Wer steckt hinter ... ... Western Union?


Die Schalter mit dem gelb-schwarzen Logo gibt es meist an Bahnhöfen und Flughäfen - in mehr als 200 Ländern. Hikmet Ersek ist Europa-, Afrika- und Asienchef der US-Geldversandfirma.
Von Elke Schulze

Sechs Uhren hängen hinter seinem Schreibtisch. Wenn Hikmet Ersek in Kalkutta anrufen will, kann er sofort sehen, wie spät es dort ist. Der 46-Jährige ist für 122 Länder in Europa, Nahost, Südasien und Afrika verantwortlich. Sein Geschäft: der Transfer von Bargeld in fast jedes Land der Welt. Sein Arbeitgeber: Western Union. Vor mehr als 150 Jahren wurde das Unternehmen als Telegrafierfirma in Amerika gegründet. 1871 bot die Firma als weiteren Service Geldüberweisungen an. Erst in den vergangenen 20 Jahren hat sich daraus ein globales Business entwickelt. 1992 wurden Bargeldtransfers in Deutschland eingeführt. Inzwischen sind weltweit 312.000 Agenturen in mehr als 200 Ländern tätig. Hikmet Ersek ist fast so international wie seine Firma. Seine Mutter ist Österreicherin, sein Vater Türke, er selbst mit einer Inderin verheiratet. In seinem Wiener Büro wird Dienstliches auf Englisch diskutiert, mit seiner deutschen Mitarbeiterin spricht er, wie es gerade passt, eine Art Denglisch.

Das Geschäftsprinzip von Western Union ist einfach: Der Kunde weist sich aus, zahlt seine Scheine ein und bekommt eine Transfernummer. Dann ruft er den Empfänger an, nennt ihm die Nummer, und der kann sich dann in einer Filiale das Geld sofort auszahlen lassen. Größtes Zahlerland sind die USA, gefolgt von Saudi-Arabien. Das meiste Geld geht nach Indien, Mexiko und China. 75 Prozent der Überweisungen werden über Bankpartner vor Ort abgewickelt, in Deutschland vor allem über die Filialen der Reisebank, Postbank oder eine der Geldwechselstellen von Travelex an Bahnhöfen und Flughäfen. "Deshalb wachsen wir dreimal schneller als der Markt", sagt Ersek. Dieses Jahr wird Western Union 289 Milliarden Dollar transferieren. Western Union ist eine Bank für Migranten. Das Geld, das sie an ihre Angehörigen zu Hause schicken, soll dort Anschaffungen dienen oder ist für die Schulausbildung der Kinder gedacht. An jeder Transaktion verdient Western Union kräftig mit.Nach eigenen Angaben kassiert die Bank zwischen fünf und zehn Prozent der transferierten Summe.

"Wir stellen uns auf die Bedürfnisse der Menschen ein"

Tatsächlich aber liegen die Gebühren häufig viel höher. Weshalb in den USA derzeit Zuwandererorganisationen zu Boykotten aufrufen. Und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) will für Migranten eine Internetseite mit Überweisungskonditionen von rund 40 Banken freischalten (www.geldtransfair.de).Da es mit Western Union einfach ist, Bargeld außer Landes zu schaffen, gibt es auch immer wieder den Vorwurf, die Bank würde Betrug und Geldwäsche Vorschub leisten. Ersek widerspricht dem vehement: "Wir halten die Finanzgesetze in jedem Land ein und arbeiten eng mit den Aufsichtsbehörden zusammen." Bei jeder Einzahlung werde geprüft, ob gegen den Kunden etwas vorliege. Verbraucherzentralen warnen allerdings davor, bei Käufen über das Internet den Bargeldtransfer zu nutzen. Jüngst überwies ein Autokäufer bei einem Onlinekauf so 4000 Euro nach England, wartete aber vergebens auf seinen Wagen. Ersek spricht lieber über den Segen, den seine Firma 200 Millionen Migranten weltweit biete. Er sagt: "Wir stellen uns auf die Bedürfnisse der Menschen ein."

Ethnic Marketing nennt er das. Wenn etwa in Amerika der Valentine’s Day gefeiert wird, wirbt seine Firma dafür, an die Lieben zu Hause zu denken. Für den geschäftlichen Erfolg ist er fast immer im Einsatz. 70 Prozent seiner Zeit, sagt er, gingen fürs Reisen drauf - meist zu Treffen in einem der 50 Büros. Übers Wochenende nimmt er häufig seinen achtjährigen Sohn mit. Das hilft der Tarnung, wenn er inkognito die Servicequalität der Vertriebsstellen überprüft. Das ständige Reisen macht dem Manager nichts aus. Und wenn er aus Indien oder von den Philippinen zurückkehrt und unter Jetlag leidet, geht er eben morgens um vier Uhr joggen. Zeit wird nicht verschwendet. "Let’s learn more" lautet sein Motto. Schon sein Wirtschaftsstudium verdiente er sich als Basketball-Profi in der österreichischen Bundesliga. Die Prüfungen absolvierte er irgendwie zwischen den zwei täglichen Trainingseinheiten. "Let’s learn more": Längst denkt Ersek über neue Vertriebsstrategien nach. Geld verschicken übers Handy zum Beispiel.

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