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Andreas Köpke: Mit Anzug und Krawatte

Vom Welttorhüter zum Manager-Trainer: Während der Profi-Laufbahn war Andreas Köpke einer der besten Schlussmänner in der Fußball-Bundesliga, jetzt unterrichtet er Unternehmer.

Für den Weltmeister von 1990 steht fest, dass es auf dem Sportplatz und im Büro Parallelen gibt: "Es geht um Teamgeist, Motivation und mentale Stärke." Der WM-Botschafter für den Spielort Nürnberg lud auch schon zu einem Kurs ins Frankenstadion ein, wo die deutsche Nationalelf am kommenden Samstag die Auswahl Litauens empfängt.

Der Europameister von 1996 gibt bis zu zehn Erlebnisseminare pro Jahr. "So ein Seminar im Stadion ist was vollkommen anderes, als wenn man irgendwo in einem Raum sitzt", so der 43-malige A-Nationalspieler. Die Kosten für einen Kurstag mit dem Keeper betragen 5.000 bis 9.000 Euro. Für Köpke ist es wichtig, den Vortrag über Führungsspieler und Leistungsdruck auch im Stadion umzusetzen. "Durch ein banales Elfmeterschießen", nennt der 41-Jährige ein Beispiel. "Die Manager gehen ins Stadion rein. Dann steht da ein ehemaliger Nationaltorhüter im Tor, die anderen gucken zu und schon hat der Schütze Druck." Einige laufen in Sportkleidung an, andere bestreiten das Duell gegen den "Fußballer des Jahres 1993" im Maßanzug.

Der Druck ist brutal

Die Vorbereitung von Firmenangestellten auf einen Termin sei mit der eines Bundesliga-Profis vergleichbar, sagt der Welttorhüter von 1996. "Einen Tag vor einem Spiel oder einem wichtigen Vertragsabschluss kann ich nicht um die Häuser ziehen", findet Köpke, der als Repräsentant des 1. FC Nürnberg-Vermarkters Sportfive auch im Wirtschaftsleben tätig ist. Obwohl er nach der Fußball-Karriere nicht in ein Loch fiel, vermisst er Teile des Torhüterlebens.

"Das war mein Traumberuf. Mir fehlen schon das Zusammensein mit der Mannschaft oder das tägliche Training", sagte der Sportler. "Am meisten vermisse ich es, in ein ausverkauftes Stadion einzulaufen." Die Arbeit für diese Glücksmomente war hart, Nervenstärke war dann im Stadion gefragt. "Der Druck ist brutal, immer wieder diese Topleistungen bringen zu müssen."

Etwas "Besonderes" sei es für ihn immer gewesen, im Kreise der Nationalmannschaft dabei zu sein. "Es war Ansporn für mich, die Nummer eins zu sein und den Platz mit Händen und Füßen zu verteidigen", äußerte sich der Familienvater, der Berti Vogts als seinen "besten Trainer" sieht. Im Gegensatz zu seinem ehemaligen Mitspieler und derzeitigen Teamchef Rudi Völler, der "vom Ansehen in der Öffentlichkeit ähnlich wie Franz Beckenbauer ist", strebt Köpke trotz Fußballlehrer-Lizenz keinen Trainerjob an. "Das ist im Moment kein Thema für mich", sagte der Mann, der den Torhüter-Dress gegen Anzug, Hemd und Krawatte tauschte. "Vielleicht kommt in absehbarer Zeit eher der Manager-Posten in Frage."

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