Steuern Bei der Scheidung sparen: Wie sich unnötige Kosten vermeiden lassen


Absetzbar sind unter anderem die Gerichts- und Anwaltskosten sowie die Kosten für Nebenverfahren etwa zum Sorgerecht, Unterhalt, Versorgungs- und Zugewinnausgleich.

In Deutschland werden immer mehr Ehen geschieden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden waren es bereits 1998 knapp 200.000. Für die Betroffenen bedeutet die Trennung von »Tisch und Bett« nicht nur einschneidende persönliche Veränderungen, sondern oft auch erhebliche steuerliche Konsequenzen. Gelingt es jedoch, sich gütlich zu einigen, können nicht nur Anwalts- und Gerichtskosten gespart werden. Auch die Abgaben an den Fiskus fallen erheblich niedriger aus.

So können Ehepaare im Trennungsjahr noch die Vorteile einer steuerlichen Zusammenveranlagung nutzen. Kommt es zwischenzeitlich zur Versöhnung, ist dies sogar noch für ein weiteres Jahr möglich - vorausgesetzt, man hat mindestens ein paar Wochen zusammengelebt und gewirtschaftet. Um Streitereien ums Geld zu vermeiden, sollte vor Abgabe der gemeinsamen Steuererklärung zwischen den Noch-Eheleuten geregelt werden, wie viel jeder bei einer eventuellen Steuerschuld zu zahlen hat.

»Mit der Scheidung werden Ehegatten steuerlich Ledigen gleichgestellt«, erklärt Hans-Joachim Vanscheidt vom Bund der Steuerzahler in Wiesbaden. »Das bedeutet, dass nun bei beiden der in aller Regel ungünstigere Grundtarif zur Anwendung kommt. So werden beispielsweise Arbeitnehmer ohne Kinder in Steuerklasse I eingestuft, mit mindestens einem steuerlich zu berücksichtigenden Kind in Steuerklasse II.«

Finanzamt akzeptiert teilweise Scheidungskosten

»Rechtsschutzversicherer tragen nicht die Kosten eines Scheidungsverfahrens«, erklärt die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Familien- und Erbschaftsrecht im Deutschen Anwaltverein, die Rechtsanwältin Ingrid Groß aus Augsburg. Es komme jedoch vor, dass die Kosten für eine anwaltliche Beratung durch die Rechtsschutzversicherung übernommen werden, so weit es die Trennung betrifft - Scheidung und Regelung der Scheidungsfolgen würden dagegen nicht übernommen.

Da ist es für Trennungswillige ein kleiner Trost, dass wenigstens das Finanzamt diese Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen anerkennt. Absetzbar sind unter anderem die Gerichts- und Anwaltskosten sowie die Kosten für Nebenverfahren etwa zum Sorgerecht, Unterhalt, Versorgungs- und Zugewinnausgleich. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler sind die Aufwendungen allerdings nur dann absetzbar, wenn sie den zumutbaren Eigenanteil übersteigen. Dessen Höhe hängt vom Einkommen und der Zahl der Kinder ab. Bei Einkünften von 60.000 Mark im Jahr und einem Kind beträgt der »Selbstkostenanteil« zum Beispiel 1.800 Mark, bei 100.000 Mark sind es 3.000 Mark pro Jahr. Nur Ausgaben, die über diesem Eigenanteil liegen, mindern also die Steuerschuld. Der zumutbare Eigenanteil wird allerdings jedes Jahr erneut abgezogen. Deshalb sollten sich die Scheidungskosten möglichst nur auf ein Jahr konzentrieren.

Unterhalt als Sonderausgabe absetzbar

Die größte finanzielle Belastung, die auf einen der Geschiedenen zukommt, sind Unterhaltszahlungen. Leistungen an den Expartner dürfen derzeit noch bis zu 27.000 Mark im Jahr - 2.250 Mark monatlich - als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Der Unterhaltsempfänger muss das Geld versteuern. Dazu ist es erforderlich, dass beide die im Finanzamt erhältliche »Anlage U« ausfüllen und unterschreiben. Für den Unterhaltsberechtigten entstehen dabei keine Nachteile, da Familiengerichte in aller Regel verlangen, dass der Unterhaltszahler diese Steuermehrbelastung mit übernimmt. »Nach einer Ehescheidung werden abzugsfähige Beträge für Kinder beiden Elternteilen jeweils zur Hälfte gewährt«, so Hans-Joachim Vanscheidt. »Den Haushaltsfreibetrag von 5.616 Mark jährlich erhält allerdings nur der Elternteil, bei dem das Kind gemeldet ist.«

Um steuerliche Nachteile zu vermeiden, sollten sich scheidungswillige Ehepaare bereits im Trennungsjahr steuerrechtlich beraten lassen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Wohneigentum vorhanden ist. Sind beide im Grundbuch als Eigentümer eingetragen, tritt nach der Scheidung für beide automatisch der so genannte Objektverbrauch ein. Das heißt, dass beide ihren Anspruch auf Eigenheimförderung verlieren. Wird dagegen der Eigentumsanteil schon im Trennungsjahr auf einen Partner übertragen, erhält der andere bei einem späteren Immobilienkauf erneut die Förderung.

Auch bei einer gütlichen Einigung empfehle es sich, so früh wie möglich zu einem Rechtsanwalt zu gehen und sich beraten zu lassen, so Ingrid Groß. Denn nur er wisse, was für die Mandanten machbar sei und was nicht.

Informationen:

Das Faltblatt »Scheidung und Steuern« ist gegen Einsendung eines mit 1,10 Mark frankierten Rückumschlags erhältlich beim Präsidium des Bundes der Steuerzahler, Postfach 4780, 65037 Wiesbaden.

Den Ratgeber »Vermögensaufteilung bei Ehescheidung« gibt es für 16,50 Mark in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentralen. Zuzüglich drei Mark Porto kann er auch bestellt werden bei der Verbraucherzentrale NRW, Zentralversand, Aderstraße 78, 40215 Düsseldorf (Tel.: 0180/500 14 33, Fax: 0211/38 09 235, E-Mail: publikationen@vz-nrw.de).

Die 170 wichtigsten Fragen an den Anwalt zum Thema Trennung und Scheidung werden in einem gleichnamigen Ratgeber beantwortet, der 19,80 Mark kostet. Er kann bestellt werden über die Servicenummer 01805/18 18 05 der Deutschen Anwaltauskunft.


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