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Wall Street-Chef tritt zurück: 140 Millionen sind zu viel

Der wegen seines Jahreseinkommens von mehr als 140 Millionen Dollar in die Kritik geratene Chef der New Yorker Aktienbörse (NYSE), Richard Grasso, ist zurückgetreten.

Der Chef der Wallt Street, Richard Grasso, beugte sich jetzt dem gestiegenen Druck von Seiten der Investoren, Regulierungsbehörden und Wall-Street-Firmen und ist zurückgetreten. Der Rückzug Grassos am Mittwoch dürfte innerhalb der Organisation der NYSE den Reformdruck erhöhen, insbesondere was das Autorisierungsprozedere für die Bezüge des Börsenchefs angeht.

Interne Strukturen unter die Lupe nehmen

Die US-Börsenaufsicht SEC kündigte an, die internen Strukturen der NYSE unter die Lupe zu nehmen. Die großen Wall-Street-Akteure begrüßten den Rückzug Grassos, dessen Arbeit für die NYSE in den vergangenen 35 Jahren nie in Frage gestanden hatte. Einen vorläufigen Nachfolger für Grasso an der Spitze der weltgrößten Aktienbörse gab es zunächst nicht.

Grasso bot seinen Rückzug von dem Posten, den er seit 1995 innehatte, im Rahmen einer außerordentlichen Board-Sitzung der NYSE am Mittwochabend an. "Heute habe ich dem Direktorium in einer Konferenz mitgeteilt, dass ich mit größtem Widerstreben meinen Rücktritt einreichen werde, wenn das Direktorium dies wünscht", teilte Grasso mit. Das Board nahm das Angebot an.

Öffentlicher Aufschrei

"Der Rücktritt von Herrn Grasso war ein notwendiger Schritt, um das Vertrauen in die NYSE wieder herzustellen", sagte Steve Westly, Board-Mitglied der großen Pensionsfonds in Kalifornien. Der öffentliche Aufschrei angesichts der Höhe seiner Bezüge und die damit verbundene mangelnde Transparenz kostete Grasso zuletzt das Vertrauen der wichtigen Wall-Street-Akteure.

Doch auch nach Grassos Rücktritt bleibt der Geldhahn für ihn wohl noch weiter offen. Noch ist aber unklar, wie viele Millionen Dollar Grasso an Abfindung und Boni bekommen kann. Erst im vergangenen Monat hatte Grasso mit der NYSE einen Vertrag unterzeichnet, wonach ihm rund acht Millionen Dollar zustehen, wenn er aus "gutem Grund" zurücktritt oder "ohne Grund" entlassen wird. Der Vertrag sieht auch vor, dass Grasso ein Großteil von 48 Millionen Dollar zusteht, auf die er noch am 9. September hatte verzichten wollen - damit wollte Grasso der Kritik an seinen Bezügen begegnen.

Die NYSE hatte Ende August mitgeteilt, Grasso ein Gehaltspaket in Höhe von 140 Millionen Dollar gezahlt zu haben. Politiker, Investoren und die New Yorker Finanzmarktaufsicht hatten unter anderem kritisiert, die hohe Entlohnung sei unangemessen und schade der Glaubwürdigkeit der Börse als Finanzinstitution. Grasso hatte frühere Rücktrittsforderungen stets zurückgewiesen.

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