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Türkei: Zehn Lira hin, 7,5 Millionen zurück

Nach 64 Jahren hat die Türkei mit der Neuen Lira wieder eine feste Währung - der alten wurden kurzerhand sechs Nullen gestrichen. Problem dabei: Bis Ende des Jahres darf mit beiden Lira parallel bezahlt werden.

Das Jahr ist noch relativ neu, ebenso neu wie, die Verwirrung die gerade in der Türkei herrscht. An das Jonglieren mit Millionen, Milliarden und Billionen hatten sich die Türken in Jahrzehnten der galoppierenden Inflation gewöhnt. Mit der Währungsumstellung zum Jahreswechsel, durch den über Nacht aus einer Million alter Lira (TL) eine einzige neue Lira (YTL) wurde, hat sich die Türkei jetzt wieder stolz unter die Länder mit harter Währung eingereiht.

Währungskurs wie vor 64 Jahren

Die türkischen Devisenmärkte notierten den Dollarkurs am ersten Tag nach Wegfall der sechs Nullen mit knapp 1,35 Lira. Einen solchen Traumkurs hatte es zuletzt 1941 gegeben. Wie stabil damals die Lira war, unterstreicht der Blick zurück: Bei Gründung der türkischen Republik 1923 betrug der Dollarkurs 1,67 Lira. Auch im Vergleich zum Euro kann sich die türkische Währung im neuen Kleid sehen lassen: Ein Euro kostet jetzt 1,81 YTL, statt mehr als 1,8 Millionen TL Ende vergangenen Jahres. Doch der Stolz der meisten Türken über die wieder gewonnene harte Währung ist nur die eine Seite der Medaille.

Kopfzerbrechen bereitet vielen die ungewohnte Mikrowelt der neuen Währung: das Münzgeld. Was im Euro-Land die Cents sind, nennt sich im Land zwischen Bosporus und Ararat Kurus - Münzen, die viele junge Türken nur noch aus Erzählungen der Eltern und Großeltern kannten. Eine neue Lira sind gleich 100 Kurus.

Und hier beginnt das Verwirrspiel: Für einen Kurus, oder 10.000 alte Lira, gab es in der abgelösten Währung überhaupt keine Entsprechung. Vor der Währungsumstellung hatte die kleinste Münze einen Wert von 25.000 Lira. Doch was vor allem auch Euro-Touristen bei ihrem nächsten Urlaub in der Türkei verwirren dürfte: Da alte und neue Währung noch ein Jahr lang gemeinsam in Umlauf bleiben, muss sich niemand wundern, wenn er etwa beim Einkauf im Supermarkt einen bunt-gemixten Strauß Wechselgeld herausbekommt: Blanke, nagelneue 1, 10 oder 50 Kurus-Stücke zusammen mit abgewetzten 250.000 oder 500.000 alten TL-Scheinen.

Einen schweren Stand haben fliegende Händler, deren Umsätze sich im Kleingeldbereich bewegen. Ein Verkäufer in Istanbul, der das Kilogramm Bananen für 2,50 YTL anbietet, klagt: "Ein Kunde gibt mir zehn YTL, ich gebe ihm 7,5 Millionen TL heraus. Er will aber neue Lira zurück. Woher soll ich die nehmen? Wir streiten, und schon bin ich den Kunden los, ohne dass er Bananen gekauft hat."

1,10 Neue Lira oder doch lieber 100.000 alte Lira?

Nicht einfach haben es auch Busfahrer, die das Ticket in Istanbul für 1,10 YTL verkaufen. "Eine Frau gibt mir fünf YTL", so ein Ticketverkäufer über seine ersten Erfahrungen mit dem neuen Geld. "Ich sehe, dass sie auch alte 100.000 TL hat, und sage: Gib mir die 100.000 und ich gebe vier Millionen TL heraus. Sie will aber nicht und es gibt ein großes Geschrei." Sein Fazit: Der Verkauf von Fahrscheinen im Bus verspricht noch eine ganze Weile ein mühsames Geschäft zu bleiben.

Ingo Bierschwale/DPA / DPA
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