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arbeiten-ausland: Arbeiten in Belgien

Belgien wird durch zwei unterschiedliche Kultur- und Sprachgemeinschaften geprägt: Im Norden leben die niederländisch sprechenden Flamen, im Süden die französisch sprechenden Wallonen. Wer eine Karriere in Belgien plant, sollte auf jeden Fall die Sprache der jeweiligen Region beherrschen.

Arbeitserlaubnis: Staatsangehörige von Mitgliedstaaten der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums benötigen keine Arbeitserlaubnis, sondern lediglich ein Stellenangebot. Bürger anderer Staaten brauchen eine Arbeitserlaubnis. Sie kann nur erteilt werden, wenn der Arbeitgeber nachweist, dass er die Stelle nicht mit einem Belgier oder EU-Bürger besetzen kann.

Arbeitsvertrag: Arbeitsverträge sind in Belgien in der Regel unbefristet und werden, auch wenn nicht gesetzlich vorgeschrieben, meist schriftlich vereinbart. Dem Arbeitsvertrag können Informationen über das Arbeitsentgelt, die Erstattung von Reisekosten und sonstige Vereinbarungen entnommen werden. Üblich ist eine Probezeit von sechs Monaten. Sie kann aber zwischen einem Monat und einem Jahr ausgehandelt werden. Während der Probezeit liegt die Kündigungsfrist bei sieben Tagen, danach richtet sie sich meist nach Dienstalter, Position und Gehalt. Bei Entlassung werden hohe Abfindungen gezahlt. Die Summe lässt sich aushandeln und sollte im Vertrag festgehalten werden.

Arbeitszeit: Üblich ist eine tägliche Arbeitszeit von acht Stunden und eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Die Arbeitswoche umfasst im Allgemeinen fünf Tage und mindestens einen gesetzlichen Ruhetag. Im Normalfall ist dies der Sonntag.

Aufenthaltsgenehmigung: Wer länger als drei Monate in Belgien bleibt, muss innerhalb von einer Woche nach der Einreise bei der Kommunalverwaltung (Maison Communale/Gemeentehuis) eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Bürger von EU-Ländern, die bis zum Ende der Dreimonatsfrist eine Arbeit gefunden oder eine Existenz gegründet haben, haben Anspruch auf eine Aufenthaltsgenehmigung. Benötigt wird ein Identitätsnachweis sowie eine Bescheinigung vom Arbeitgeber. Verwehrt werden kann die Aufenthaltserlaubnis, wenn bis dahin keine Tätigkeit aufgenommen worden ist. Die Aufenthaltserlaubnis ist fünf Jahre lang gültig. Auch die Familienangehörigen sind aufenthaltsberechtigt.

Gehalt: Im Vergleich zu Deutschland ist das Bruttoeinkommen in Belgien im Durchschnitt etwa 10 bis 20 Prozent geringer. Eine Ausnahme bilden die Jobs bei EU-Behörden: Die Bezahlung ist dort im Schnitt höher als deutsche Gehälter. Was die Abgaben betrifft, so sind die steuerlichen Belastungen höher (Spitzensteuersatz über 60 Prozent), die Sozialversicherungsbeiträge dagegen niedriger als in Deutschland. Im Allgemeinen werden jährlich 13,85 Monatsgehälter gezahlt. Üblich sind auch Jahresprämien von unterschiedlicher Höhe. Das Urlaubsgeld wird tariflich geregelt und beträgt mindestens 75 Prozent des Monatsgehaltes. Bei Arbeitern erfolgt keine Lohnfortzahlung während des Urlaubs, sie erhalten dafür von ihrem Sozialversicherungsträger 1/14 des im Vorjahr gezahlten Lohnes als Urlaubsgeld. Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge werden jeden Monat vom Arbeitgeber einbehalten. Die Löhne und Gehälter sind an den Preisindex für die Lebenshaltung der jeweils letzten vier Monate gebunden. Die Anpassung erfolgt, sobald die Steigerungsrate zwei Prozent beträgt.

Soziale Absicherung: Die soziale Absicherung beinhaltet in Belgien die Kranken- und Invalidenversicherung, sowie die Renten- und Hinterbliebenenversicherung. Außerdem ist sie zuständig bei Arbeitslosigkeit, Kindergeld, Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Die Mitgliedschaft in einer Krankenkasse ist für jeden Beschäftigten und jeden Arbeitslosen Pflicht. Inklusive Rentenversicherungsbeiträgen liegen die Beitragssätze bei 13 Prozent des Bruttogehaltes. Die Altersgrenze bei der Rente beläuft sich in Belgien wahlweise auf 60 bis 65 Jahre.

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: Während der ersten Zeit erhält der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber das volle Arbeitsentgelt: für Angestellte einen Monat, für Arbeiter 14 Tage. Im Anschluss kommt die Krankenkasse für mindestens 60 Prozent der Einkommenseinbuße auf. Der Arbeitgeber ergänzt diesen Betrag vierzehn Tage lang durch 25,88 Prozent des Arbeitsentgelts. Weitere Informationen erteilt das Ministerium für soziale Angelegenheiten.

Urlaub: Das Gesetz schreibt grundsätzlich vor, dass jeder Arbeitnehmer Anspruch auf einen Jahresurlaub von 24 Tagen hat. Dieser Grundsatz gilt allerdings nur für Arbeitnehmer, die ein volles Jahr gearbeitet haben. Ansonsten richtet sich der Urlaubsanspruch nach der Zahl der gearbeiteten Tage oder Monate. Außerdem sieht der belgische Kalender zehn gesetzliche Feiertage vor.

Visum: Wer kein Staatsbürger eines Schengen-Landes ist, benötigt zur Einreise nach Belgien ein Visum. Staatsangehörige eines Mitgliedstaats der Europäischen Union haben das Recht, ohne besondere Formalitäten in alle anderen Mitgliedstaaten einzureisen. Sie brauchen dazu lediglich einen gültigen Personalausweis oder Reisepass.

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