Arbeitsagentur der Zukunft Jobsuche ohne Wartezeit


Eigentlich müssten Jobsuchende in der Arbeitsagentur Bremerhaven Schlange stehen. Doch die Stühle im Wartebereich sind fast leer. "Wir sind das Kundenzentrum der Zukunft", sagt Agentur-Chef Bernd Wozniak mit gewissem Stolz.

In Bremerhaven erprobt die Bundesagentur neue Organisationsformen, die ab 2005 Deutschland weit eingeführt werden sollen. "Vernachlässigte Vermittlung" - die umstrittene Generalkritik des Verwaltungsratschefs der Bundesagentur, Peter Clever, will Wozniak deshalb für sein Haus nicht gelten lassen. Agentur statt Amt, Kundenservice statt Antragsbearbeitung, Call-Center statt Warteschlange, Arbeitgeberteams statt Angebotsverwaltung - das sind die beherrschenden Stichworte.

Michael G., Arbeit suchender Karosseriebauer, hat an diesem Morgen einen bereits vor Tagen telefonisch mit dem Service-Center vereinbarten Termin mit Arbeitsvermittlerin Silke Rösner. Früher hätte er im alten Arbeitsamt unter Umständen im Flur stundenlang auf ein Gespräch gewartet. "Da kam mancher schon mit einem dicken Hals vor Unmut zu uns rein", erinnert sich Rösner.

Interessen von Arbeitssuchenden und Arbeitgebern zusammenbringen

"Kundenorientiert" nennt Wozniak das neue Prinzip aber nicht nur deshalb. 140 Vermittler kümmern sich in Bremerhaven ausschließlich um die Interessen der Arbeitssuchenden. Der Grundgedanke, so Wozniak: "Wir wollen die Interessen von Arbeitssuchenden und Arbeitgebern so dicht wie möglich zueinander bringen; das erhöht die Chancen deutlich."

Als Michael G. im Zimmer von Silke Rösler Platz nimmt, weiß die Vermittlerin schon alles Wesentliche über den 28-Jährigen. Dass sein befristeter Arbeitsvertrag nächsten März ausläuft, welche beruflichen Qualifikation er hat, und dass er mobil ist.

"All diese Informationen sind bereits von unserem Service-Center abgefragt worden", erläutert die Vermittlerin. Weiteres erfährt Silke Rösner im Gespräch mit ihrem Kunden. "Ich könnte auch als Kraftfahrer arbeiten, denn als Zeitsoldat habe ich den Lkw-Führerschein gemacht", sagt Michael G.. Am Computer kann Silke Rösler seine Qualifikationen sofort mit dem Angebot am Markt abgleichen.

Klare Anforderungsprofile für die Jobsuchenden

Die Informationen dafür haben ihre 40 Kollegen aus den Arbeitgeberteams beschafft. "Sie kümmern sich ausschließlich um Unternehmen, erarbeiten mit den Personalabteilungen klare Anforderungsprofile", erläutert Wozniak. Das Ergebnis: "Wir können Suchende exakt vermitteln. Oder ihnen Qualifizierungen anbieten, um sie für eine Stelle fit zu machen."

Obwohl Silke Rösler knapp 900 Suchende in ihrer elektronischen Kartei hat, bleiben ihr gut 45 Minuten für ein intensives Beratungsgespräch mit Michael G.. Mit Erfolg - auf Anhieb findet die Beraterin drei Stellenangebote.

7537 Arbeitssuchende hat die Bremerhavener in diesem Jahr bereits in neue Jobs vermittelt. "Kein schlechter Wert, trotz 19 400 Arbeitssuchenden", sagt Wozniak. Selbst im strukturschwachen Bremerhaven ist mehr Bewegung im Arbeitsmarkt, als viele vermuten. "Diesen Spielraum versuchen wir so gut wie möglich zu nutzen", sagt Wozniak. Seiner Grenzen ist er sich allerdings bewusst: "Neue Arbeitsplätze sind nicht zwingend auch zusätzliche Arbeitsplätze. Daran ändert auch eine gute Vermittlung nichts."

Von Wolfgang Heumer/DPA


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