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Haftung: Wenn der Haus-Sitter patzt

Es ist ein gut gemeinter Freundschaftsdienst: In der Urlaubszeit lassen Deutsche gern von Freunden oder Nachbarn in ihrem Heim nach den Rechten sehen. Doch wer haftet dann für Schäden wie aufgequollenes Parkett oder kaputte Lampen?

Millionen Deutsche haben ihre Nachbarn, Verwandte oder Freunde gebeten, während des Urlaubs doch mal nach dem Rechten in Wohnung oder Haus zu sehen. Aber was passiert eigentlich, wenn der nette Helfer gepatzt hat? Wenn die Gießkanne umgekippt und das teure Parkett aufgequollen ist? Oder wenn die wertvolle Designerlampe zu Bruch ging? Dann bleibt der Urlauber in der Regel auf dem Schaden sitzen. Er kann den Helfer nicht zu Schadenersatz verdonnern.

Keine Haftung bei Gefälligkeit

Der Pechvogel muss für sein peinliches Missgeschick, das er beim Freundschaftsdienst aus Versehen verursacht hat, normalerweise nicht haften, wie Karin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) betont. Voraussetzung ist allerdings: der Helfer handelte tatsächlich aus Gefälligkeit und nicht etwa grob fahrlässig. Der nette Nachbar und Unglücksrabe kann aufatmen: "Von Schäden durch leichte Fahrlässigkeit ist er in solch einem Fall befreit", sagt die GdV-Sprecherin.

Grundsätzlich sieht es das Bürgerliche Gesetzbuch vor, dass zu Schadenersatz verpflichtet ist, wer anderen vorsätzlich oder fahrlässig Schaden zufügt. Bei Gefälligkeitsdiensten, zu denen auch das Kümmern um Haus und Garten in der Ferienzeit gehört, gibt es jedoch inzwischen eine abweichende Rechtsprechung, wie Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, erklärt. Und die stellt uneigennützige Helfer aus dem Nachbars-, Freundes- oder Verwandtenkreis von der Haftung frei.

Pech für den Urlauber

Gerichte gehen dann von einem so genannten "stillschweigenden Haftungsausschluss" aus. Danach ist es nicht angemessen, Helfer für jede leichte Fahrlässigkeit sofort in die Haftung zu nehmen - zumal vorher unter Freunden oder Nachbarn nur selten über die Haftungsfrage bei Schäden gesprochen worden ist. "Es gehört auch zum menschlichen Umgang, dass man in solchen Fällen nicht gleich klagt", sagt Brigitte Mayer, Versicherungsexpertin der hessischen Verbraucherzentrale.

Letztendlich bedeutet das Pech für den Urlauber: Er hat damit keinen Anspruch darauf, seinen Schaden ersetzt zu kriegen. "Ist der Schaden recht hoch, ist die Nachbarschaft oder Freundschaft dann auf Jahre getrübt", weiß Grieble aus Erfahrung. Denn meist hilft auch nicht das Angebot des Unglücksraben weiter, seine Privathaftpflichtversicherung einzuschalten. Die dürfte in der Regel abwinken. Typische Gefälligkeitsschäden seien durch Standardpolicen nicht abgedeckt, betont Mayer. Nur die wenigsten Haftpflichtverträge enthielten einen Zusatzschutz gegen Schäden bei Freundschaftsdiensten.

Besser: Vertrag unter Freunden

Richtig kritisch kann es werden, wenn der Heimkehrer einen Riesenschaden am Hals hat. Beispielsweise dann, wenn der nette Helfer aus Versehen Haustür oder Fenster offen ließ und Einbrecher anschließend die gesamte Wohnung ausräumten. "Dann haftet in der Regel auch die Hausratversicherung des Urlaubers nicht", meint Grieble. Solche Fälle müssten dann im Einzelfall vor Gericht geklärt werden, ist Rüter de Escobar überzeugt. Der Helfer stehe aber auch dann nicht für den ganzen Schaden durch den Einbruch in der Haftung.

Wer netterweise ein Haus-Sitting übernimmt und sich's im Ernstfall nicht für alle Zeiten mit dem Urlauber verderben will, sollte schon vor dessen Abreise mögliche Schadensfragen klären, schlagen Versicherer wie Verbraucherschützer einhellig vor. Wer vorher über solche Probleme geredet hat, kann sich später womöglich leichter gütlich einigen, so die Erfahrung Griebles. Uneigennützige Helfer können auch den Urlauber bitten, sie von vornherein von jeglicher Haftung bei Missgeschicken in Haus und Garten frei zu stellen. Für den kleinen Vertrag unter Freunden reicht schon ein formloser, einfacher Zettel. Das schützt zwar auch nicht vor Schäden. Damit erspart man sich aber wenigstens eine Menge Streit.

Berrit Gräber/AP / AP
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