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Insolvenz: Parmalat-Gründer auf offener Straße verhaftet

Der Gründer und Ex-Präsident des insolventen italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, ist in Untersuchungshaft genommen worden.

Der Gründer und Ex-Präsident des insolventen italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, ist in Untersuchungshaft genommen worden. Tanzi, der sich zuletzt in Spanien aufgehalten hatte, wurde am Samstag in der Innenstadt von Mailand auf offener Straße von der Polizei festgenommen. Die Ermittler werfen ihm betrügerischen Bankrott vor. Die Familie Tanzi stehe im Verdacht, mindestens 700 Millionen Euro auf private Konten abgezweigt zu haben, berichteten italienische Medien am Sonntag. Tanzi sollte bereits am Sonntag erstmals verhört werden, hieß es.

Tanzi war vor knapp zwei Wochen nach ersten Hinweisen auf eine finanzielle Schieflage seines auf Milchprodukte spezialisierten Konzerns zurückgetreten. Experten sprechen von einem der größten Finanzskandale in der europäischen Unternehmensgeschichte.

Sieben Milliarden Euro "verschwunden"

In der Bilanz von Parmalat war in der Vorwoche ein Finanzloch von mehreren Milliarden Euro entdeckt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft der bisherigen Parmalat-Führung Betrug und Bilanzfälschung vor. Von mindestens sieben Milliarden Euro, die in der Bilanz des Lebensmittelriesen aufscheinen, fehlt jede Spur.

Ein Gericht in Parma, wo Parmalat seinen Sitz hat, hatte nur wenige Stunden vor Tanzis Festnahme das Unternehmen offiziell für insolvent erklärt. Die Entscheidung erfolgte wie erwartet, nachdem Insolvenzverwalter Enrico Bondi einen Bericht über die finanzielle Situation von Parmalat vorgelegt hatte.

Insolvenz schafft Zeit

Bondi muss jetzt bis Ende Januar Vorschläge zur Rettung des Konzerns und der Arbeitsplätze vorlegen. Die italienische Regierung hat eigens für Parmalat ein Dekret erlassen, das dem Unternehmen vorerst Gläubigerschutz gewährt. Zudem sollen landwirtschaftliche Zulieferbetriebe vor Auswirkungen der Parmalat-Krise geschützt werden. Unbestätigten Medienberichten zufolge sollen andere Konzerne bereits an der Übernahme einzelner Parmalat-Teile Interesse geäußert haben. Insgesamt beschäftigte Parmalat zuletzt rund 36.000 Menschen in 30 Ländern. Der Jahresumsatz betrug zuletzt 7,5 Milliarden Euro.

dpa / DPA