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Terror-Finanzierung: Honig für den Terror

Längst schon sind islamistischer Terror und legale Geschäftstätigkeit eng miteinander verwoben. Bestes Beispiel ist Terror-Pate Bin Laden selbst: Zu seinen Aktivitäten gehören eine Baufirma, eine Straußenfarm und Honighandel.

Honig ist ein beliebtes Nahrungsmittel im Nahen Osten, und der reinste und teuerste Honig kommt aus dem Jemen. Kein Wunder also, dass der dortige Honighandel besonders attraktiv für Investoren ist. In den 90er Jahren soll sich dort erfolgreich ein Geschäftsmann engagiert haben, der nicht nur den Export der klebrigen Masse im Sinn hatte: Osama bin Laden. Wenige Monate nach dem 11. September 2001 fror die jemenitische Regierung die Konten mehrerer Honighändler ein, weil sie zu Bin Ladens Terrornetzwerk El Kaida gehört haben sollen.

Kennen die Spielregeln des Kapitalismus

Am Beispiel von Bin Ladens Honigengagement belegt die Wirtschaftswissenschaftlerin Loretta Napoleoni in ihrem Buch "Die Ökonomie des Terrors", wie eng islamistischer Terror und legale Geschäftsaktivitäten ineinander verwoben sind. Und es ist Bin Laden selbst, der diese gefährliche Allianz geradezu beispielhaft verkörpert: Zu seinen legalen Aktivitäten rechnet man eine sudanesische Baufirma, eine Straußenfarm in Kenia sowie Beteiligungen an Banken und Immobilien.

Die Al-Kaida-Spitze weiß das westliche Wirtschaftssystem zu nutzen. "Die Mehrheit von ihnen wurde im Westen ausgebildet. Sie kennen die Regeln des Kapitalismus in- und auswendig", sagte die italienische Autorin kürzlich der Wochenzeitung "Die Zeit". Kenntnisse, die sie wahrscheinlich für eine lukrative Spekulation mit dem Tod genutzt haben: In den Tagen vor dem 11. September waren an mehreren Börsen außergewöhnlich viele Gold- und Erdölpapiere gehandelt worden, ebenso wie Verkaufsoptionen auf Fluglinien und Versicherungen. Gold- und Ölpreise schnellten nach den Anschlägen nach oben, Airlines und Assekuranzen brachen ein.

Große Anschläge sind nicht teuer

Die Realität islamistischer Terrorzellen in Deutschland dürfte allerdings weniger vom Gebaren der Hochfinanz als vielmehr von gewöhnlicher Kleinkriminalität geprägt sein. Ein Großteil der islamistischen Aktivisten halte sich mit Kreditkartenbetrug oder Passfälschungen über Wasser, sagt ein Verfassungsschützer: "Die große Geldpumpe gibt es wohl nicht." Für ein Attentat wie den vereitelten Bombenanschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt sind eher einschlägige Kenntnisse als große Geldmittel erforderlich: Bei den gefassten Algeriern wurden vergleichsweise leicht zu beschaffende Grundstoffe für die Sprengstoffherstellung, Zünder und entsprechende Bauanleitungen gefunden. Selbst die Anschläge in den USA sollen laut FBI nicht mehr als 500.000 Dollar gekostet haben.

Doch auch illegale Finanzquellen im großen Stil spielten bei der Terrorfinanzierung eine Rolle, etwa der Drogenhandel. Bin Laden soll zu Zeiten der Taliban kräftig vom Opiumexport aus Afghanistan profitiert haben. Ähnliches gilt für den Schmuggel: Vor allem in Ländern mit schwacher Zentralgewalt erheben Islamistengruppen "Zölle" oder "Steuern" auf illegale Ausfuhren.

Geldbeschaffung durch Drogen und Schmuggel

Wie groß auch immer das Vermögen des Terrornetzwerks El Kaida sein mag - Schätzungen gehen in die Milliarden - es ist vielfach unmöglich in einer globalisierten Welt die Wege des schmutzigen Geldes nachzuvollziehen. Zu verzweigt ist das weltweite System von Off-Shore- und Schattenbanken, die - angesiedelt beispielsweise auf irgendeiner Pazifikinsel - heimliche Transfers ermöglichen. "Mehr als 60 Länder bieten die Möglichkeit, unbemerkt finanzielle Transaktionen vorzunehmen", schreibt Napoleoni.

Hinzu kommen alternative Überweisungssysteme, die einen Transfers abseits der Banken ermöglichen. Eines davon nennt sich "Hawala" und ist nicht etwa von Terroristen erfunden worden: Die Kunden geben ihr Geld etwa in einem Telefonladen oder bei einem Gemüsehändler ab, zahlen eine geringe Gebühr und bekommen dafür eine Code-Nummer - mit deren Hilfe sich der Empfänger die Summe irgendwo auf der Welt in einem Hawala-Laden auszahlen lassen kann. Das kann minutenschnell abgewickelt werden, ein Telefon genügt. Noch wichtiger: Es hinterlässt keinerlei Papierspuren.

Wolfgang Janisch, dpa / DPA