Zinspapiere Mit Schulden reich werden


Der Staat muss sich immer mehr Milliarden leihen. Dabei können Privatanleger mitverdienen. Mit Zinspapieren des Bundes lässt sich eine feine Zusatzrente ansparen. So geht's.

Hans Eichel braucht Geld. Genauer gesagt: unvorstellbar viel Geld. Mehr als 220 Milliarden Euro muss sich der Finanzminister in diesem Jahr pumpen. Den kleineren Teil braucht er, um die neuen Steuerlöcher zu stopfen; den größeren, um alte Kredite umzuschulden. Der Staat gerät immer tiefer in die Schuldenfalle. Mit 840 Milliarden Euro steht der Bund in der Kreide. Jeden fünften Steuer-Euro muss Eichel für Zinsen ausgeben. Schlecht für die Bürger, aber gut für die Anleger.

Man muss kein Millionär sein, um dem klammen Kassenwart Geld zu borgen. Schon mit 52 Euro lässt sich in das Geschäft mit der Staatsverschuldung einsteigen. Es ist eine Anlage fast ohne Risiko. Bisher hat die Bundesrepublik ihre Verpflichtungen immer erfüllt. Internationale Rating-Agenturen geben dem deutschen Staat nach wie vor die beste Note ("AAA"). Im Zweifel dürften eher die Steuern erhöht werden, als dass keine Zinsen mehr gezahlt werden.

Wenn Eichel Geld braucht, geht er nicht einfach zur Bank. Fürs Schuldenmachen hat er seine Spezialisten. Jeden Monat grübeln die im "Benchmark Management Committee" über die richtige Schuldenstrategie. "Unser Ziel ist es, bei angemessenem Risiko die Zinslast zu minimieren", sagt Ministerialdirektor Jörg Asmussen. Je nach der Lage an den Finanz märkten gibt der Bund Zinspapiere mit Laufzeiten von sechs Monaten bis 30 Jahren heraus. Wenn die Regierung zusätzliche Mittel braucht, wird meist eine vorhandene Anleihe aufgestockt. Bisher hat das immer reibungslos geklappt. Um mit den Profis in Banken und Börsen mitzuhalten, hat das Ministerium vor dreieinhalb Jahren die "Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur" gegründet. In Frankfurt organisieren 80 Mitarbeiter, darunter hoch bezahlte Ex-Banker, das Schuldenmanagement des Bundes. Sie schalten Anzeigen ("Bundesobligationen bieten Ihnen alles, außer bösen Überraschungen") und versteigern Anleihen an ausgewählte Banken: Wer den niedrigsten Zins fordert, bekommt den Zuschlag.

Zocken für Eichel. Ursprünglich sollte die Agentur die Zinskosten um bis zu 750 Millionen Euro jährlich verringern. Inzwischen ist im Ministerium nur noch von "mehreren hundert Millionen" die Rede. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiteten die Finanzmanager mit allen Finessen. So senken sie die durchschnittliche Laufzeit der Schuldpapiere bis 2007 von heute sechs auf fünf Jahre. Das bringt Einsparungen, weil die Renditen für kurze Fristen niedriger sind als für lange. Wenn die Zinsen aber steigen, kann das für den Haushalt teuer werden. Nicht ohne Risiko sind auch Swapgeschäfte. Dabei tauschen die Spezialisten mit Banken Zinsverpflichtungen - zum Beispiel den auf zehn Jahre festgesch riebenen Zins einer Anleihe von vier Prozent gegen den Festgeldsatz von zwei Prozent, der sich aber jederzeit erhöhen kann. Künftig könnte sich der Bund sogar in anderen Währungen verschulden. "Wir prüfen solche Möglichkeiten, aber nur in Dollar", wie Beamte beteuern.

Um von den Launen der Großanleger

nicht zu abhängig zu werden, verkaufen die Schuldenmacher ihre Papiere auch gern an Kleinsparer. Während die Profis von der Finanzagentur bedient werden, kümmert sich die Bundeswertpapierverwaltung in Bad Homburg um die Privatanleger. Auf 957.000 Konten sind dort rund acht Milliarden Euro angelegt - ein Prozent der Bundesschuld. Wenn es nach dem Hause Eichel geht, sollen diese Zahlen kräftig steigen. "Wir wollen den Direktvertrieb weiter ausbauen", sagt der Ministeriale Asmussen.

Die Behörde, die früher Bundesschuldenverwaltung hieß, ist Deutschlands billigste Direktbank. Denn das Depot mit Staatspapieren wird kostenlos geführt. Anders als früher müssen Schatzbriefe & Co. nicht mehr bei Banken oder Sparkassen gekauft, sondern können direkt in Bad Homburg geordert werden - provisionsfrei, auch per Internet, und dann im Bundesschuldenbuch eingetragen werden. Sogar regelmäßige Sparpläne sind möglich.

