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Berufsunfähigkeit: Der Weg zur besten Versicherung

So wichtig eine Berufsunfähigkeitsversicherung auch sein mag - auf dem Weg zum Abschluss lauern einige Stolperfallen. stern.de zeigt, wie Sie vorgehen sollten, damit Sie den besten Versicherungsschutz bekommen.

Wer nicht mehr im alten Beruf arbeiten kann, hat Anspruch auf die Versicherungsleistung - doch es kommt aufs Kleingedruckte an.

1. Vermögen berechnen

Wer von heute auf morgen nicht mehr arbeiten kann, muss im schlimmsten Fall auf das gesamte bisherige Einkommen verzichten - je mehr Menschen, etwa Ehefrau oder Kinder, davon abhängig sind, desto gravierender die Folgen. Deshalb sollte man so kalkulieren, dass ein möglichst großer Teil des Nettoeinkommens abgesichert wird. Rechnen Sie aus, wie hoch Ihr Haushaltseinkommen (inklusive Einkommen des Partners) und Ihr Vermögen sind. Stellen Sie dagegen Ihre monatlichen Ausgaben - und überlegen Sie auch, worauf Sie im Fall der Fälle verzichten könnten. Den verbleibenden Betrag müssen Sie absichern: einen Teil aus Ihrem Vermögen, den anderen Teil über die Berufsunfähigkeitsversicherung. Das sollten bis zu drei Viertel des Nettoeinkommens sein.

2. Passendes Angebot suchen

Die einfachste Form ist eine reine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne jeden Zusatz. Sie kann die günstigste Alternative sein - muss aber nicht. Oft sichern die Anbieter nämlich ohne Aufpreis zusätzlich auch noch gegen den Todesfall ab; die Familie bekommt dann eine vorher festgelegte Summe. Das ist dann die bessere Variante. Der Name dieses Produkts ist ein Zungenbrecher: Risikolebensversicherung mit Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ). Wer sich dafür entscheidet, muss darauf achten, dass der Berufsunfähigkeitsschutz bis zum Rentenbeginn läuft - auch dann, wenn die Lebensversicherung zum Beispiel schon nach zwölf Jahren endet. Für den Fall der Berufsunfähigkeit kann man den Vertrag so abschließen, dass der Versicherer dann die Prämien für die Lebensversicherung übernimmt. Das kostet aber extra. Bevor man sich auf eigene Faust auf die Suche macht, sollte man beim Arbeitgeber nachfragen, ob der einen Gruppenvertrag mit einem bestimmten Versicherer anbietet. Vorteile sind leicht geringere Beiträge und zum Teil vereinfachte Gesundheitsprüfungen.

3. Geeigneten Versicherer wählen

Suchen Sie bis zu zehn Versicherer aus, und klären Sie - neben dem Preis - folgende Fragen:

In welche Berufsgruppe werde ich eingeordnet?

Sie sollte möglichst niedrig sein, damit die Beiträge niedrig sind (meist gibt es vier, kaufmännische Angestellte werden in die zweite Gruppe eingestuft, Handwerker in der Regel in die dritte).

Welche Tarife gibt es?

Für Männer und Frauen gelten getrennte Tarife, Frauen zahlen mehr. Und man wird je nach Alter in eine bestimmte Tarifgruppe einsortiert. Die Altersstufen sind bei den einzelnen Versicherern unterschiedlich. Deshalb sollte man immer die Prämien für den individuellen Tarif vergleichen.

Welche Probleme kann es bei Vorerkrankungen geben?

Erkrankungen wie Bluthochdruck, Neurodermitis oder Arthrose werden meist vom Versicherungsschutz ausgeklammert. Auf Erkrankungen der Schilddrüse oder Rückenleiden werden Zuschläge von bis zu 100 Prozent der Prämie verlangt. Wenn die Prämie nicht unbezahlbar wird, ist der Zuschlag die bessere Wahl.

4. Vertragsbedingungen prüfen

Das Kleingedruckte entscheidet letztlich über die Qualität des Angebots. Wie bedeutsam die Einschränkungen im Vertrag sind, kann nur individuell entschieden werden, generell gilt aber:
Immer einen Tarif wählen, der keine Verweisungsklausel enthält. Das heißt, der Versicherer kann Sie nicht zwingen, einen anderen Beruf als den jetzigen auszuüben. Manche Versicherungen haben einen teureren Tarif ohne Verweisung und einen günstigeren mit. Hier nicht am falschen Ende sparen!
Verzicht auf das Recht zur Beitragserhöhung. Es gibt zwei verschiedene Systeme. Macht die Versicherung Gewinne, kann sie diese dazu verwenden, die Rente zu erhöhen. Davon profitieren Sie nur, wenn Sie berufsunfähig werden sollten. Besser ist es daher, das so genannte Überschusssystem zu wählen. Hier werden die Gewinne mit den Beiträgen verrechnet. Hintergrund: Der Versicherer kalkuliert die Beiträge sehr viel höher, als er zur Bezahlung der laufenden Renten tatsächlich braucht (Bruttoprämie). Das nicht benötigte Geld wird am Kapitalmarkt angelegt, und die dort erzielten Überschüsse und Zinsen werden dem einzelnen Versicherungsnehmer im Überschusssystem gutgeschrieben. Er zahlt also effektiv eine geringere Nettoprämie, abhängig von den jeweiligen Kapitalmarkterträgen.
Vereinbaren Sie eine Nachversicherungsgarantie. Im Laufe der Zeit verändern sich die Lebensumstände. Wenn der Lebensstandard steigt oder man eine Familie gründet, braucht man auch eine höhere Absicherung. Gleichzeitig gibt es aber auch dynamische Verträge, die jährlich Beiträge und Leistungen um etwa drei bis fünf Prozent anpassen. Dieses als Inflationsausgleich gedachte Instrument empfiehlt sich, wenn der Vertrag eine lange Laufzeit hat.
Der Vertrag sollte eine sechsmonatige Arbeitsunfähigkeit als Berufsunfähigkeit anerkennen und dann rückwirkend leisten.

5. Fragen ehrlich beantworten

Jede frühere Erkrankung, die bei Vertragsabschluss nicht angegeben wird, kann für die Versicherung der Anlass sein, die Zahlung bei Berufsunfähigkeit zu verweigern. Also auf keinen Fall lügen - und präzise sein. Wenn Sie über einen Versicherungsvertreter abschließen, lassen Sie sich nicht von ihm beeinflussen. Sie allein haften für Ihre Aussagen. Halten Sie alle Vereinbarungen schriftlich fest. Beschränken Sie sich bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen nicht auf die paar Zeilen, die das Formular hergibt. Tipp: Nehmen Sie Einsicht in Ihre ärztlichen Behandlungsunterlagen, und heften Sie Kopien davon an das Antragsformular. Der Arzt darf Ihnen das nicht verweigern (§ 810 BGB).

6. Versicherungsschein kontrollieren

Geschafft: Sie halten den Versicherungsschein in Händen. Jetzt müssen Sie nur noch prüfen, ob er alle Vereinbarungen enthält, die Sie in Ihrem Antrag getroffen haben. Allen Abweichungen unbedingt fristgemäß widersprechen.

7. Hilfe suchen

Wer sich beim Abschluss unsicher ist, sollte sich beraten lassen. Objektiv und ohne Verkaufsinteresse beraten - gegen Gebühr - die Verbraucherzentralen der Bundesländer oder unabhängige Versicherungsberater. Weitere Informationen auch bei der Rechtsberatung für Versicherungsangelegenheiten in Berlin und Brandenburg.

Elke Schulze
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