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Steuerhinterziehung: Liechtenstein protzt mit Bankgeheimnis

Bei Jacobsmuscheln und Pralinen Steuern sparen: Die VP Bank wirbt in München offen für den Finanzplatz Liechtenstein. Ob dabei auch Steuern hinterzogen werden, schert die Bank wenig. Zu lukrativ ist das Geschäft mit den Reichen.

Von Christof Rührmair

Die Atmosphäre bei der Pressekonferenz der Liechtensteiner VP-Bank in München ist gediegen. Auf jedem Platz liegen Pralinen in einem Holzschächtelchen, auf dem das Logo des Unternehmens in goldenen Buchstaben prangt. Dicke Teppiche schlucken jeden Schritt, es werden Jakobsmuscheln gereicht.

Man zeigt, was man ist und wer man ist. Dabei sind seit dem Steuerskandal, der Liechtenstein und seine Bankenwelt ins Zwielicht rückte, nicht einmal zweieinhalb Monate vergangen. Trotzdem wirbt Bank-Chef Adolf E. Real offen für eben diesen Finanzplatz: Seine Bank ist die drittgrößte im Fürstentum und er selbst derzeit Präsident des Bankenverbandes.

Der schmächtige Mann mit der vertrauenerweckenden Stimme, die für deutsche Ohren nach Schweiz klingt, versucht sich in einem Spagat. Auf der einen Seite geht es darum, Liechtenstein als seriösen, sauberen Finanzplatz zu präsentieren. So betont er, wie wichtig doch der Kampf gegen Geldwäsche sei, dass in Liechtenstein gerade die Betrugsrichtlinien reformiert würden und tausende Rechtsakte der Europäischen Union umgesetzt worden seien.

"Keine Pflicht, uns als Polizisten zu benehmen"

Doch gleichzeitig will er natürlich den Ruf des diskreten Finanzplatzes für wohlhabende Deutsche nicht beschädigen. Aktivitäten der Banken gegen Steuerhinterziehung ihrer Kunden lehnt er rundweg ab. Er gehe davon aus, dass seine Kunden, wie er auch, ihre Steuern bezahlten, sagt Real und schränkt ein: "Aber gleichzeitig sehen wir keine Pflicht für uns, uns als Polizisten für andere Staaten zu benehmen." Entsprechend kann er nicht ausschließen, dass es auch unter den Kunden seines Hauses Steuerhinterzieher gibt.

Daneben betont er, wie wichtig doch die Privatsphäre sei: "ein Recht, auf das sich jeder Mensch berufen kann". Und er beteuert, dass es einen Diebstahl von Kundendaten, wie den, der im Februar Hunderte Fälle von Steuerhinterziehung aufgedeckt und zu zahlreichen Razzien geführt hatte, in seinem Hause noch nie gegeben habe.

Das kommt nicht von ungefähr: Die Frage nach dem möglichen Datenklau sei eine der ersten, die neue Interessenten seit Februar stellten, sagt Ernst Näf, der Chef des Privatkunden-Bereichs. Der Verstoß gegen das Bankgeheimnis, der am 14. Februar dazu führte, dass der damalige Post-Chef Klaus Zumwinkel vor laufenden Kameras abgeführt wurde und seinen Job verlor, scheint tief im Bewusstsein der potentiellen Anleger zu stecken.

Zielgruppe sind reiche Menschen mit mindestens einer halben Million

Es sind reiche Menschen, die liquide Mittel von mindestens einer halben Million Euro zur Verfügung haben, an die sich die VP-Bank in Deutschland wendet. Dementsprechend hat sie sich für ihre Pressekonferenz eines der teuersten Hotels Münchens als Kulisse ausgesucht. Bis zu 5.000 Euro kostet die Übernachtung im Mandarin Oriental laut Preisliste, das billigste Zimmer immer noch 445 Euro. Das richtige Ambiente für eine Bank, die ihren Geschäftsbericht binden und mit Stoff überziehen lässt, in den Muster eingewoben sind.

Doch nicht alles ist rosig: Auch wenn die VP-Bank selbst nicht betroffen ist, hat sie in den vergangenen Monaten unter dem Steuerskandal gelitten. Mehr als ein Viertel Ihres Aktienkurses büßte die Bank in den Wochen danach ein. Die Befürchtungen waren groß, dass deutsche Kunden ihre Gelder aus dem Fürstentum abziehen könnten. Bei der VP-Bank machen sie immerhin 17 Prozent der Einlagen aus.

Doch es habe keine ungewöhnlichen Geldabflüsse gegeben, sagt Ernst Näf, der Chef des Privatkundenbereichs. Allenfalls sei zu bemerken, dass die Kunden etwas zögerlicher im Abschluss geworden seien. Er gehe davon aus, dass es bei den anderen Banken im Verband ähnlich sei, sagt Real, konkrete Zahlen habe er aber nicht.

Jetzt wollen die Liechtensteiner in Deutschland expandieren. Viel ist da von persönlicher und individueller Betreuung die Rede, auch von Seriosität und Kreativität bei der Anlagestrategie. Und natürlich, betont Näf, biete man den Kunden Konzepte an, mit denen sich Steuern sparen ließen - legale, wie er betont.

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