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Lebensversicherung: Wenig Hoffnung auf Nachschlag

Der Gesetzgeber muss bis Ende 2007 bei den Lebensversicherungen nachbessern - und eine durchschaubare Berechnung der Gewinnbeteiligung ermöglichen. Für die Kunden bedeutet das zwar mehr Transparenz, aber wohl kaum mehr Geld.

Der Gesetzgeber muss bei der Kapitallebensversicherung nachbessern - so will es das Bundesverfassungsgericht (BVG). Nach dem höchstrichterlichen Urteil dürfen Kunden in Zukunft auf durchschaubare Berechnungen und eine "angemessene" Beteiligung am gesamten Vermögen der Versicherer bauen. Bis Ende 2007 müssen die runderneuerten Verträge stehen. Große Hoffnung auf einen Nachschlag bei der Rendite brauchen sich die Millionen Kunden in Deutschland aber nicht machen - darüber sind sich Verbraucherschützer einig.

Mehr Transparenz, kaum mehr Geld

"Mehr Transparenz zur Verwendung der Prämien wird kommen, aber kaum mehr Geld", ist Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen, überzeugt. Vor allem nicht für die mindestens 45 Millionen Kunden, die bereits eine Lebensversicherung abgeschlossen haben - und die höchstens nachträglich von möglichen Nachbesserungen ab 2008 profitieren könnten. Ihnen werden bisher noch keine Überschüsse ausgezahlt, die sich an allen Vermögenswerten ihres Versicherers orientieren. Für den Ertrag fiel das Einbeziehen der so genannten stillen Reserven eines Unternehmens nämlich bislang glatt unter den Tisch. Das soll sich ab 2008 ändern, entschied das BVG.

Künftig müssen auch stille Reserven, also nicht realisierte Gewinne, für eine Berechnung der Überschussbeteiligung mit herangezogen werden. Dass auf Millionen von Alt-Kunden durch das neue Gesetz ein nachträglich warmer Geldregen niedergehen könnte, hält Finanzexperte Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg für unwahrscheinlich. Nachbesserungen für laufende Verträge kämen die Versicherer viel zu teuer zu stehen. "Das hängt von der Entscheidung des Gesetzgebers ab", betont Gottschalk.

Warnung vor überzogenen Erwartungen

Die Versicherungsbranche leiste allerdings "gute Lobby-Arbeit". Marktführer Allianz-Leben dämpfte bereits Hoffnungen auf höhere Überschuss-Gutschriften im Nachhinein. Aber auch Neukunden ab 2008 dürften kaum Grund zum Jubeln haben, warnt Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, vor überzogenen Erwartungen. "Niemand braucht glauben, dass man ab 2008 tolle Samariterbedingungen kriegt." Zwar stehe dann die "angemessene" Überschussbeteiligung im Gesetz. "Ob sich das dann auch in klingender Münze auszahlt, steht in den Sternen", erwartet Gottschalk.

Ob für die Versicherten künftig mehr herausspringt ist nicht zuletzt von der Höhe der stillen Reserven abhängig. Nach den Einbrüchen am Aktienmarkt 2001 haben Versicherungen Teile ihrer stillen Reserven schon verkauft. Andere könnten sich bis 2008 noch in Luft auflösen, befürchten Experten. "Es gibt Gesellschaften, die jetzt schon stille Lasten mit sich rumschleppen", gibt Gottschalk zu bedenken. Für die Kundschaft könne das schlimmstenfalls bedeuten, dass sie statt an Überschüssen "an den Engpässen beteiligt" werden, erläutert Wortberg. "Ich sehe das Urteil nicht nur positiv." Auch Grieble fürchtet, dass Kunden trotz eines neuen Gesetzes in Zukunft schlechter gestellt sein werden. Der Trend in der Branche gehe ganz klar dahin, immer weniger Überschüsse an die Versicherten zu verteilen.

Stille Lasten statt stiller Überschüsse

Neues Gesetz hin oder her: Grundsätzlich raten Verbraucherschützer ohnehin vom Neuabschluss einer Kapitallebensversicherung in den meisten Fällen ab. Mit der Rendite ist schon seit längerem kein Staat mehr zu machen. Einst gab es noch sechs, sieben Prozent, jetzt sind es nur noch im Schnitt 4,3 Prozent. Der Garantiezins liegt dabei nur noch bei historisch mageren 2,75 Prozent, wenig mehr als man für ein Sparbuch bekommt. Außerdem ist seit diesem Jahr das Steuerprivileg abgeschafft. Auszahlungen aus Neu-Verträgen ab 2005 müssen jetzt versteuert werden. Und wer vorzeitig aus seinem Vertrag aussteigen und an sein Geld will, zahlt häufig kräftig drauf. "Was in Zukunft besser wird, ist sicher die Verbraucherfreundlichkeit", lautet das Fazit Griebles. Von der Geldanlage selbst sei nicht mehr viel zu erwarten.

Berrit Gräber/AP / AP