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Globaler Klimastreik "Fridays for Future"-Aktivistin: "Beim Kampf gegen die Klimakrise zählt jeder Tag"

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Sehen Sie im Video: "Fridays for future" streikt nun auch unter Wasser für das Klima.




Bis vor Kurzem war die 24-Jährige Shaama Sandooyea noch nie auf einem Schiff. Jetzt nimmt sie an einem einzigartigen Klimastreik teil - Hunderte von Seemeilen vom Festland entfernt. "Hallo zusammen, ich bin Shaama Sandooyea, eine junge Klimaaktivistin und Wissenschaftlerin aus Mauritius. Ich mache den ersten Unterwasser-Klimastreik an der Saya de Malha, um auf das Seegras-Ökosystem aufmerksam zu machen. Es ist das Größte, das es gibt, speichert Kohlenstoff und ist damit wichtig im Kampf gegen die Klimakrise." Seit Ende Februar ist die junge Frau an Bord der "Arctic Sunrise" der Organisation Greenpeace, um zu forschen. Sandooyeas Aufgabe ist es unter anderem, beim Sammeln von DNA zu helfen und sie arbeitet mit extrem sensiblen Unterwassermikrofonen. Ziel ist es, besser zu verstehen, welche Lebewesen in und um die größte Seegraswiese der Welt beheimatet sind. Saya de Malha ist ein Flachwassergebiet, etwa so groß wie die Schweiz. Es liegt mitten im Indischen Ozean, zwischen den Seychellen und Mauritius.
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Am Freitag findet der siebte globale Klimastreik von Fridays for Future statt. Im Gespräch mit dem stern verrät eine Klimaaktivistin, wie Protest in Pandemiezeiten aussehen kann und was sich die Bewegung von den Parteien im Superwahljahr erhofft.

Unter dem Motto #AlleFür1Komma5 rufen Fridays for Future (FFF) am Freitag zum siebten globalen Klimastreik auf. Die Bewegung fordert von der Politik die Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze von Paris und eine gerechte Bewältigung der Klimakrise. Für die Aktivist:innen ist eines klar: Ein Zurück in die Zeit vor Corona ist keine Lösung. Doch gerade in Pandemiezeiten gestaltet sich die Umsetzung von Protesten schwierig. Anders als noch im September 2020 wird es am Freitag keine großen Demonstrationen geben, wie FFF ankündigten. 

Annika Kruse ist Sprecherin von Fridays for Future. Im Gespräch mit dem stern verrät sie, welche Streikaktionen die Bewegung am Freitag plant und wieso Klimaprotest im Superwahljahr doppelt so wichtig ist.

Diesen Freitag findet der siebte globale Klimastreik statt und Fridays for Future haben angekündigt, dass es der "kreativste, den es jemals gab" werden wird. Was habt ihr geplant?

Insgesamt wird es 275 Aktionen in ganz Deutschland geben. In München ist eine Aktion mit einem Riesenbanner in der Innenstadt geplant, in Köln werden mehrere Kundgebungen stattfinden. Viele Städte machen Fahrrad-Demos, weil das Infektionsrisiko dabei sehr gering ist. Andere kleinere Städte halten Klima-Mahnwachen ab.

In Hamburg werden wir auf der Mönckebergstraße einen 60-Meter-langen Straßenabschnitt grün anmalen. Vier Wochen wird dort dann "Wir alle für 1,5 Grad" zu lesen sein, da wir das Ganze mit Straßenfarbe malen. Dafür haben wir auch eine Sondergenehmigung der Stadt bekommen. Unser Ziel ist es jedoch, dass der Schriftzug auch darüber hinaus bleiben darf. Deswegen sind wir gerade in Gesprächen mit Politiker:innen aus dem Senat und stoßen da auf viel Zuspruch.

Euer Markenzeichen – große Straßendemonstrationen – sind im vergangenen Corona-Jahr untergegangen. Kann Klimaprotest in Pandemiezeiten überhaupt wirksam stattfinden?

Ich denke nicht, dass FFF untergegangen sind. Natürlich verändert uns Corona sehr stark, aber das ist auch in allen Bereichen der Gesellschaft so. Wichtig ist: Man muss sich anpassen und kreativ werden – und genau das haben wir geschafft. Trotz Corona haben wir im letzten Jahr immer wieder auf uns aufmerksam gemacht. Am 24. April haben wir eine riesige Plakat-Aktion organisiert, die Bilder davon waren in allen Medien und das Thema war super präsent. Auch über den Sommer hatten wir viele kleinere, lokale Aktionen. Mit dem sechsten globalen Klimastreik im September haben wir den größten coronakonformen Protest seit Pandemiebeginn auf die Beine gestellt. Und im Herbst haben wir unsere Studie zur Einhaltung von 1,5 Grad vorgestellt, die ebenfalls ein großes Medienecho bekommen hat.  

Wir wissen aber auch, dass unsere Bewegung auf Partizipation beruht und der beste Weg Menschen einzubinden, ist mit ihnen auf die Straße zu gehen. Daher hoffen wir, dass wir bald wieder alle zusammen auf der Straße sein können – auch wenn es erstmal mit Infektionsschutzkonzepten sein wird.

Deutschland hat seine Klimaziele 2020 erreicht. Ist das ein Erfolg für FFF?

Nein! Dass Deutschland die Klimaziele erreicht hat liegt ganz allein an Corona – nicht etwa an einer klimagerechten Politik. Durch die Pandemie und den verhängten Lockdown ist die Mobilität drastisch gesunken und die Emissionen der Industrie haben stark abgenommen. Aber wir können uns beim Einhalten der Klimaziele nicht auf Pandemien verlassen. Denn wir wissen ganz genau, dass diese Emissionen sehr schnell wieder hochschnellen werden, wenn wir jetzt nichts ändern.

Die Klimakrise betrifft uns alle, deswegen sind "Fridays for Future" auch überparteilich und stehen dafür, dass jede demokratische Partei die Einhaltung von 1,5 Grad in ihrem Programm hat.

In den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz konnten die Grünen ja deutlich an Stimmen gewinnen. Was erhofft sich FFF von der Partei im Superwahljahr?

Wir hoffen natürlich, dass sich die Grünen Klimaschutz nicht nur aufs Programm schreiben, sondern dass sie auch wirklich den politischen Willen haben, dafür einzustehen. Bei den Grünen ist das Problem, dass sie teilweise ihre eigenen Prinzipien in Bezug auf das Klima nicht immer ernst nehmen. Aber gerade jetzt braucht Deutschland eine wirklich grüne, grüne Partei. 

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, hätte eine Schwarz-Grüne-Koalition die stärkste Mehrheit – wäre das für FFF eine gute Option am 26. September?

Wir können die Koalitionsbildung natürlich nicht beeinflussen. Das Einzige, was wir beeinflussen können, sind die Themen, die im Wahlkampf behandelt werden. Daher müssen wir jetzt umso stärker Druck machen, dass das Klima-Thema ernst genommen wird. Fakt ist: Beim Kampf gegen die Klimakrise zählt jeder Tag – und damit können wir nicht bis zur Wahl warten.

Deswegen werden wir so lange laut sein, bis Deutschland einen wirklich umsetzbaren Plan zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze hat. Solange das nicht gegeben ist, werden wir Freitags weitermachen.


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