HOME

Italien: Parmalat-Flotte beförderte Politiker und Geistliche

Der skandalgeschüttelte italienische Parmalat-Konzern diente früher gerne als "Charterflieger" für hochrangige Politiker und Geistliche: Besonder gern reisten der damalige Ministerpräsident De Mita und Angehörige des Vatikans.

Der skandalgeschüttelte italienische Parmalat-Konzern hat in besseren Zeiten als Charter-Unternehmen für hochrangige Politiker und Geistliche gedient. Die Passagierliste der konzerneigenen Flugzeuge und Schiffe wirft ein Schlaglicht auf die engen Beziehungen des Familienunternehmens zu Politik und Klerus: Ende der 80er Jahre nutzte unter anderem der damalige Ministerpräsident Ciriaco De Mita mehrfach die Parmalat-Flotte. Diese umfasste auch "Gottes Hubschrauber", der so genannt wurde, weil er regelmäßig Angehörige des Vatikans beförderte.

In geheimer Mission zum Treffen mit Gaddafi

In den 80er Jahren war eine Parmalat-Maschine sogar in geheimer Mission unterwegs: Wie der damalige italienische Außenminister Giulio Andreotti jetzt erstmals bestätigte, wurde 1986 eine mysteriöse Libyen-Reise des amerikanischen Vatikan-Botschafters durch den Konzern ermöglicht. William Wilson flog wenige Tage nach einem Doppelanschlag auf die Flughäfen von Rom und Wien in das nordafrikanische Land, dem Verbindungen zu den Attentätern vorgeworfen wurden. In Tripolis traf Wilson ohne Genehmigung der US-Regierung mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar el Gaddafi zusammen. Möglicherweise wegen des inoffiziellen Charakters der Reise nutzte Wilson ein Parmalat-Flugzeug.

Auch etliche Einsätze in Katastrophengebiete

Besonders gerne bot der mittlerweile inhaftierte Firmengründer Callisto Tanzi seine Flugzeuge für Politiker-Besuche in Katastrophengebieten an. Auch Funktionäre von Wohltätigkeitsorganisationen profitierten von seinen Diensten, so die frühere Chefin des italienischen Roten Kreuzes, Maria Pia Fanfari.

Flotte steht zum Verkauf

Nach der Bankrotterklärung des Parmalat-Konzerns, in dessen Bilanzen ein Loch von acht Milliarden Euro klafft, steht die Flotte nun zum Verkauf. Neben Tanzis eigenem Luxusjet im Wert von rund 35 Millionen Euro und mehreren weiteren Fliegern umfasst sie auch zwei antike Schiffe, darunter eine 30 Meter lange Segelyacht.

Manager beschuldigen sich gegenseitig

Im Parmalat-Skandal haben sich am Samstag die verwickelten Manager gegenseitig die Schuld für den Bilanz-Betrug zugeschoben. Der ehemalige Funktionär der Bank of America Luca Sala, der seit vergangenem März für Parmalat tätig war und der zu den 25 Managern gehört, gegen die Ermittlungen eingeleitet wurden, hat in einem Interview der Zeitung «La Repubblica» jegliche Mitschuld von sich gewiesen: "Ich bin - genau wie die Bank of America - betrogen worden", sagte er. Er werde den Staatsanwälten alle nötigen Dokumente zeigen, um dies zu beweisen. "Ich verfluche jeden Tag die Entscheidung dieser Verrückten, ausgerechnet die Bank of America für ihre Spielchen gewählt zu haben", erklärte Sala.

Bank of America löste Skandal aus

Die Polizei hatte bereits Freitag den Mailänder Sitz des amerikanischen Geldinstituts durchsucht. Die Bank of America hatte Mitte Dezember die Krise des Parmalat-Konzerns ausgelöst, als sie in einer Mitteilung die Existenz eines Vier-Milliarden-Euro-Kontos der Parmalat-Tochter Bonlat dementierte, die ihren Sitz auf den als Steuerparadies bekannten Cayman Inseln hat. Die Großbank erklärte damals, ein Parmalat-Dokument vom vergangenen März, in dem diese Barmittel-Summe auftaucht, sei nicht authentisch.

Schuld ist immer der Chef

Die Schuld an dem "Mega-Betrug" beim norditalienischen Milch-Riesen hätten einzig und allein die Parmalat-Führung und die Bilanzprüfer, sagte Sala. Den festgenommenen Firmen-Gründer Calisto Tanzi bezeichnete er als einen "unheilbaren Lügner". Bei Parmalat klafft ein Bilanzloch von mindestens zehn Milliarden Euro. Tanzi, der bei seinen bisherigen Verhören nur eine Teilschuld zugegeben hat, werden Bilanzfälschung, betrügerischer Bankrott und Veruntreuung von Firmengeldern vorgeworfen.

Dennis Redmont / DPA