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Handel: Erotisches besonders in der Winterzeit begehrt

Merkwürdig, aber wahr: Gerade in diesen Tagen boomt der Versand von Erotika. Besondere Renner: Dessous und "neckisches" Spielzeug. Über die Hälfte der Kunden leben in einer festen Beziehung.

Je länger die Nächte, umso mehr Spaß zu Zweit. Dabei kennt die Weihnachtszeit im Geschäft mit anmachenden Sex-Artikeln kein Tabu. "Je dunkler die Monate, umso heller strahlen unsere Absatzzahlen", sagt Werner Sinner, Marketingleiter des Flensburger Sex-Versandhändlers Orion. Das sinnliche Sortiment beschert dem Unternehmen in den kalten Monaten November bis Februar gut 40 Prozent des Jahresumsatzes.

Renner: Wäsche und Sexspielzeug

Rund drei Millionen erwachsene Bundesbürger stehen in der Kundenkartei von Orion. 60 Prozent der Käufer sind Paare mit fester Beziehung. Daher wird in den Wohnstuben auch allerlei Lustvolles auf den Gabentisch gelegt - Dessous und neckisches Liebes-Spielzeug ("Love-Toys") verschiedener Anwendungsarten, Farben und Größen.

Einer der größten Kunden im Norden

Täglich bis zu 5.000 Päckchen werden zurzeit im Versandzentrum an der deutsch-dänischen Grenze mit delikatem Inhalt gefüllt. Orion ist für die deutsche Post einer der großen Kunden im Norden. Jeden Nachmittag pünktlich rollen zudem Lastwagen der dänischen Post an, die das stets neutral verpackte Ladegut für die skandinavischen Länder übernehmen. Dort allein verfügt Orion über rund 500 000 Kundenadressen.

650 Mitarbeiter in Sachen Erotik

Auf 15.000 Quadratmeter Büro- und Lagerfläche arbeiten in der Flensburger Zentrale 230 der insgesamt mehr als 650 Mitarbeiter. Mit Versandhäusern in acht europäischen Ländern und rund 130 Fachgeschäften in Deutschland ist Orion präsent. 30 Shops sollen in den nächsten Jahren dazukommen. Weltweit wird zudem der Sex-Großhandel bedient.

Viele Eigenproduktionen

Gut 6.000 unterschiedlich praktikable Artikel und anschauliche Titel für alle Temperamente bietet Orion an. Darunter hat das Haus allein im Spielzeug-Bereich etwa 300 so genannte Eigenprodukte im Programm. Klassiker und Vorreiter des selbst entwickelten Sortiments ist der "Naturvibrator". Nur mit der Umsetzung eigener Ideen ließen sich die Anteile am stark umkämpften Erotika-Markt halten und verbessern, sagt Prokurist Sinner. Auch das Internet-Geschäft haben die Sex-Händler angeheizt. "Erotikbedarf war der Antriebsriemen für das Online-Bestellwesen wie wir es heute kennen." Kauften vor fünf Jahren weniger als zehn Prozent der Kunden über Internet ein, so seien es inzwischen fast 40 Prozent.

Orion hat nichts mit Beate Uhse zu tun

Entgegen der landläufigen Meinung ist Orion keine Tochterfirma der Beate Uhse AG. Seit gut zwei Jahrzehnten operieren die beiden Flensburger Erotik-Unternehmen gesellschaftlich und personell völlig getrennt voneinander. Sie haben aber die gleichen Wurzeln: Orion war einst der Versandbereich der früheren Uhse-Firma. Die beiden ältesten Söhne der legendären Beate Rotermund-Uhse (1919-2001), der Sohn aus erster Ehe, Klaus Uhse, und der älteste Stiefsohn aus zweiter Ehe, Dirk Rotermund, trennten sich 1981 mit einer Neuordnung als eigenständige Verlags- und Vertriebsgesellschaft vom damals noch mütterlichen Unternehmen ab.

Trennung aus erbrechtlichen Gründen

Die Realteilung wurde in erster Linie vorgenommen, um späteren Erbkonflikten vorzubeugen. Gleichzeitig entstand die Beate Uhse AG, die zunächst von Beate Rotermund-Uhse und ihrem jüngeren Stiefsohn Ulrich Rotermund gehalten wurde. Die einstige Firmengründerin besaß kurz vor ihrem Tod weniger als ein Prozent der Aktien des Beate-Uhse-Konzerns.

Flensburg bleibt Hauptstandort

Seit dem Tod von Klaus Uhse, der 1984 im Alter von 41 Jahren an Krebs starb, führt Dirk Rotermund die Orion-Geschäfte. Er setzt dabei voll und ganz auf Flensburg als Hauptstandort in Sachen Sex. Beleg dafür sei, dass in diesem Jahr allein vier Millionen Euro in ein neues Zentrallager und Bürogebäude investiert wurden.

Friedhelm Caspari / DPA
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