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Stichwort "Ratingagenturen": Die heimlichen Herren des Zinsmarkts

Am Mittwoch hat die Ratingagentur Standard & Poor's auch Spaniens Kreditwürdigkeit herabgestuft. Aber - wie arbeitet eigentlich eine Ratingagentur?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Firmen und Staaten, aber auch die Qualität von Fonds und anderen Wertpapieren. Die Einstufung entscheidet darüber, zu welchen Konditionen Konzerne, Banken oder Länder auf den Kapitalmärkten Geld leihen können - je besser das Rating, desto niedriger die Zinsen. Eine Herabstufung, wie sie seit einiger Zeit bei Griechenland stattgefunden und jetzt bei Spanien Schlagzeilen gemacht hat, bedeutet für den Kreditnehmer höhere Zinsen.

Im Weltmarkt sind drei Ratingagenturen mit weitem Abstand bestimmend: die US-Unternehmen Standard & Poor's und Moody's sowie die britische Agentur Fitch Ratings. Firmen, die in den USA auf dem Kapitalmarkt agieren wollen, müssen sich von mindestens zwei dieser drei von der Börsenaufsicht SEC allein zugelassenen Agenturen bewerten lassen.

Die Abstufung lässt sich mit den Schulnoten vergleichen. Eine Eins plus entspricht dem besten S&P-Rating AAA. Der Kreditgeber nimmt ein Ausfallrisiko von 0,02 Prozent im wörtlichen Sinn "in Kauf". Je niedriger das Ausfallrisiko, umso geringer muss der Kredit mit Eigenkapital der Bank hinterlegt sein. Umso mehr Verhandlungsspielraum hat übrigens auch der Kunde. Beim AAA-Rating eines Unternehmens beträgt die Eigenkapitalquote 1,6 Prozent.

Note Zwei gibt es bei AA+ (besser als AA) bis AA- (schlechter als AA), und so weiter bis hinab zu D, was einer "Acht" bei Schulnoten entspräche. Bei D wird mit 20 Prozent Ausfallrisiko oder einem Totalausfall kalkuliert, der Kredit - wenn er überhaupt noch gewährt wird - muss mit 12 Prozent Eigenkapital der Bank unterlegt sein. Solche Kunden kann sich eine Bank nicht lange leisten. Zu beachten ist: Während in der Schule der Einser-Schreiber bei einer Zwei kaum weitere Konsequenzen zu befürchten hat, ist eine Rating-Herabstufung im Finanzwesen immer eine schlechte Nachricht für Kunden, Gläubiger und Lieferanten, auch wenn sie "nur" von AAA nach AA+ erfolgt.

Ratingagenturen sind auf Gewinn ausgerichtete Privatfirmen. Kritik entzündet sich nicht erst seit der aktuellen Finanzmarktkrise daran, dass die Unternehmen, die von den Agenturen bewertet werden, diese auch bezahlen. In der Finanzmarktkrise wurde Ratingagenturen vorgeworfen, Asset Backed Securities (Forderungsberichtigte Wertpapiere) mit Höchstnoten bewertet zu haben, die später durch den Einbruch des US-Hypothekenmarktes massiv verloren.

Jetzt wird über den Einfluss internationaler Großspekulanten diskutiert, die durch geschicktes Jonglieren mit Staatspapieren das Rating von Staaten beeinflussen könnten. Deshalb soll Griechenland mit der internationalen Hilfe vom Finanzmarkt genommen werden, indem quasi die Kredite verstaatlicht oder zumindest staatlich verbürgt werden. So könnte sich das Land mittelfristig auf feste Zinssätze verlassen, die es ermöglichen, ein Sparprogramm durchzuziehen.

APN, DPA / DPA