HOME

Bachelor, Master oder Staatsexamen: Die neuen Studienabschlüsse

Das Studentenleben verändert sich: Nach nur sechs Semestern machen Studenten heute ihren ersten Abschluss, den Bachelor. Damit sollen sie runter vom Campus und rein in die Berufswelt. Alles, was Sie über die neuen Studienabschlüsse wissen müssen.

Der Bachelor-Abschluss hat sich an den Unis als erster akademischer Grad weitgehend durchgesetzt

Der Bachelor-Abschluss hat sich an den Unis als erster akademischer Grad weitgehend durchgesetzt

Im Jahr 1999 trafen sich in der italienischen Stadt Bologna die Bildungsminister aus 29 Staaten und verabredeten: bis 210 soll es einen gemeinsamen Hochschulraum geben. Ziel der Reform: Das Studium soll schneller und internationaler werden. Deshalb wurden in den letzten Jahren in Deutschland die alten Abschlüsse Diplom und Magister nach und nach abgeschafft und durch Bachelor und Master ersetzt.

Bereits 75 Prozent der Studiengänge sind umgestellt. Auch wenn viele Studenten heute über die Verschulung ihres Studiums klagen und bisher niemand sicher weiß, welche Job-Chancen Absolventen auf dem Arbeitsmarkt mit dem neuen Turbo-Abschluss haben - für Studienanfänger macht es überhaupt keinen Sinn, jetzt noch einen Studiengang zu beginnen, der mit einem Diplom oder Magister endet. Denn diese Abschlüsse sterben in Zukunft aus.

Der Bachelor - im Sprint zum Abschluss

Nach sechs bis sieben Semestern schließen Studenten heute ihr Studium mit dem Bachelor ab. Geistes- und Sozialwissenschafter machen einen "Bachelor of Arts". Naturwissenschaftler, Mathematiker und Mediziner bekommen den Titel "Bachelor of Science". Für Wirtschaftswissenschaftler gibt es je nach Studienrichtung beide Titel. Ingenieure nennen sich "Bachelor of Engineering", teilweise auch "Bachelor of Science".

Der Bachelor-Abschluss soll Absolventen für einen Beruf qualifizieren. Das Studium ist in Module aufgeteilt, thematisch zusammenhängende Veranstaltungsblöcke. Es ist straff organisiert: Ab dem ersten Studientag zählt Leistung. Anwesenheit ist Pflicht. Jede Anmeldung zum Seminar ist auch eine Anmeldung zur Prüfung. Für die gibt es Punkte, so genannte "Credit-Points". Es wird erwartet, dass Studenten im Schnitt 30 Punkte pro Semester schaffen, 180 sollen es nach sechs Semestern sein. Für die Wiederholung einer Prüfung gibt es je nach Universität und Studiengang "Maluspunkte". Wie viele erlaubt sind, regelt die Prüfungsordnung.

Bachelor-Studenten trauen dem neuen Abschluss nicht. Sie glauben, dass sie mit dem neuen Turbo-Abschluss allein keine guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Deshalb wollen 85 Prozent weiter studieren und noch zusätzlich den Master machen.

Master - Abschluss für Fortgeschrittene

Das Master-Studium dauert weitere vier Semester. Dabei gibt es drei Formen:

  • konsekutiver Master: baut inhaltlich auf dem Bachelor auf. Zum Beispiel auf den Bachelor of Arts in Geschichte folgt der Master in Geschichte.
  • nicht-konsekutiver Master: baut nicht auf das Fach im Bachelor auf. Auf den Bachelor in Geschichte folgt zum Beispiel der Master in Volkswirtschaft.
  • Weiterbildungsmaster: für diesen Abschluss braucht man neben dem ersten Hochschulabschluss auch Berufspraxis.

Grundsätzlich kann jeder Bachelor-Absolvent ein Master-Studium beginnen. Doch ob auch alle einen Platz in dem von ihnen gewünschten Master-Studiengang ergattern, ist unklar. Denn nur die Besten sollen an der Uni bleiben dürfen. Deshalb wird es wohl eine Quote für den Master und hohe Hürden für die Zulassung geben. Über die Kriterien muss man sich bei der jeweiligen Hochschule direkt informieren.

Staatsexamen - Sonderprüfung für Staatsbedienstete

Neben den Bachelor und Master gibt es für einige Fächer das Staatsexamen. Das ist kein akademischer Grad, sondern eine vom Staat vorgeschriebene Prüfungsform. Juristen, Ärzte und Lehrer, die in den Staatsdienst gehen wollen, müssen das Staatsexamen ablegen. In einigen Bundesländern gibt es aber daneben auch Bachelor- und Master-Abschlüsse für Lehramt oder Jura.

In der Regel brauchen nur Absolventen, die Karriere in der Wissenschaft machen wollen den Doktor-Titel. Aber in einigen Berufen wie zum Beispiel bei den Chemikern starteten bisher 90 Prozent mit Dissertation in den Job. Grund-sätzlich kann jeder mit einem Magister, Diplom, Staatsexamen oder Master promovieren. Besonders qualifizierte Bachelor-Absolventen können auch ohne Master-Titel promovieren. Aber die Entscheidung wer zur Promotion zugelas-sen wird und wer nicht, liegt immer bei der Hochschule.

Catrin Boldebuck
Themen in diesem Artikel