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Arbeitsrecht: Damit der Urlaub nicht vermiest wird

Für viele Arbeitnehmer steht die schönste Zeit des Jahres vor der Tür: der Urlaub. Um Streit mit dem Arbeitgeber oder den Kollegen zu vermeiden, sollte man einiges beachten.

Wer arbeitet, braucht Entspannung - dafür setzt das Bundesurlaubsgesetz die Rahmenbedingungen. Doch Vorsicht: Während des Urlaubs darf der Arbeitnehmer laut Gesetz nicht arbeiten, denn er soll seine Arbeitskraft regenerieren. Ausnahmen bilden nur vom Arbeitgeber gestattete Nebentätigkeiten. So genannte Gefälligkeitsarbeiten bei Freunden oder Verwandten sind allerdings nicht verboten und bedürfen auch nicht der Genehmigung durch Vorgesetzte.

Anspruch auf den Mindesturlaub

Der jährliche Mindesturlaub unterscheidet sich von unbezahltem Urlaub dadurch, dass ersterer immer einem Anspruch folgt, während der Arbeitgeber unbezahlten Urlaub genehmigen kann, aber nicht muss. Daneben gibt es andere, vor allem persönliche Anlässe wie Kuren oder Hochzeiten, für die andere Gesetze, Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen gesonderte Arbeitsbefreiungen unter Umständen vorsehen.

Meist regelt der Arbeitsvertrag den Erholungsurlaub, Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen beinhalten aber oft günstigere Bestimmungen für Arbeitnehmer. Das Gesetz verlangt einen Mindesturlaub von 24 Werktagen bei einer Sechs-Tage-Arbeitswoche. Im Falle einer Fünf-Tage-Arbeitswoche beträgt der Mindesturlaub nur 20 Werktage. Im Klartext: Wer von Montag bis Freitag arbeitet, hat Anspruch auf 20 Werktage Urlaub im Jahr.

Sonderregelungen für Jugendliche und Schwerbehinderte

Für Jugendliche bis 17 Jahre gelten Sonderregelungen bis zu 30 Werktagen Mindesturlaub und Schwerbehinderte haben einen Anspruch auf fünf zusätzliche Werktage. Erholungsurlaub können alle Mitarbeiter nehmen, auch Azubis, Praktikanten und Teilzeitkräfte. Bei Arbeitnehmerüberlassungen schuldet aber der Verleiher, nicht das beschäftigende Unternehmen, den Urlaub.

Ab Jobantritt gilt eine sechsmonatige Wartezeit für den vollen Urlaub. Allerdings können Arbeitnehmer auch vorher anteilig Urlaub nehmen. Er beträgt für jeden vollen Monat 1/12 des Jahresurlaubs. Beachtet werden muss aber, dass Erholungsurlaub immer auf das Kalenderjahr befristet ist. Der Mitarbeiter kann ihn jedoch in dringenden betrieblichen oder persönlichen Fällen auf die ersten drei Monate des Folgejahres übertragen. Danach verfällt der Anspruch ersatzlos, wenn keine individuellen Vereinbarungen existieren.

Wer hat Vorrang?

Das Bundesurlaubsgesetz verlangt, den Erholungsurlaub grundsätzlich zusammenhängend zu gewähren. Mindestens zwölf aufeinander folgende Werktage (einschließlich der Sonnabende) sollten Mitarbeitern gewährt werden, denn der Erholungseffekt setzt bekanntlich erst nach geraumer Zeit ein.

Bei der Bewilligung von Urlaub muss der Arbeitgeber betriebliche und soziale Belange sowie Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer gegeneinander abwägen. Ausnahme: Es stehen dringende betriebliche Belange wie Inventuren, personelle Engpässe in Saisonzeiten oder ein plötzlicher Auftragsboom an. Eine weitere Ausnahme bilden die Urlaubswünsche von Arbeitnehmern, die unter sozialen Gesichtspunkten Vorrang haben. Hierzu zählen Mitarbeiter, die mit Schulkindern an Ferienzeiten gebunden sind.

Wird Urlaub abgelehnt, muss man bleiben

Bei einer Ablehnung des Urlaubs kann der Arbeitnehmer Beschwerde beim Betriebsrat einlegen oder sogar gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen. Er hat jedoch kein Recht, ohne Genehmigung in den Urlaub zu gehen. Dann drohen Abmahnung und im Wiederholungsfall die Kündigung.

Erkrankt der Mitarbeiter während des Urlaubs, kann er bei Nachweis der Krankenzeit durch ein Attest den Urlaub später nachholen. Erkrankt er nach Erteilung des Urlaubs, jedoch vor Antritt, ist der Urlaubsantrag automatisch überholt.

Urlaub ist Urlaub und darf nicht zurückgerufen werden

Eines jedoch darf der Chef nicht: Einen Arbeitnehmer aus seinem Urlaub zurückrufen. Selbst wenn im individuellen Arbeitsvertrag etwas anderes vereinbart wurde, darf das der Arbeitgeber grundsätzlich nicht. Denn eine solche Klausel im Arbeitsvertrag ist laut Bundesarbeitsgericht unwirksam, da sie gegen das Bundesurlaubsgesetz (BAG 9 AZR 404/99 und BAG 9 AZR 405/99) verstößt.

Der Sachbuchautor Ulf Weigelt ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei Weigelt und Ziegler in Berlin-Prenzlauer Berg

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