Italien Neue Parmalat setzt auf "saubere" Milch


Nach monatelangen Hiobsbotschaften über die Finanzlage des Skandal-Konzerns gibt es wieder Hoffnung: Insolvenz-Verwalter Bondi präsentierte fürs erste Quartal des Jahres eine Bilanz, die auf Genesung hoffen lässt.

Positive Signale aus Parma: Nach monatelangen Hiobsbotschaften über die Finanzlage des Skandal-Konzerns Parmalat gibt es jetzt erstmals wieder positive Signale: Insolvenz-Verwalter Enrico Bondi konnte für die ersten vier Monate des Jahres eine Bilanz präsentieren, die auf eine Genesung des Milch-Imperiums hoffen lässt. So lag der Umsatz im Kerngeschäft wie bereits im Vorjahreszeitraum bei rund 1,2 Milliarden Euro. Zudem hat Parmalat keine neuen Schulden gemacht, sondern verfügt über 40 Millionen Euro Liquidität, so dass die von mehreren Banken im März bewilligte Finanzspritze von 105,8 Millionen Euro bis heute nicht einmal angerührt wurde. "Bondi arbeitet ganz hervorragend, obwohl die Umstände äußerst schwierig sind", lobte denn auch kürzlich Industrieminister Antonio Marzano.

Kunden wurden nicht abgeschreckt

Auch der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) stieg von Januar bis April auf 78,3 Millionen Euro, nach 70 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Nur in den nicht-strategischen Geschäftsbereichen, die ohnehin verkauft werden sollen, ging der Umsatz um 67 Millionen Euro auf 226 Millionen Euro zurück. "Parmalat archiviert die ersten Monate des Jahres mit Ergebnissen, die Anlass zur Hoffnung geben", kommentierte die Nachrichtenagentur Ansa.

Die skandalösen Enthüllungen über die Machenschaften der früheren Konzernspitze scheinen zumindest die Kunden nicht abgeschreckt zu haben. Ganz im Gegenteil. Schließlich steht der Name Parmalat seit vielen Jahren für gute Lebensmittel- und Milch-Produkte. Zudem erklärt eine Römerin: "Ich kaufe jetzt extra viele Parmalat-Artikel, denn die armen Angestellten, die um ihre Arbeitsplätze fürchten, haben ja keinerlei Schuld an dem Debakel." Immerhin beschäftigte der Konzern zuletzt 32.000 Mitarbeiter.

Umbauplan bis Monatsende fertig

Bis zum 31. Mai will Bondi der Regierung in Rom seinen Sanierungs- und Umbauplan vorlegen. Jedoch müssen zuvor die gefoppten Gläubiger den Plänen zustimmen. Idee ist es, den Konzern völlig neu zu gründen und die wichtigsten Gläubiger zu Aktionären dieser so genannten "Newco" zu machen. Bis zum Herbst hofft Bondi, das Unternehmen wieder an die Mailänder Börse zu bringen, von der es im vergangenen Dezember suspendiert worden war.

Damals war der Familienkonzern aus Collecchio bei Parma für insolvent erklärt worden, nachdem ein Finanzloch in Milliardenhöhe bekannt geworden war. Bis heute wird die Verschuldung auf über 14 Milliarden Euro geschätzt. Neben mehreren Mitgliedern der Gründer-Familie Tanzi sind mittlerweile fast 30 Manager, Finanziers und Banker ins Visier der Ermittler gerückt. Die Parmalat-Pleite gilt als einer der größten Firmen-Zusammenbrüche in der europäischen Unternehmensgeschichte.

Carola Frentzen, dpa DPA

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