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Zehn Jahre Riester-Rente: An Informationen hapert es noch

Die Riester-Rente stößt in der Bevölkerung auf unterschiedliche Akzeptanz. Familien "riestern" doppelt so oft wie Alleinlebende oder Kinderlose. Viele nutzen die Altersvorsorge, um Steuern zu sparen.

Die Riester-Rente wird von den Deutschen unterschiedlich stark angenommen. Die staatlich geförderte Altersvorsorge erreicht vor allem Menschen mit Kindern. Die größte Gruppe der Riestersparer bilden mit 30 Prozent Familien mit Kindern unter 16 Jahren. Aber auch Alleinerziehende "riestern" mit 20 Prozent wesentlich öfter als Single oder kinderlose Paare. Diese Zahlen veröffentlichte das von der Deutschen Bank getragene Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA). Es zog damit eine Zwischenbilanz für die fast 15 Millionen Verträge, die seit Einführung der Riester-Rente vor zehn Jahren abgeschlossenen worden sind.

"Das Ziel der Familienförderung wird erreicht", stellt Reiner Braun, Mitverfasser der Studie, fest. Zu den besten Riestersparern gehörten Mütter. Die Zahl der 18- bis 29-Jährigen unter den Riestersparern ist zwischen 2004 und 2007 von acht auf 19 Prozent gestiegen und liegt Braun zufolge heute bei geschätzten 26 Prozent. Anlässe für den Abschluss einer Riesterrente bieten der Studie zufolge Schlüsselereignisse wie der Abschluss eines Arbeitsvertrags, eine Beförderung, die Geburt eines Kindes oder ein gemeinsamer Haushalt mit dem Partner.

Mitnahmeeffekte bei Besserverdienenden

Nach wie vor sorgen vor allem diejenigen fürs Alter aber vor, die zu den Besserverdienenden zählen. Hier gebe es "erhebliche Mitnahmeeffekte" so die DIA. Die Nachfrage bei Nichterwerbstätigen sowie Niedrig- und Normalverdienern - der Hauptzielgruppe - ist in den vergangenen Jahren zwar gewachsen, könnte aus DIA-Sicht aber besser sein. "Die sozialpolitisch erwünschten Zielgruppen werden durchaus erreicht", sagte ein Sprecher des Instituts. Allerdings müsse angesichts der beträchtlichen staatlichen Fördersumme von mehr als einer Milliarde Euro auch über Korrekturen nachgedacht werden.

Unter den jüngeren Riestersparern sind überdurchschnittlich viele Akademiker: Während nur jeder Sechste mit Hauptschulabschluss riestert (16 Prozent), trifft dies für fast jeden Vierten mit Realschulabschluss (23 Prozent) oder mit (Fach-)Hochschulreife (24 und 22 Prozent) zu. Neben fehlender Schulbildung sind der Studie zufolge auch Sprachbarrieren dafür verantwortlich, dass Geringverdiener keine Riester-Rente abschließen.

Angst vor zusätzlichem Aufwand

Viele Menschen werden durch Unwissenheit und Angst vor dem zusätzlichen Aufwand vom Riestersparen abgehalten. "Besser mehr Information als höhere Zulagen", empfiehlt Braun daher, um die Altersvorsorge der Deutschen zu verbessern. So sei die hohe Riesterquote in der Gruppe mit überdurchschnittlichem Einkommen (31 Prozent) zwar erfreulich. Andererseits schließe diese Gruppe vermutlich Sparverträge auch ohne staatliche Förderung ab - entscheide sich aber wegen der attraktiven Kinderzulage oder um Steuern zu sparen für die Riester-Rente. "Hier könnte der Staat auch Geld sparen", so der DIA-Sprecher.

Die Riester-Förderung, benannt nach dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester (SPD), gibt es seit 2001 für die Anlageformen Rentenversicherung, Aktienfonds und Banksparplan und seit 2008 auch für den Kauf oder das Abbezahlen einer Immobilie.

Mehr zum Thema im stern.de-Ratgeber Altersvorsorge.

pen/dpa/AFP