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Haftbefehl aufgehoben Innogy-Säureanschlag: Tatverdächtiger nach nur vier Wochen wieder auf freiem Fuß

Nach dem Säureanschlag: Innogy-Vorstand Bernhard Günther bei einer Pressekonferenz
Im März 2018 überfielen Vermummte Innogy-Finanzvorstand Bernhard Günther beim Joggen und übergossen ihn mit hochkonzentrierter Säure
© Federico Gambarini / DPA
Der Verdächtige im Fall des Säureanschlags auf Innogy-Vorstand Bernhard Günther kommt wieder frei. Offenbar kann ihm die Staatsanwaltschaft keinen dringenden Tatverdacht nachweisen.

Nach dem Säureanschlag auf den Innogy-Vorstand Bernhard Günther vor gut anderthalb Jahren kommt ein Tatverdächtiger wieder auf freien Fuß. Das bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wuppertal. Das Landgericht Wuppertal hob den Haftbefehl gegen einen 32-Jährigen am Freitag auf und ordnete seine Entlassung aus der Untersuchungshaft an, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Günther sei am Freitagmittag über den Beschluss informiert worden, sagte der Sprecher des Managers der Deutschen Presse-Agentur. Zuerst hatte die "Süddeutsche Zeitung" über die Entscheidung des Gerichts berichtet. 

Kein dringender Tatverdacht: Haftbefehl aufgehoben

Das Landgericht begründete seine Entscheidung im Wesentlichen mit dem Fehlen eines für die Anordnung der Untersuchungshaft erforderlichen dringenden Tatverdachts. Dabei hoben die Richter unter anderem auf die Identifizierung des Tatverdächtigen durch das Opfer ab. Dem Geschädigten seien zunächst von einer von ihm privat beauftragten Sicherheitsfirma Lichtbilder vorgelegt worden, die den Beschuldigten zeigten. Eine Identifizierung auf diesem Wege sei aber unsicher, weil durch die Vorlage von Lichtbildern nur eines einzigen Menschen anerkanntermaßen eine suggestive Wirkung ausgelöst werde. Es bestehe die naheliegende Möglichkeit, dass die originäre Erinnerung des Opfers an den Täter durch das gezeigte Lichtbild quasi "überschrieben" worden sei. Daher wirke sich dieser "frühe und unzureichende Identifizierungsversuch" auch auf spätere ordnungsgemäße Identifzierungsmaßnahmen aus und lasse diese ebenfalls unzuverlässig werden, befand das Gericht. Die Polizei hatte dem Opfer zur Identifizierung des Täters die Lichtbilder mehrerer Menschen vorgelegt.

Innogy-Sprecher befürchtet Gefahr für Günther

Der Innogy-Finanzvorstand Günther war am 4. März 2018 in einer Parkanlage in Haan nahe Düsseldorf von zwei Männern angegriffen und mit Säure überschüttet worden. Der heute 52-Jährige wurde schwer verletzt. Im Oktober hatte die Polizei schließlich den Verdächtigen L. festgenommen, der für ein Ringerturnier in Köln aus Serbien angereist war. Vor der Aufhebung des Haftbefehls durch das Gericht sagte der Anwalt des Managers, Martin Meinberg, der "SZ", für Günther wäre eine Entlassung des Tatverdächtigen aus der Untersuchungshaft "ein ernüchterndes Signal". "Herr Günther war der Überzeugung, dass sein Fall zumindest teilweise alsbald aufgeklärt werden würde", betonte Meinberg. Nun reiche das Ermittlungsergebnis offenbar doch nicht aus, um den Haftbefehl aufrechtzuerhalten. Ein Sprecher des Managers sagte der Zeitung: "Wir müssen auch sehen, dass die Bedrohungslage für Herrn Günther und seine Familie durch die Freilassung des mutmaßlichen Täters massiv zunehmen könnte."

js AFP

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