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Parmalat-Pleite: Enron auf Italienisch

Der italienische Konzern Parmalat steht vor dem Konkurs: Nachdem bekannt geworden war, dass das Unternehmen ein Bilanz-Loch von rund 4 Milliarden Euro aufweist, beschloss der Vorstand den Gang zum Konkursrichter.

Der italienische Konzern Parmalat steht vor dem Konkurs: Nachdem bekannt geworden war, dass das Unternehmen ein Bilanz-Loch von rund vier Milliarden Euro aufweist, beschloss der Vorstand den Gang zum Konkursrichter. Trotz Insolvenz sollte jedoch die Fortführung des bisherigen italienischen Paradeunternehmens ermöglicht werden, hieß es.

Bilanzfälschung

Zudem sei man übereingekommen, rechtliche Schritte zur Aufklärung der offensichtlichen Bilanzfälschung einzuleiten, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Der Parmalat-Gründer und bisher Vorstandsvorsitzender Calisto Tanzi war erst am Montag zurückgetreten und durch Enrico Bondi ersetzt worden, der sich als Unternehmenssanierer bereits einen Namen gemacht hatte.

Aktie stürzt ins Bodenlose

Die Parmalat-Aktie stürzte an der Mailänder Börse im freien Fall ab und verlor nach mehrmaliger Aussetzung bis Handelsschluss zwei Drittel ihres Wertes. Der Schlusskurs betrug 0,30 Euro. Sie wird am Montag vom Mailänder Leitindex Mib30 herausfallen. Parmalat zog auch die Kurse mehrerer mit dem norditalienischen Unternehmen in Verbindung stehender Banken in die Tiefe. Die Deutsche Bank ist mit 5,157 Prozent an Parmalat beteiligt.

Vier Milliarden Euro "fehlen"

Der freie Fall der Aktie war vor allem durch eine Mitteilung der Bank of America ausgelöst worden, in der diese die Existenz eines Kontos der Parmalat-Gesellschaft Bonlat über fast 4 Milliarden Euro dementierte. "Wir haben kein solches Konto mit der Bonlat", hieß es. Die Bank of America sagte, ein Parmalat-Dokument vom vergangenen März, in dem diese Barmittel-Summe auftaucht, sei nicht authentisch. Die Bonlat Financing Corporation hat ihren Sitz auf den als Steuerparadies bekannten Cayman Inseln.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des Lebensmittel-Konzerns auf die unterste Stufe D abgesenkt. Die Anleihen des Unternehmen gelten damit als wertlos. Der italienische Finanzminister Giulio Tremonti hat Parmalat am Abend mit dem Fall Enron verglichen. Der US-Konzern war unter der Last eines gigantischen Bilanzfälschungsskandals zusammengebrochen.

dpa / DPA