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Vermögen: Wieso die Millennials die reichste Generation aller Zeiten werden könnten

Angeblich geht es den Millennials finanziell schlecht. Dabei wartet eine rosige Zukunft auf sie – wenn sie nur Geduld haben.

Die gute Nachricht: Die Millennials sind DIE Generation der Erben. Die schlechte: Nicht jeder hat etwas davon.

Die gute Nachricht: Die Millennials sind DIE Generation der Erben. Die schlechte: Nicht jeder hat etwas davon.

Getty Images

Wirtschaft und Millennials – zu diesem Thema erfährt man meist nur Negatives. Die Älteren halten die Snowflake-Generation generell für zu weich und zu verwöhnt für das raue Erwerbsleben. Und über Millennials liest man häufig Geschichten über zerbrochene Lebensträume. Sie handeln von jungen Leuten, die nicht Fuß fassen konnten und wieder bei ihren Eltern einziehen müssen. Oder die von teuren Studienkrediten erdrosselt werden, weil sie nur einen schlecht bezahlten Aushilfsjobs ergattern konnten. Doch es gibt auch Ökonomen, die den Millennials eine großartige und vor allem wohlhabende Zukunft voraussagen. Sie heben auf die Generationen-Dynamik ab. Die Jüngeren finden stets eine Welt vor, in denen die Top-Positionen und die großen Vermögen von der älteren Generation besetzt sind. 

Vermögen verschwindet nicht

Dann ist vor allem Geduld gefragt: Denn tatsächlich verschwinden weder Spitzenpositionen noch Vermögen. Im Gegenteil, es gibt Anzeichen, dass sie sich mehren. Insbesondere das Kapital wächst weit schneller als das Arbeitseinkommen. Fragt sich also: Wo ist das Vermögen? Und wo bleibt es? Die Generation der Baby-Boomer (In Deutschland zählen dazu die Menschen, die zwischen Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er geboren wurden) gilt im Westen als reichste Generation aller Zeiten – noch kontrolliert sie den Löwenanteil der Ressourcen. Aber früher oder später danken sie ab und all das, was sie besessen haben, fällt in die Hand der Jüngeren – das wird etwa um das Jahr 2030 herum geschehen.

Die Royal Bank of Kanada hat den Vermögenstransfer der Baby-Boomer berechnet. Allein in Großbritannien und Nordamerika wird demnach ein Vermögen von etwa 4.400 Milliarden Euro weitergegeben. Das bedeutet eine wahre Flut an Erbschaften. Zumal hier ein historisch einmaliges Phänomen eintritt: Bisher war die Generation der Erbenden zahlenmäßig immer stärker als die der Erblasser. Bei den Millennials und den Baby-Boomern verhält es sich andersrum. Der gleiche Reichtum wird unter weniger Menschen verteilt.

Paul Donovan, der Chefökonom von UBS Wealth Management, prophezeite daher, dass Millennials tatsächlich die wohlhabendste Generation der Geschichte sein werden. "Man muss darauf hinweisen, dass die Millennials die wohlhabendste Generation sein wird, die wir je erlebt haben", sagte Donovan zum Business Insider UK. "Grundlegend ist, dass der Reichtum nicht in Rauch aufgeht. Wenn ich sterbe, werden meine Nichten das Vermögen erben, das ich angesammelt habe. Und dazu das Vermögen, das meine Eltern angesammelt haben."   "

So gesehen kommen rosige Zeiten auf die Millennials zu – aber nur als Gruppe. Dem einzelnen ist damit nicht unbedingt so geholfen, wie den Nichten des kinderlosen Chefökonomen. Denn auch wenn die Baby-Boomer reich sind, heißt das nicht für jeden, dass Mama und Papa ihm ein wohlgefülltes Depot hinterlassen. Auch in einer reichen Generation gibt es Arme. Nur ein kleiner Teil der Millennials wird ein stattliches Erbe antreten. Tatsächlich dürfte der Erbfall eine starke Konzentration des Vermögens nach sich ziehen.

Annehmender Sparwille

Hinzu kommt eine Unwägbarkeit: Niemand kann derzeit vorhersagen, wie wichtig es den Baby-Boomern sein wird, ihren Snowflakes etwas zu hinterlassen. Zwei Faktoren könnten die Erbsubstanz merklich schmälern. Heutzutage werden wir immer älter, dadurch wächst die Ruhestandsphase. Es ist durchaus möglich, dass die Älteren einen guten Teil ihres angehäuften Vermögens während des eigenen langen Ruhestands verbrauchen. Was mit 60 noch ein sattes Vermögen war, kann im Alter von 89 zu einem kleinen Plus zusammengeschmolzen sein. Moritz Schularick, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bonn, sagte der BBC, die Geschichte vom reichen Erbe gelte nur für wenige. "Sie gilt für die Menschen, die so viel haben, dass sie ihr Vermögen nicht ausgeben können. Normale Menschen - und normale Wirtschaftsmodelle - gehen davon aus, dass Menschen für das Alter sparen und dann mit ihrem Ersparten bezahlen, wenn sie kein Einkommen haben. Am Ende ihres Lebens gibt es einiges an Erbe, aber nicht so viel."

Das liegt allein an der langen Dauer des Ruhestands, eine neue Mentalität kann diesen Schwund noch verstärken. Erbschaften bauen auf der Bereitschaft der älteren Generation zum Konsumverzicht auf. Verzicht galt bislang nicht als starke Seite der Baby-Boomer-Generation. Wenn sie dem Ideal des sparsamen Rentnerlebens kollektiv Adieu sagen und statt in die Nachkommen lieber in einen großzügigen Lebensstil mit Ferienhaus, Reisen und Kreuzfahrten investieren, könnten die Millennials sogar kollektiv in die Röhre gucken.

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