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San Francisco: Schock für Superreiche - Zufahrt für Luxusvillen gehört jetzt Einwanderer

Sie wohnen in Häusern für 15 Millionen Dollar, aber um nach Hause zu kommen, müssen sie das Eigentum eines Einwanderers betreten. In San Francisco streiten Millionäre und Immobilienspekulanten über den Besitz einer exklusiven Privatstraße.

Die Straße wurde zu einem Spottpreis versteigert.

Die Straße wurde zu einem Spottpreis versteigert.

Reiche zahlen ungern Steuern – und meist kommen sie damit durch. In San Francisco gab es aber nun ein unangenehmes Erwachen: Die exklusive Nachbarschaft der Presedio Terrace hat über Nacht die ovale Privatstraße verloren, an der die Luxushäuser liegen. Der Grund: Steuerrückstände.

Die Reichen und Mächtigen ohne Zufahrt

Wenn die Millionäre nach Hause wollen, müssen sie das Eigentum von Tina Lam und Michael Cheng überqueren - Einwanderer der ersten Generation. Die beiden haben die exklusive Straße 2015 in einer öffentlichen ergattert, in der die Steuerbehörde die Liegenschaft wegen ausstehender Steuern angeboten hat. Für den Schnäppchenpreis von 90.000 US Dollar bekamen sie den Zuschlag und sind nun die Torwächter zu dem Refugium der Reichen und Mächtigen. Die bekannteste Einwohnerin der Presedio Terrace dürfte Nancy Pelosi sein – die Anführerin der Demokraten im US-Kongress. Gelangt mal eines der Anwesen auf den Markt, werden Preise von über 15 Millionen US Dollar für ein Haus verlangt.

Kette von Irrtümern

Allerdings ist kein ausgefuchstes Steuersparmodell an dem Desaster der Superreichen schuld. Eine Verkettung von Irrtümern und Missverständnissen führten zur Versteigerung. Die jährliche Steuer für die Privatstraße beträgt nur 14 Dollar – auch wenn sie 30 Jahre nicht gezahlt wurde, kommt nur eine geringe Summe zusammen. 

Der Anwalt der Eigentümer, Scott Emblidge, nennt die Käufer ausgefuchste Spekulanten und hält das Vorgehen der Behörden für nicht zulässig. In einer schriftlichen Stellungnahme führt er aus, dass die Verwaltung die Zahlungsaufforderungen und weiteren Schriftverkehr irrtümlich an die Immobilien-Firma Handford Freud verschickt habe. Die Betroffenen also keine Kenntnis von den Steuerrückständen von insgesamt 994 Dollar hatten, da sie gar nicht von Handford Freud vertreten wurden. Der Vizepräsident von Handford Freud sagte zu "Curbed SF", dass seine Firma niemals diese Nachbarschaft betreut habe. "Handford Freud hat niemals den Besitz dieser Presedio Terrace Gemeinschaft – oder wie die sich auch immer nennen - gemanagt. Ich bin hier seit über 30 Jahren und habe niemals etwas davon gehört oder in unseren Akten gefunden. Ich bin sehr sicher, dass wir das Gelände nie betreut haben. Wir haben damit überhaupt nichts zu tun."

Steuerbescheide im Nirgendwo

Weil die Post jahrzehntelang im Nirwana verschwand, konnten Tina Lam und  Michael Cheng die Straße ersteigern. Seitdem bemühen sie sich, eine offizielle Grundurkunde zu erlangen, um die Straße kommerziell zu nutzen oder weiterverkaufen zu können. Gegenüber dem " Chronicle" betonen sie den Wert der 120 Parkplätze auf dem Oval. Tatsächlich dürften die professionellen Immobilien-Entwicklern wohl eher an einem Verkauf der Straße an die Einwohner interessiert sein – zu einem deutlich höheren Preis. Vor der Zeitung gab Lang jedoch nur hehre Motive für den Kauf an: "Ich wollte wirklich nur etwas in San Francisco besitzen, wegen meiner Liebe zu dieser Stadt."

An diese heimatlichen Gefühle glauben die Anwohner der Straße nicht. "Ich war schockiert, als ich feststellte, dass jemand Vorteil aus dem Chaos gezogen hat, und unsere Straße und Bürgersteige gekauft hat", sagte ein Hauseigentümer dem "San Francisco Chronicle".

Rechtsstreit um die Auktion

Die betuchten Einwohner suchen nun den Rechtsweg. Sie verlangen, dass die Auktion rückgängig gemacht wird und haben Stadt und Straßenkäufer verklagt. Die Finanzbehörde sieht allerdings keine Schuld bei sich. Die Bewohner hätten die Pflicht ihre Steuer zu zahlen und müssten eine korrekte Adresse für die Post übermitteln, sagte eine Sprecherin.

Im Oktober gibt es eine erste Anhörung.