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Ikea: 30 Jahre "unmögliches Möbelhaus"

Ikea erfreut seit drei Jahrzehnten Schnäppchenjäger mit schmalen Geldbörsen. Deutschland stellt dabei noch vor Schweden die kauffreudigsten Kunden weltweit.

Ihre Namen lauten "Billy", "Ivar" und "Moppe": die Schränke und Regale des Möbelriesen Ikea. Als der schwedische Konzern vor 30 Jahren am 17. Oktober 1974 sein erstes Haus in Eching bei München eröffnete, begann eine beispiellose Erfolgsgeschichte in Deutschland. Helles Kiefernholz vertrieb die dunklen Eichenmöbel aus den Wohnzimmern. Das Erfolgsrezept lautete: schön gestylte und funktionale Möbel für jeden Geldbeutel anzubieten - kultivierte Sparsamkeit. "Wer jung ist, hat mehr Geschmack als Geld" lautete der Titel des ersten Katalogs der Firma mit dem Elch.

Do it yourself

"Ikea war das erste Unternehmen auf dem deutschen Markt, das Möbel zur Selbstmontage angeboten und damit eine Marktlücke geschlossen hat", sagt der Chef der Deutschland-Zentrale in Wallau bei Wiesbaden, Werner Weber. Generationen von Deutschen haben die Möbel, die seit jeher in flachen Paketen verpackt sind, im Auto nach Hause bugsiert und mit dem Imbus-Schlüssel mühsam zusammengebaut - das spart Kosten. Die Produktpalette reicht heute vom Zahnputzglas bis zur kompletten Küche.

Deutschland ist für Ikea der weltweit wichtigste Markt - noch vor der Heimat Schweden. Jeden fünften Euro seines Gesamtumsatzes von zuletzt 11,3 Milliarden Euro verdient der Möbelriese in den 33 deutschen Einrichtungshäusern. In keinem anderen Land hat der Konzern so viele Beschäftigte wie in Deutschland mit 10 848 Mitarbeitern. Die Produkte sind in allen Länder gleich und tragen auch die gleichen Namen schwedischer Orte, Inseln oder Frauennamen. "Wir glauben, dass die grundlegenden Bedürfnisse des Menschen an ein schönes Zuhause weltweit dieselben sind", sagt Weber. Weltweit verkauften 165 Ikea-Häuser in 22 Ländern die Produkte.

Bezahlbare Billigmöbel

Das Konzept bewährt sich auch in wirtschaftlich flauen Zeiten. 30,5 Millionen Kunden zählte Ikea im abgelaufenen Geschäftsjahr (31. August) in Deutschland. Während die deutschen Möbelhersteller ein leichtes Umsatzminus verbuchten, baute Ikea ihn um 10 Prozent auf 2,45 Milliarden Euro aus. Über den Gewinn macht das "unmögliche Möbelhaus" - so ein eigener Werbespruch - traditionell keine Angaben. Neue Kunden will Ikea seit September mit einer durchschnittlichen Preissenkung von sechs Prozent gewinnen.

Das blieb nicht ohne Kritik. Der Verband der Deutschen Möbelindustrie warf Ikea prompt "Verbrauchertäuschung" vor, da die Preissenkungen an anderer Stelle durch Preiserhöhungen aufgefangen würden. Das "Billy"-Bücherregal, das weltweit rund 35 Millionen Mal über den Ladentisch ging, sei von 46 auf 49 Euro heraufgesetzt worden, hieß es. Für Negativ-Schlagzeilen sorgten in den 80er Jahren Berichte über Kinderarbeit und Hungerlöhne bei den Lieferanten. Ikea vergibt Aufträge, stellt aber nicht selbst her. Unter dem Druck unterzeichnete Ikea 1998 einen Verhaltenskodex und kontrolliert seine 1600 Zulieferer nach eigenen Angaben streng.

Lasten der Vergangenheit

Ein Schatten fiel auch auf den Ikea-Gründer und heutigen Multimillionär Ingvar Kamprad. Der heute 78-Jährige stand noch nach dem Krieg den schwedischen Nationalsozialisten nahe. Dafür entschuldigte sich Kamprad später bei seinen Mitarbeitern. Der Schwede, der sich mal als Legastheniker, mal als Alkoholiker outete, gründete 1943 die Handelsfirma Ikea und gilt als Verkaufsgenie. Das erste Einrichtungshaus eröffnete er 1958 im schwedischen Älmhult, heute ist Ikea sogar mit Filialen in Moskau und Peking vertreten. Den Kunstnamen schuf Kamprad aus seinen beiden Initialen (IK) sowie den Anfangsbuchstaben seines väterlichen Hofes Elmtaryd (E) im Dorf Agunnaryd (A).

Zur Unternehmensphilosophie gehört, dass sich alle Mitarbeiter der "Ikea-Familie" duzen - als Ausdruck von Teamgeist und Engagement. "Das ändert aber nichts", sagt Klaus Grawunder, Einzelhandelsexperte der Gewerkschaft ver.di in Frankfurt. "Ikea ist ein Arbeitgeber wie jeder andere auch, der auf Gewinnmaximierung aus ist." Wer Mist baue, bekomme genau so eine Abmahnung - nur stehe da oben "Hallo Klaus" drauf.

Marion Trimborn/DPA / DPA