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ProSiebenSat.1: Keine Gebühren für Stefan Raab und Co.

ProSiebenSat.1 hat den Plan begraben, Zuschauergebühren im Satellitenfernsehen zu erheben. Das Kartellamt hatte sein Nein gegen das Vorhaben angekündigt. ProSieben wollte zusammen mit RTL Geld von den Zuschauern kassieren.

Auf Druck des Bundeskartellamts hat der TV- Konzern ProSiebenSat.1 seine Verschlüsselungspläne für das digitale Satellitenfernsehen aufgegeben. Der Konzern wolle die Grundverschlüsselung gegen Entgelt nicht weiter verfolgen, teilte das Bundeskartellamt in Bonn mit. Eine Sprecherin des Senders bestätigte, das Vorhaben sei am Widerstand des Kartellamts gescheitert. Ein RTL-Sprecher bedauerte, dass es durch den Rückzug von ProSieben keine klare Entscheidung der Wettbewerbshüter gebe.

RTL war zweiter Partner

ProSiebenSat.1 wollte mit Hilfe der Verschlüsselung Geld von den Zuschauern kassieren. Als zweiter Partner war die RTL-Gruppe mit im Boot. Die Verschlüsselung hätte über eine Plattform des Satellitenbetreibers SES Astra erfolgen sollen. Das Veto in Deutschland ist auch für die Plattform mit dem Namen Entavio selbst ein Rückschlag.

Das Kartellamt hatte in den Plänen aber eine verbotene Absprache der beiden Sendergruppen zum Nachteil der Zuschauer gesehen und diese abgemahnt. Kartellamtschef Ulf Böge hatte der Nachrichtenagentur Reuters Ende November gesagt, er werde die Pläne ohne deutliche Zugeständnisse der beteiligten Konzerne ablehnen. "Der entscheidende Punkt ist natürlich, dass wir Bedenken haben, dass es hier eine Absprache zwischen den beiden Sendergruppen gibt", hatte er betont.

Die Wettbewerbshüter befürchteten, dass sich die beiden Senderfamilien über die Verschlüsselung ihrer über Satellit übertragenen Programme am Wettbewerb vorbei eine zusätzliche Erlösquelle erschlossen hätten. Astra sollte für die Freischaltung der Programme vom Zuschauer eine Gebühr erheben, deren Löwenanteil dann in die Kassen der beiden Sendergruppen geflossen wäre. Böge wertete es als Beweis einer unzulässigen Absprache, dass die Senderfamilien die Pläne gemeinsam verfolgt hätten: "Würde nur eine Sendergruppe die Verschlüsselung mit einer Freischaltgebühr einführen, müsste sie einen erheblichen Einbruch bei Zuschauern und Werbeeinnahmen befürchten."

Durch den Rückzieher sei auch das von den Wettbewerbshütern eingeleitete Verfahren gegen die Sendergruppen eingestellt worden, teilte die Behörde mit. Doch die Wettbewerbshüter würden wieder aktiv, wenn Pläne für eine Gebühr im Satellitenfernsehen noch einmal aufgegriffen werden sollten, drohte das Amt. Der RTL-Sprecher sagte, die inhaltlichen Bedenken des Kartellamts blieben durch die Einstellung des Verfahrens unklar.

Mit der Verschlüsselung wollte sich RTL nach eigenen Angaben gegen Piraterie schützen, wie sie aus der Musikbranche bekannt ist. Denn anders als das analoge sei das digitale Signal ohne Qualitätsverlust beliebig oft kopierbar. Zudem solle über die Verschlüsselung sicher gestellt werden, dass die Nutzung von Übertragungsrechten geographisch begrenzt werde. "Unsere strategischen Ziele bleiben bestehen", kündigte der Sprecher an. Astra müsse die Plattform für alle Sender offen halten.

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF wollen dagegen eine Verschlüsselung ihrer Programme beim Satellitenempfang verhindern.

DPA / DPA