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Mindestrente: Alt, arm, ostdeutsch

In Ostdeutschland droht mittelfristig eine starke Zunahme von Altersarmut: Gründe sind viele Erwerbsbiografien mit langen Perioden von Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne nach der Wende. Dabei steigt das Risiko einer Rente auf Hartz-IV-Niveau besonders für jüngere Jahrgänge.

In den neuen Bundesländern droht nach Einschätzung ostdeutscher SPD-Politiker mittel- und langfristig eine starke Zunahme der Altersarmut. Die vor allem im Osten ausgeprägte Langzeitarbeitslosigkeit hemme für die Jüngeren derzeit den Aufbau auskömmlicher Rentenansprüche und stelle damit "für das Alter ein erhebliches Armutsrisiko dar", heißt es in einer gemeinsamen Analyse des Finanzministers von Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn, und des Sozialminister von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (beide SPD).

Die Generation der verhältnismäßig "reichen" Nachwenderentner werde sich allmählich verringern und zu einem beträchtlichen Teil durch eine Generation vergleichsweise "armer" Rentner ersetzt werden, heißt es in der Analyse. Mit zunehmendem zeitlichen Abstand zur DDR und ihren durchweg längeren Beschäftigungszeiten entwickle die in den Neuen Ländern "typische Kombination von überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit und unterdurchschnittlichem Lohnniveau stärkere Durchschlagskraft auf die Höhe der Alterseinkünfte", heißt es in dem Papier.

Erschwerend komme hinzu, dass viele Ostdeutsche - anders als künftige West-Rentner - ohne zusätzliche Altersvorsorge dastünden. Die Situation der Älteren in den neuen Ländern gilt aktuell aber als solide. Vor allem für die jüngeren Jahrgänge steige das Risiko von Altersarmut. Bezogen auf den heutigen Tag erschienen die Zustände der Studie zufolge "noch nicht als untragbar", aber man müsse sich vorausschauend mit den Problemen befassen.

Sinkende Durchschnittsrente ab Jahrgang 1957

Zwar habe sich auch im Westen die Arbeitsmarktlage seit den 70er Jahren verschlechtert, der Osten ist demnach aber wegen des allgemein niedrigeren Rentenwertes, des niedrigeren Lohnniveaus und der oftmals höheren Arbeitslosigkeit vergleichsweise stärker betroffen. So stagnieren die Ostlöhne seit Jahren im Durchschnitt bei rund 80 Prozent der Westlöhne und die Langzeitarbeitslosigkeit sei im Osten stärker ausgeprägt, wie es hieß.

Bei Frauen und Männern wird die durchschnittliche Rentenhöhe nach Erwartung der Autoren im Osten zurückgehen. Während von 1942 bis 1946 geborene Männer - das sind die rentennahen Jahrgänge - im Schnitt noch 967 (Frauen: 785) Euro erhielten, sinke die Durchschnittsrente für die in den Jahren 1957 bis 1961 geborenen Männer auf 820 (Frauen: 690) Euro.

Riester-Rente soll Pflicht werden

Als Gegenmaßnahmen sprechen sich Bullerjahn und Sellering für flächendeckende Mindestlöhne, für höhere Rentenbeiträge bei Mini-Jobs und einer besseren rentenrechtlichen Bewertung von Zeiten der Langzeitarbeitslosigkeit aus. Die staatlich geförderte Riester-Rente sollte zu einer Pflichtversicherung ausgebaut werden.

AP/DPA / AP / DPA