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Arbeitsmarkt-Studie Frauen haben zur Chefetage keinen Zutritt

Männer unter sich: Einer Studie zufolge sind Frauen auf Chefpositionen in Deutschland die absolute Ausnahme
Männer unter sich: Einer Studie zufolge sind Frauen auf Chefpositionen in Deutschland die absolute Ausnahme
© Colourbox
Die Ergebnisse sind ernüchternd: Frauen im Chefsessel haben in Deutschland weiterhin Seltenheitswert. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Offenbar ist es mit der Gleichberechtigung in den deutschen Chefetagen nicht weit her.
Von Roman Heflik

Nur jeder vierte Chefsessel sei von einer Frau besetzt, heißt es in der Studie. An diesem Stand habe sich auch in den vergangenen vier Jahren nichts geändert, berichteten die Autorinnen der Studie, Susanne Kohaut und Iris Möller. Sie arbeiten am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Ihre Untersuchung basiert auf einer Befragung von 16.000 Betrieben im Jahr 2008. Was Kohaut und Möller herausgefunden haben, gibt wenig Anlass zur Freude: "Nach wie vor sind die Ergebnisse ernüchternd", sagen die Forscherinnen.

Nur jede 25. Arbeitnehmerin schaffe es in die erste Führungsebene eines Unternehmens. In Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten ist mit neun Prozent nicht mal jeder zehnte Chef eine Frau. Noch im Jahr 2004 hatte der Frauenanteil in dieser Führungsebene allerdings nur bei sechs Prozent gelegen. Die größten Aufstiegschancen haben der Untersuchung zufolge Frauen in kleinen Unternehmen. So liege der Anteil der weiblichen Chefs in Firmen mit bis zu neun Beschäftigten bei 27 Prozent, in Firmen mit bis zu 50 Beschäftigten bei 21 Prozent.

Banken und Versicherungen stechen negativ heraus

In Branchen mit einem relativ hohen Frauenanteil stellten Frauen überdurchschnittlich häufig den Chef. Dieses gelte besonders für Dienstleistungsbereiche wie Erziehung und Bildung, in der Gastronomie, in Hotels, Reinigungsbetrieben und bei Friseuren. Eine Ausnahme bildeten Banken und Versicherungen, wo Frauen trotz ihres 53-prozentigen Beschäftigtenanteils lediglich acht Prozent der Führungspositionen besetzen würden. "Wo es um wirtschaftliche Macht geht, sind Frauen wenig vertreten", bilanzieren die beiden Autorinnen.

Kohaut und Möller leiten aus anderen wissenschaftlichen Untersuchungen die Gründe dafür ab, warum sich Frauen mit dem Aufstieg an die Spitze so schwer tun. So würden sich die Ausfallzeiten von Frauen während der Familienbildungsphase zeitlich oft mit der wichtigen Phase der Karrierebildung überschneiden. "Dies wirkt sich nachteilig auf den Karrierestart aus, aber auch auf die spätere Karriere von Frauen", schlussfolgern die IAB-Forscherinnen. In dieser Zeit festigen sich zudem häufig traditionelle arbeitsteilige Strukturen in den Familien, was im Umkehrschluss die Zeitsouveränität der Frauen stärker einschränkt als die der Männer.

Selbst Frauen ohne Kind gelten als "potenzielle" Mütter

Kohauts und Möllers Einschätzung zufolge verringern sich die Chancen der Frauen auf eine Führungsposition auch deshalb, weil familienbedingte Ausfallzeiten später meist nicht mehr aufgeholt werden können.

Aber selbst Frauen, die sich für ein Lebensmodell ohne Kinder entscheiden, müssen sich mit Karrierehindernissen auseinandersetzen. Auch sie würden oft von Personalverantwortlichen als "potenzielle" Mütter eingestuft, heißt es in der Untersuchung. So sei es nicht verwunderlich, dass Frauen in Führungspositionen vergleichsweise seltener verheiratet sind und häufiger ohne Kinder im Haushalt leben als Männer in Führungspositionen. "Zudem fehlen bislang meist die weiblichen Vorbilder - also Frauen, die Spitzenpositionen innehaben -, an denen sich andere Frauen bei ihrer Karriereplanung orientieren können."

Ebenso sind Unterschiede in der Berufswahl von Frauen und Männern mitverantwortlich für ungleiche Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten. Frauen ergreifen häufiger als Männer Berufe im Dienstleistungsbereich. So werde beispielsweise der Beruf der Zahnarzthelferin fast ausschließlich von Frauen ausgeübt, ein Beruf, der weder Aufstiegschancen noch attraktive Verdienstmöglichkeiten biete.

Mit DPA

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