van Bebber / DPA