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Münchener Luxusmodehändler Mytheresa – das Zalando für Superreiche will die Welt erobern

Luxus
Onlineshopping für betuchte Kunden: Der durchschnittliche Einkaufswert bei Mytheresa liegt bei 600 Euro je Bestellung.
© Getty Images
Der Münchener Online-Luxusmodehändler Mytheresa hat an der Wall Street ein furioses Börsendebüt hingelegt. Das Zalando für Reiche hat viel vor.

Die Website sieht erstaunlich normal aus. Models präsentieren Kleidung für Frauen und Männer, darunter folgt die Kategorie Kids. Spektakulärer als bei Zalando oder About You sind lediglich die Preise: Ein Paar Kinderschuhe kostet 525 Euro, ein schlichtes Kleid von Diane von Furstenberg 770 Euro. Eine Baumwollmütze mit Ohrenklappen für Herren: 750 Euro.

Wenn man auf einen Artikel klickt, leuchtet am oberen Ende der Seite ein Rabattschriftzug auf: "Erhalten Sie 10 Prozent auf die erste Bestellung ab 600 Euro." Willkommen bei Mytheresa, dem Onlineshop für alle, die beim Klamottenkauf gerne eine Null mehr ausgeben. 

Mytheresa schafft lukrativen Börsengang

Der Münchener Luxusmodehändler ist gerade im Begriff eine für deutsche Verhältnisse erstaunliche Internet-Erfolgsgeschichte zu schreiben. 1987 als Ladenboutique in München gegründet, transformiert in einen international tätigen Onlineshop, und seit Donnerstag sogar an der Börse gelistet. Nicht in Frankfurt wohlgemerkt, sondern an der New York Stock Exchange. So viel Glamour muss sein. 

Zum Börsenstart rissen sich die Anleger um die Papiere, die offiziell auf den Namen der Muttergesellschaft MYT Netherlands Parent B.V. laufen. Zum Ausgabekurs von 26 Dollar hätte Mytheresa Medienberichten zufolge 27 Mal so viele Aktien loswerden können wie tatsächlich verfügbar waren. Der Kurs stieg dementsprechend umgehend nach Handelsstart sprunghaft an. Insgesamt platzierte Mytheresa nur rund ein Fünftel seiner Unternehmensanteile an der Wall Street – und erlöste damit bis zu 467 Millionen Dollar (385 Millionen Euro). Davon 370 Millionen (305 Millionen Euro) kassiert das Unternehmen selbst, der Rest geht an Altaktionäre. 

Von München ins Internet und die Welt

Gegründet wurde der Onlineshop 2006 von Susanne und Christoph Botschen, die in der Münchener Innenstadt das Modegeschäft "Theresa" betrieben. In den Räumen über dem Ladengeschäft wurden fortan auch Pakete gepackt und an die Kundschaft verschickt. Das Geschäft mit dem Versand von Designerware à la Gucci lief gut. Potente Kapitalgeber stiegen ein, das Gründerpaar aus. 2014 kaufte die US-Luxuskaufhauskette Neiman Marcus Mytheresa für 150 Millionen Euro. Nachdem Neiman Marcus im Mai 2020 Insolvenz anmelden musste, lösten Finanzinvestoren Mytheresa aus der Konkursmasse heraus und führten die Münchener nun zum Börsengang

Mytheresa verkauft heute Kleidung, Schuhe, Taschen und Accessoires von mehr als 200 internationalen Designern – von Prada bis Victoria Beckham. Das Unternehmen hat 860 Mitarbeiter und ist in 133 Ländern aktiv. Der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr, das im Juni endete, lag bei knapp 450 Millionen Euro. Seitdem sind die Erlöse nochmal um 30 Prozent gestiegen, im Corona-Shutdown wird auch Luxus gerne online geshoppt. 

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Potente Kunden

570.000 wohlhabende Kunden haben in den vergangenen zwölf Monaten bei Mytheresa eingekauft. Der Durchschnittspreis einer Bestellung liegt nach Unternehmensangaben bei 600 Euro, die besten Kunden kaufen im Jahr für 20.000 bis 30.000 Euro ein. 60 Prozent des Geschäfts macht das Unternehmen derzeit noch in Europa. Mit dem Geld aus dem Börsengang will Mytheresa auch in anderen Teilen der Welt angreifen, vor allem in den USA, wo man nun auf dem Parkett der Wall Street tanzt.

Der Unternehmenssitz ist heute übrigens Aschheim bei München. Im dortigen Industriegebiet hatte man bis vor Kurzem noch einen prominenten Nachbarn: den Skandalkonzern Wirecard, der nach Betrug im großen Stil abgewickelt wird. Für Mytheresa ist natürlich eine gänzlich andere Zukunft vorgesehen. Für die kommenden Jahre plant das Unternehmen mit einem Wachstum von 22 bis 25 Prozent.


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