Bundesanstalt für Arbeit Das Arbeitsamt der Zukunft


Florian Gerster hat eine Vision. Die Reform seiner Bundesanstalt für Arbeit soll 500 000 Arbeitslosen einen Job bringen. Schnell, schlank und effizient lautet die Zauberformel.

Langes Warten, verschlossene Türen und volle Flure soll es im Arbeitsamt der Zukunft nicht mehr geben. Im Jahr 2004 will die Bundesanstalt für Arbeit (BA) die entscheidenden Schritte bei der Umsetzung der Arbeitsmarktreform gehen. In zwölf Monaten wird ein Großteil der 181 Arbeitsämter nicht mehr wieder zu erkennen sein, sagt BA-Finanzvorstand Frank-Jürgen Weise und kündigt "einen Leistungssprung im Kundenservice" an.

Ehrgeiziges Ziel: "Wir wollen die Probleme unserer Kunden mit zwei Besuchen im Arbeitsamt lösen." 80 Prozent aller Neuzugänge sollen zudem nach vier Wochen eine Maßnahme zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt unterschrieben haben. Beratung für Arbeitslose gibt es nur noch nach Terminabsprache. Die Arbeitsvermittler sollen von "Störfaktoren" wie Leistungsauskünften oder ständiger Telefonklingelei entlastet werden. 80 Prozent ihrer Arbeitszeit soll künftig für die Beratung und Vermittlung zur Verfügung stehen. Bisher waren es oft nur 25 Prozent.

Der gläserne Kunde

Schon am Empfang beginnt das "Kundenstrommanagement". Dort werden die Anliegen der Arbeitslosen geklärt und gleich beantwortet. Ist dies nicht möglich, werden die "Kunden" an ein Servicecenter weitergeleitet. Die Mitarbeiter dort nehmen die Daten auf. "Der Kunde wird durchleuchtet", erläutert Projektleiter Rainer Bomba. Damit meint er die frühzeitige und komplette Aufnahme der biografischen Daten aller Arbeitslosen.

Termine beim Vermittler gibt es künftig nur noch auf Vereinbarung und spätestens nach einer Woche. "Für das Gespräch steht ein garantiertes Zeitbudget zur Verfügung", ergänzt Bomba. Erste Erfahrungen aus Heilbronn, Chemnitz und Langen (Hessen) sind positiv. "Das neue System ist dem alten bei weitem überlegen", sagt der Projektleiter. Bereits Ende diesen Monats stellen sich zehn Modellämtern auf die neue Struktur um. Das Gros der Arbeitsämter folgt ab Mai nächsten Jahres.

Vermittlung im Internet

Mehr Transparenz, eine schnellere Vermittlung und damit eine kürzere Dauer der Arbeitslosigkeit verspricht sich der BA-Vorstand auch vom neuen Service-Portal im Internet. "Prognosen zufolge soll bereits in zwei Jahren jede zweite Arbeitsvermittlung über das Internet erfolgen", sagt der Leiter des Projekts "Virtueller Arbeitsmarkt" (VAM) Jürgen Koch. Das Portal soll in diesem Dezember starten und die bekannten Informationssysteme SIS, AIS und ASIS ablösen. Schon heute nutzen täglich rund 300 000 Menschen das Internet-Angebot der Bundesanstalt.

Schon im ersten Monat sollen rund 100 000 Arbeitslose ihre Bewerbung selbstständig oder mit Unterstützung des Arbeitsamtes ins Netz stellen. Der "Virtuelle Arbeitsmarkt" eröffne auch Arbeitgebern die Möglichkeit, aktiv im Bewerberpool zu suchen, ohne selbst eine Stelle auszuschreiben.

Das Führungstrio der Bundesanstalt erwartet eine Reduzierung der Arbeitslosenzahl um bis zu 500 000. "Der Umbau wird sichtbar, braucht aber auch seine Zeit", betont Vorstandsvorsitzender Florian Gerster. Die Diskussionen um die Reformen am Arbeitsmarkt haben bei den rund 90 000 Mitarbeitern der Bundesanstalt tiefe Spuren hinterlassen. "Die alte Bundesanstalt ist überfordert, fremdbestimmt und missbraucht", beschreibt BA-Chef Gerster die Entfremdung vieler Mitarbeiter.

Manfred Präcklein DPA

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