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Arbeitsmarkt Arbeitslosigkeit steigt bis Jahresmitte


Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist nach Einschätzung von Experten im Januar für die Jahreszeit ungewöhnlich stark auf deutlich über 4,5 Millionen gestiegen. Mit einem Stopp des saisonbereinigten Negativ-Trends rechnen sie frühestens zur Jahresmitte.

Selbst bei einem Anspringen der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte erwarten Volkswirte in diesem Jahr keine merkliche Belebung auf dem Arbeitsmarkt. "Mit einer durchgreifenden Erholung ist im Prinzip erst im nächsten Jahr zu rechnen", sagte Manuela Preuschl von der Deutschen Bank. Strukturreformen wie die Umsetzung des Hartz-Konzepts könnten nach Ansicht von Peter Meister von der ING BHF-Bank im zweiten Halbjahr zwar positive Wirkung zeigen: "Aber wir denken nicht, dass das ausreichen wird, um die konjunkturelle Belastung zu kompensieren."

Für Januar rechnen Analysten im Schnitt mit einem saisonbereinigten Anstieg um knapp 30.000 Arbeitslose. Die offiziellen Zahlen gibt die Bundesanstalt für Arbeit am 5. Februar in Nürnberg bekannt.

Höchste Januar-Arbeitslosigkeit seit fünf Jahren erwartet

Der Arbeitsmarktexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Andreas Cors, geht für Januar von unbereinigt 4,55 Millionen Arbeitslosen nach 4,225 Millionen im Dezember aus. Zwar steigt die unbereinigte Zahl der Arbeitslosen im Januar auf Grund der Winterwitterung und des Quartals-Kündigungstermins Ende Dezember regelmäßig an. Mit einem Plus von etwa 330.000 Arbeitslosen fiele der Anstieg aber höher aus als in den vergangenen Jahren. Eine Zahl von über 4,5 Millionen Erwerbslosen wäre der höchste Januar-Stand seit 1998.

Spätestens im März dürfte die Zahl der registrierten Arbeitslosen - entsprechend der Jahreszeit - wieder leicht zurückgehen. Allerdings geht das DIW davon aus, dass selbst in den traditionell besten Monaten September und Oktober die Marke von vier Millionen nicht unterschritten wird.

Aufschlussreicher ist der saisonbereinigte Trend, der die Entwicklung unter Herausrechnung jahreszeitlicher Einflüsse widerspiegelt. Der seit zwei Jahren währende Abwärtstrend wird nach Einschätzung der Experten frühestens im Sommer zum Stillstand kommen. Preuschl rechnet bis dahin Monat für Monat mit einem saisonbereinigten Zuwachs von 25.000 bis 30.000 Arbeitslosen. In den Sommermonaten sei eine Konsolidierung vorstellbar. DIW-Experte Cors sagte: "Die Zahl der Arbeitslosen wird ab Mitte des Jahres saisonbereinigt leicht abnehmen."

Für Januar gingen 15 von Reuters befragte Analysten im Schnitt von einem saisonbereinigten Anstieg um 29.600 Arbeitslose aus, mit einer Bandbreite von 12.000 bis 40.000. Im Dezember war die eine saisonbereinigte Arbeitslosenzahl um 28.000 auf 4,197 Millionen gestiegen.

Auf das ganze Jahr gesehen bleiben die Aussichten düster. "Die Konjunkturaussichten sind mau", sagte Preuschl. Zudem könne man nicht mehr von einem bloßen Kriegsrisiko sprechen: "Ein Irak-Krieg steht bevor." Das DIW rechnet ab Jahresmitte mit einem leichten Anziehen der Dynamik in Folge einer weltwirtschaftlichen Besserung. "Aber das wird kaum so stark sein, dass davon ein nennenswerter Einfluss auf den deutschen Arbeitsmarkt ausgeht", erwartet Cors. Notwendig wäre, die inländischen Kräfte zu stärken: "Das fehlt."

Strukturreformen machen Hoffnung

Als Hoffnungszeichen werten Experten die Umsetzung der Hartz-Reformen und die von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) angestoßene Debatte über den Abbau von Beschäftigungshindernissen im Arbeitsrecht. Eine Lockerung des Kündigungsschutzes sieht Meister als sehr wichtigen Schritt zur Förderung des Mittelstands. "Es gibt die Hoffnung, dass Clement die Energie nicht ausgeht", sagte Meister.

Nach den Landtagswahlen am Wochenende könnte sich nach Einschätzung von Meister die Zusammenarbeit von SPD und Union verbessern und dazu führen, dass unpopuläre Maßnahmen von den beiden Volksparteien gemeinsam umgesetzt werden. Preuschl hofft, dass sich durch den erwarteten Denkzettel für die SPD bei den Wahlen die Reformanhänger in der Regierung bestätigt sehen. "Ich denke schon, dass Clement einiges bewegen kann", sagte Preuschl.


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