Klassiker im Anlageangebot des Staates ist der Bundesschatzbrief. Die "Bundesschätzchen" gibt es seit 1969. In unsicheren Zeiten sind sie mit ihrem Jahr für Jahr steigenden Zins eine sichere Sache. Der Clou: Nach einem Jahr können bis zu 5.000 Euro pro Monat zurückgegeben werden - ohne Kursverlust. Bei steigenden Zinsen kann diese Garantie für den Finanzminister teuer werden. Darum bieten die Schuldenmanager im Moment keine attraktiven Konditionen: Im ersten Jahr gibt es nur 1,25 Prozent Zinsen, am Ende der sechsjährigen Laufzeit beträgt die Rendite 2,81 Prozent.

Ein besserer Parkplatz sind im Moment die

Finanzierungsschätze

. Bei einjähriger Anlage beträgt die Rendite zwei Prozent. Das ist weniger, als es auf manchen Tagesgeldkonten gibt, aber mehr, als Geldmarktfonds nach Abzug der Kosten abwerfen. Allerdings können die Papiere nicht vorzeitig zurückgegeben werden.

Flexibler, aber auch etwas riskanter sind die

Bundesobligationen

. Die "Bobls" laufen über fünf Jahre. Sie können jederzeit über die Börse verkauft werden. Bei steigenden Zinsen drohen dann allerdings Kursverluste. Dafür ist die Rendite mit aktuell 3,53 Prozent etwas höher. Vergleichsrechnungen des Informationsdienstes für Bundeswertpapiere zeigen, dass "Bobl-Anleger" in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt besser gefahren sind als die Käufer von Rentenfonds. "Die Kosten bringen es zum Kippen", sagt Thomas Bieler, Geldanlageexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn bei Fonds fallen neben Ausgabeaufschlägen von meist mehr als drei Prozent auch noch jährliche Gebühren von 0,5 Prozent an.

Für Langzeit-Sparer gibt es die Bundesanleihen ("Bunds"). Sie werden mit Laufzeiten von zehn und 30 Jahren herausgegeben. Die Langläufer können nur bei Banken oder über die Börse gekauft, aber bei der Bundeswertpapierverwaltung kostenlos verwahrt werden. Zurzeit bringen zehnjährige Papiere etwas über vier Prozent Rendite. Bundesanleihen werden auch "Rentenpapiere" genannt. Tatsächlich können sie ein Baustein der privaten Altersvorsorge sein. Das Geld darf aber nicht für andere Zwecke vorgesehen sein. Denn kurzfristig drohen bei Zinssteigerungen starke Kursverluste. Wer aber die Anleihen bis zur Rückzahlung hält, erleidet keine Einbußen.

Besonders für die, die kurz vor der Rente stehen, sind die 30-jährigen "Bunds" interessant. Der Zins ist meist einen knappen Prozentpunkt höher als bei zehnjährigen Papieren. Mit solchen Langläufern kann man sich eine sicherere Zusatzrente organisieren, deren Höhe für den - mutmaßlichen - Rest des Lebens konstant bleibt. Bei einer Rendite von aktuell fünf Prozent kann sich ein 60-Jähriger mit 50.000 Euro bis zu seinem 90. Geburtstag ein monatliches Zubrot von 208 Euro verschaffen. Das Kapital wird dabei nicht angetastet und kann vererbt werden. Bei einer privaten Rentenversicherung dagegen gehen die Erben nach der garantierten Laufzeit leer aus.

Das billigste Depot gibt's in Bad Homburg

Da in den nächsten Monaten die Zinsen weiter steigen dürften, sollten Anleger mit großen Investitionen noch ein wenig warten. "Wenn die Rendite deutlich über fünf Prozent klettert, erst Recht bei sechs Prozent, würde ich kaufen", sagt Martin Hüfner, Chef-Volkswirt der Hypo-Vereinsbank, der selbst seit zwei Jahrzehnten in 30-jährige Papiere investiert.

Auch jüngere Sparer können Staatsanleihen für die Altersvorsorge nutzen. Wenn die Steuervorteile der Kapitallebensversicherung wegfallen, wird die Direktanlage in Zinspapieren interessanter. Meist kaufen Versicherungen und Investmentfonds nichts anderes, aber produzieren viel höhere Verwaltungskosten. An den günstigen Konditionen der Bundeswertpapierverwaltung will die Regierung auf jeden Fall festhalten - auch wenn der Rechnungshof und die Opposition fordern, die Behörde aufzulösen und die Aufgaben an private Unternehmen zu übertragen. "Es bleibt dabei", sagt der Eichel-Vertraute Asmussen, "Papiere für Privatanleger werden ohne Provision verkauft und gebührenfrei verwahrt."

Hans Eichel weiß, warum: Er benötigt Geld. Viel Geld.

Lorenz Wolf-Doettinchem print

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