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Arbeitsplatz: Frauen, startet durch

Frauen investieren mehr und mehr Energie in ihre Berufsbildung und sind mittlerweile besser ausgebildet als Männer. Der wirkliche Durchbruch in Sachen Gleichstellung lässt aber auf sich warten.

Krankenschwester, Arzthelferin oder Friseurin - auch im 21. Jahrhundert haben typische Frauenberufe nicht ausgedient. Vor allem Tätigkeiten im Gesundheits- und Sozialbereich und Jobs wie Floristin, Kinderpflegerin oder Hotelkauffrau sind noch immer fest in Frauenhand. Laut Statistischem Bundesamt war 2002 etwa jeder fünfte Ausbildungsberuf klar von Frauen dominiert.

Bei Arzthelfern lag der Männeranteil vor zwei Jahren gerade bei 0,4 Prozent, bei zahnmedizinischen Fachangestellten sogar nur bei 0,2 Prozent. "Insgesamt sind Männer aber deutlich mehr auf typische Männerberufe konzentriert", sagt Gerhard Engelbrech vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Hierzu zählten vor allem produktionsorientierte und so genannte Bau-Nebenberufe wie Schreiner oder Zimmermann.

Frauen verdienen deutlich weniger

Gingen 2001 knapp 60 Prozent der Männer in typische Männerberufe, hätten sich hingegen nur 24 Prozent der Frauen einen Job in einer typischen Frauendomäne gesucht. 2002 lag der Frauenanteil in den IT-Berufen gerade mal bei 12,9 Prozent, im Bereich Fachinformatik bei 10,7 Prozent und bei den Kraftfahrzeugmechanikern sogar nur bei 1,6 Prozent.

Was die Bezahlung angeht, haben Männer noch immer deutlich die Nase vorn. So verdienten fertige weibliche Azubis in Westdeutschland 2001 nach Angaben des Arbeitsmarkt-Experten beim Berufseinstieg im Schnitt 13 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Im Osten lag der Verdienst der Frauen gerade mal bei 90 Prozent des Einkommens der Männer. 1980 hatte das Verhältnis Engelbrech zufolge allerdings noch bei 79 zu 100 Prozent gelegen. Und auch bei den Akademikern gebe es noch immer deutliche Verdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern.

Frauen bleiben einem Betrieb meist länger erhalten als Männer

Einen Grund für das noch immer krasse Missverhältnis bei der Bezahlung sieht die Bielefelder Soziologin Ursula Müller in der geschichtlichen Entwicklung. So seien, nachdem im vergangenen Jahrhundert immer mehr Frauen berufstätig geworden seien, die Verdienste in den typisch weiblichen Berufsfeldern abgewertet worden, erklärt die Soziologin. Dem Mann sei weiterhin die Rolle des Ernährers der Familie zugeschrieben worden.

Abgesehen von Folgen wie Babypause und Teilzeitbeschäftigung täten sich viele Frauen aber auch bei der Gehaltsverhandlung schwerer als Männer, ist Müller überzeugt. "Sie sind sich der Werte, die sie für die Unternehmen repräsentieren, oft nicht so bewusst." Dabei hätten Untersuchungen gezeigt, dass sich die Leistungen weiblicher Führungskräfte von männlichen kaum unterschieden. "Frauen bleiben einem Betrieb meist sogar noch länger erhalten als Männer."

"Es spielt sich immer mehr in Mischberufen ab"

Die klassische Berufsaufteilung hat für viele Männer allerdings auch ihre Haken. Die typischen Männer-Jobs seien viel stärker von der Arbeitslosigkeit betroffen als typische Frauenberufe, betont Engelbrech. So führte im Westen nach der Ausbildung der Weg nahezu doppelt so vieler männlicher junger Erwachsener in die Arbeitslosigkeit wie bei weiblichen Kolleginnen.

Mittlerweile ist die berufliche Abschottung der Geschlechter nach Ansicht Engelbrechs allerdings auf dem Rückmarsch. "Es spielt sich immer mehr in Mischberufen ab", sagt er. So strömten immer mehr Mädchen in Dienstleistungsbereiche wie Banken und Versicherungen. Auch in den typischen Frauenberufen - bei der Ausbildung zum Kaufmann/frau für Bürokommunikation und im Verkauf im Nahrungsmittelhandwerk legte der Männeranteil von 1997 bis 2002 leicht um 4,2 und 1,7 Prozentpunkte zu.

Auch Mädchen wollen gut verdienen

Mehr und mehr Mädchen legten bei ihrer Ausbildung auch Wert auf eine gute Bezahlung. "Das Denken, ich mach das mal so lange, bis ich ein Kind habe, gilt nicht mehr", sagt Engelbrech. Junge Frauen investierten mehr und mehr Energie in ihre Berufsbildung und seien "mittlerweile besser ausgebildet als Männer".

Der wirkliche Durchbruch in Sachen Gleichstellung lässt aber weiter auf sich warten, wie Müller betont. So ist der Männeranteil in den Frauenberufen Alten-, Kranken-, und Säuglingpflege weiter rückläufig. Und auch in def obersten Führungsriege der Unternehmen sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. So sei bis heute "bei allen DAX-Unternehmen keine einzige Frau im Vorstand", betont die Soziologin. Daran dass sich das Problem allmählich von alleine löst, hat die Sozialwissenschaftlerin massive Zweifel. Bislang, so Müller, "mussten die Fortschritte immer hart erkämpft" werden.

Mirjam Söchtig, AP