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Anrechnungszeiten sichern: Arbeitslos ohne Arbeitslosengeld

Auch wenn Arbeitslose keine Unterstützungsleistungen nach Hartz IV bekommen - zum Beispiel weil noch Ersparnisse vorhanden sind - ist eine Meldung bei der Arbeitsagentur wichtig: Nur so sichern sie sich Anwartszeiten und Rentenansprüche.

Nicht jeder Arbeitslose bekommt Geld von der Arbeitsagentur. Wer keinen Anspruch (mehr) auf Arbeitslosengeld I hat und auch kein Arbeitslosengeld II erhält - beispielsweise wegen vorhandener Ersparnisse - sollte sich dennoch bei der Arbeitsagentur arbeitslos melden. Denn nur dann zählen Zeiten der Arbeitslosigkeit auch als Anrechungszeit für die Rente.

Keine Zeit verlieren

Wichtig ist, dass Betroffene schnell bei der Arbeitsagentur vorsprechen. Zwischen dem letzten Arbeitstag und der Arbeitslosmeldung dürfen höchstens vier Wochen liegen. Nach Ablauf dieser Frist verfällt der Anspruch auf Anrechnung. Achtung: Wer sich lediglich "arbeitssuchend" statt arbeitslos meldet, bekommt keine Anrechnungszeiten gut geschrieben.

Anrechnungszeiten bei Arbeitslosigkeit bringen zwar keine höhere Rente, schließen aber Lücken im Versicherungsverlauf und zählen für die Wartezeiten. Außerdem können sie den Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente sichern. Eine Erwerbsminderungsrente gibt es nämlich nur für Versicherte, die in den vergangenen fünf Jahren mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge an die Rentenkasse abgeführt haben. Anrechnungszeiten verlängern diesen Zeitraum.

Bei Erwerbsminderung wichtig

Wer beispielsweise nach 20 Jahren im Beruf vier Jahre lang arbeitslos war und dann ganz oder teilweise arbeitsunfähig wird, hätte ohne Anrechnungszeiten keinen Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente, weil er in den vergangenen fünf Jahren nur ein Jahr lang Pflichtbeiträge gezahlt hat. Bei rechtzeitiger Arbeitslosmeldung hingegen zählen die vier Jahre der Arbeitslosigkeit nicht zum Fünfjahres-Zeitraum, so dass die Bedingungen für eine Erwerbsminderungsrente erfüllt sind.

Anrechnungszeiten zählen auch zu der Vorversicherungszeit (auch Wartezeit) von mindestens 35 Jahren für langjährig Versicherte. Die Vorversicherungszeit ist zudem für Versicherte wichtig, die vor dem 1. Januar 1992 Beiträge auf Grundlage niedriger Einkommen gezahlt haben. Diese Beiträge werden nämlich von der Rentenversicherung um bis zu 50 Prozent aufgestockt - wenn inklusive der Anrechnungszeiten mindestens 35 Beitragsjahre zusammenkommen.

Arbeitslose müssen verfügbar sein

Arbeitslose, die vor 1952 geboren sind, können zudem noch die vorgezogene Altersrente wegen Arbeitslosigkeit in Anspruch nehmen. Dazu müssen sie von den letzten zehn Jahren vor Rentenbeginn mindestens acht Jahre lang Versicherungsbeiträge gezahlt haben. Wie bei der Erwerbsminderungsrente verlängert sich diese Frist durch Anrechnungszeiten.

Die einmalige Arbeitslosmeldung reicht allerdings nicht aus, um die Anrechnungszeiten zu bekommen. So müssen Arbeitslose auch ohne Anspruch auf Geldleistungen aktiv nach Arbeit suchen und verfügbar sein, wenn ihnen die Arbeitsagentur ein Jobangebot macht. Außerdem müssen sie die Meldung bei der Arbeitsagentur alle drei Monate erneuern.

Hendrik Roggenkamp/DDP / DDP